Legendäre Fahrräder XV: Cruiser

Von: Dirk Lau
Abbildung des American Cruisers "Schwinn Autocycle Super Deluxe" Illustration: Michael Prahl

Seit einigen Jahren fahren sie auch wieder auf deutschen Straßen: Cruiser, deren Name sich vom englischen »to cruise« ableitet, dem »ohne bestimmtes Ziel [gemächlich] herumfahren«, so der Duden. Den aus den USA stammenden Fahrradtyp kennzeichnet ein auffällig geschwungene Rahmen­form (aus Stahl), Ballon­bereifung, der weiche gefederte Sattel und ein breiter Moonlenker.

Die ersten cruiserähnlichen Fahrräder tauch­ten bereits kurz nach 1900 auf, ihre Blütezeit hatten die Cruiser in den 1930er- bis 1950er-Jahren, als Schwinn Bicycle Company aus Chicago, damals der führende Fahrradhersteller in den USA, die Massenproduktion startete. Schwinns »Autocycle« mit gebogenem Oberrohr, Federgabel, breitem geschwungenen Lenker und einer Tankattrappe (als Staufach für die Batterie der Licht­anlage) kam 1938 auf den Markt, die Version »Super Deluxe« zwei Jahre später. »Der anmutige Bogen dieses Rahmens hat eine wahre Schönheit«, priesen Werbeanzeigen den Cruiser an. Die Doppelscheinwerfer würden »einen breiten, hellen Weg vor Ihnen für Nachtfahrten schneiden.«

Der Niedergang der Cruiser begann um 1960, als leichte europäische Sporträder immer populärer wurden. Schwinn ver­­passte den Trend zu BMX- und Mountainräder, meldete 1992 Konkurs an. Die Retrowelle der 1990er-Jahre sorgte für ein Comeback. Heute sind Electra Bicycle Company und Felt Bikes die größten und bekanntesten Hersteller von Cruisern.