Legendäre Fahrräder XVII: Ariel

Von: Dirk Lau
Abbildung des Ariel-Hochrads Illustration: Michael Prahl

Unvorstellbar, aber Hochräder, die sich mithilfe von direkt auf der Achse des riesigen Vorderrads montierten Pedalen bewegen lassen, waren einmal die populärste Fahrradform in Europa – vor dem Siegeszug des Sicherheitsniederrads. Zwischen 1870 und 1892 wurden etwa 200 000 Hochräder gebaut. James Starley, ein fahrradbegeisterter Nähmaschinenfabrikant aus Coventry, hatte ein Michauxrad, das bereits indirekt mittels Tretkurbeln am Vorderrad angetrieben wurde, zu einem neuem Fahrradmodell weiter entwickelt, das er ab September 1871 als «Ariel» anbot und das über Vollgummireifen mit Drahtspeichen verfügte – eine Offenbarung für damalige Radfahrer*innen. Das Vorderrad war mit 50 Zoll (127 cm) Durchmesser deutlich größer als bei den bis dahin üblichen Michaulinen mit 90 cm und das Hinterrad mit 14 Zoll (35 cm) deutlich kleiner. Der umgangsprachliche Name «Penny-Farthing» spielte auf das Größenverhältnis der zwei Räder von Starleys Modell an, das dem der englischen Penny- und Farthing-Münzen entsprach. Vor allem junge Männer der gehobenen Bürgerschicht und des Adels begeisterten sich für das Radfahren «hoch zu Rosse», das besonders beim Auf- und Absteigen viel Geschick erforderte. Durch den hohen Schwerpunkt (der Sattel befand sich rund 1,5 Meter über dem Boden) drohte bei Bremsmanövern oder Schlaglöchern die Gefahr, sich zu überschlagen. Tödliche Kopfstürze («Header») waren nicht selten. Das Hochradfahren blieb daher eine Episode in der Geschichte des Fahrrads und ist heute nur noch eine Liebhaberei.

aus RadCity 5/2019