Legendäre Fahrräder XVIII: Spacelander

Von: Dirk Lau
Illustration: Michael Prahl

Ein Fahrrad wie ein Raumschiff! Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg verkörperte der Spacelander von 1946 für viele Menschen den Aufbruch ins neue »Weltraumzeitalter«. Die futuristisch anmutende Konstruktion aus Fiberglas verfügte über eingebaute Scheinwerfer und hintere Kotflügel. Entworfen hatte sie der britisch-US-amerikanische Industriedesigner Benjamin Bowden (1906-1998), der sein Geld zwar in der Autobranche verdiente, aber vor allem durch dieses leuchtend rote Fahrrad berühmt wurde - zu seinem Leidwesen. Der »Raumfahrer« bildete 1946 Bowdens Beitrag zur Industriedesign-Ausstellung »Britain Can Make It« im Londoner Victoria and Albert Museum. In Serie ging sein Rad erst 14 Jahre später - allerdings nur für ein Jahr und mit lediglich 522 Stück. Historikern gilt Bowdens Spacelander als »Wunderwerk des biomorphen Designs der Nachkriegszeit«. Mit seinen geschwungenen Linien und markanten Hohlräumen griff das Rad den stromlinienförmigen Vorkriegsstil auf. Anstelle von Stahlrohren, die miteinander verschweißt wurden, nahm Bowden aber für den 20 Kilo schweren Spacelander zwei Pressstahlrahmen, die er zu einem Körper verband. Das Modell von 1946 besaß zudem einen Elektromotor, der auf Abfahrten und beim Bremsen Strom für Licht, Hupe und ein eingebautes Radio tankte. Als die Kleinserie 1960 startete, hatte sich der Geschmack aber bereits wieder geändert: Der Spacelander floppte in den Läden, wanderte dafür aber als moderner Designklassiker ins Museum.

aus RadCity 1/2020