Legendäre Fahrräder XIX: Pichlerrad

Von: Dirk Lau
Pichler-Langlieger Illustration: Michael Prahl

Es gibt sie: Menschen, die lieber in der Horizontalen pedalieren! Allein in Deutsch­land etwa 30000. Ihre Räder ha­ben eine nach hin­ten geneigte Sitz- oder Lie­geposition, Netz- oder Schalensitz statt Sattel, vorn an­ge­brachte Tretlager und Pedalen - und oft keinen Lenker! Der Vergleich dieser Liegefahrräder mit so­genannten Auf­rechträdern ist eine Glau­bensfrage. Nur soviel: Der geringere Luft­widerstand dank hochliegender Bei­ne und gestreckter Sitz­position rela­tiviert sich für viele aufrechte Rad­fah­rer*innen schnell, weil Liebhaber*innen von unverkleideten Liege­fahr­rädern bei Regen in voller Körperlänge nass werden. Die um 1900 erstmals gebauten Lang­lieger, so genannt wegen ihres lang gezo­genen Rahmens, gelten als klassischer Lie­geradtyp. Radstand und Wendekreis sind so groß wie die Radlast des Vorderrades gering, weshalb es bei Nässe gern weg­rutscht. Auch enge Kurven mögen Lang­lieger nicht. Infolge der fast aufrechten Sitzhaltung und der nicht vorhandenen Tretlagerüberhöhung weisen sie zudem keine besonders gute Aerodynamik auf. Kurt Pichler hatte 1982 in Heidelberg mit dem Bau der ersten Liegeräder in Deutschland begonnen. Nach dem Umzug ins pfälzische Ludwigswinkel avancierte das »Pichlerrad« zum Langlieger-Klassi­ker. Angesagt sind heute aber vor allem die leichteren Kurz- und Tieflieger. Auch darüber tauschen sich jeden ersten Mitt­woch im Monat die Liegeradmenschen des ADFC Hamburg im Café SternChance aus.

aus RadCity 2/2020