Legendäre Fahrräder XXI: Hollandrad

Von: Dirk Lau
Illustration: Michael Prahl

Sie wirken vielleicht etwas unhandlich und altmodisch, aber unsere west­­lichen Nachbar*innen lieben sie! Wäh­rend Deutsche bei der Wahl ihres fahrbaren Unter­satzes allergrößten Wert auf In­di­vidualität und Ausstattung legen, geben sich Nie­der­länder*innen mit einem ein­zi­gen Fahrradtyp zufrieden. Der trägt dafür auch gleich den Namen des Landes.

Robuster Stahl, also recht schwer, dafür ohne Schnickschnack und entsprechend wartungsarm sowie hoher Fahrkomfort dank aufwändig gefedertem Sattel sowie nah am Körper positioniertem Lenker kenn­zeichnen das Hollandrad. Charak­terisitisch für diese »Stadsfiets« oder »Omafiets« genannten Räder sind die auf­rechte Sitzposition des/der Fahrer*in, Voll­kettenschutz und Hinterrad-Sei­ten­verkleidung. Auch einige kons­truktive Details aus der Frühzeit des Fahrradbaus, wie etwa gerade geschlitzte Gabelenden aus Rahmenrohr anstatt der üblichen Ausfallenden, findet man heute fast nur noch an den Hollandrädern.

Das Prädikat "Nederlandsch Fabrikaat" kam erst in den 1920er-Jahren auf. Die niederländischen Radhersteller setz­ten vor allem auf Qualität und Langlebigkeit. Begünstigt wird die Liebe der Nie­der­länder*innen speziell zum Hollandrad durch die flache Landschaft, das eng­maschige, gut ausgebaute Straßennetz und die hohe, gesellschaftliche Akzeptanz des Rads als alltägliches Verkehrs- und Trans­portmittel. Eine Evolutionsstufe, von der Deutsche noch träumen - von einem »Deutschlandrad« ganz zu schweigen.

aus RadCity 4/2020