RadCity, Rund ums Rad
07.04.2018

Fahrradboten

Von: Michael Lutter

Flitzen für die Frische

Fahrradkuriere sind seit vielen Jahren ein normaler Anblick in den Großstädten; Rad fahren ist damit zum Beruf geworden. Wenn es schnell gehen muss, schlägt das Rad das Auto schon lange. Ganz besonders schnell gehen muss es natürlich, wenn es ums Essen geht.

So hat sich durch das Aufkommen der Food-Lieferdienste eine neue Art von Fahrradboten auf den Straßen etabliert. Pizza, Pasta, Sushi und Salat werden in Windeseile direkt an die Haustür gebracht, die Anbieter versprechen sogar »Höchstwartezeiten«, die nicht überschritten werden sollen. Aber wie ist das, wenn man Termindruck und erkaltende Speisen im Rücken hat und dazu auch noch mit den »ganz normalen« Widrigkeiten des Radfahrens kämpft? Michael Lutter hat ein paar von ihnen gefragt.

Samuel

Fahrradbote Samuel (26) adfc hh/Michael Lutter
Samuel (26)

Seit wann machst Du diesen Job – und vielleicht warum? Seit September 2017. Aus Spaß am Fahrradfahren, wegen des netten Teams und der fairen Bezahlung.

Was macht daran Freude? Das Neu-Entdecken der Stadt und der vielen unterschiedlichen Sitze verschiedenster Büros, Agenturen usw. Das aktive Mitwirken im Straßenverkehr – inbesondere natürlich im Radverkehr der Stadt.

Was nervt? Im Nirvana endende Radwege, wechselnde Ampelschaltungen, Privatfahrzeuge auf Radwegen (mit Warnblinker), Rechtsabbieger ohne Schulterblick und Blinker; Schneeregen.

Was würdest Du dir von der Stadt/anderen Verkehrsteilnehmer*innen wünschen? Wesentlich mehr Rücksichtnahme und bessere Kommunikation zwischen Verkehrsteilnehmern, durch Zeichen oder Blickkontakt (statt pöbeln oder hupen). Von der Stadt: Radwege, die für alle sicher befahrbar sind (Kinder, Sportler, ältere Menschen ...) und die Spaß machen zu fahren.

Micha

Fahrradbote Micha (22) adfc hh/Michael Lutter
Micha (22)

Seit wann machst Du diesen Job – und vielleicht warum? Seit Dezember 2017.

Was macht daran Freude? Bezahltes Training, flexible Arbeitszeiten.

Was nervt? Das Wetter – danke, Hamburg!

Was würdest Du dir von der Stadt/anderen Verkehrsteilnehmer*innen wünschen? Mehr Rücksicht von Autofahrern und Fußgängern.

Mareile

Fahrradbotin Mareile (26) adfc hh/Michael Lutter
Mareile (26)

Seit wann machst Du diesen Job – und vielleicht warum? Drei Monate im Jahr 2016 und jetzt wieder seit einer Woche.

Was macht daran Freude? Das Fahrradfahren (möglichst schnell), der Kundenkontakt (meistens), die Sonne (selten), das Team (immer).

Was nervt? Rote Ampeln.

Was würdest Du dir von der Stadt/anderen Verkehrsteilnehmer*innen wünschen? Mehr Rücksicht von Autofahrern und Fußgängern.

Lauri

Fahrradbote Lauri (29) adfc hh/Michael Lutter
Lauri (29)

Seit wann machst Du diesen Job – und vielleicht warum? Seit genau einem Jahr! Weil die Immobilienblase immer weiter wächst, anstatt endlich mal zu platzen!

Was macht daran Freude? Hallo?! Ich werde fürs Radfahren bezahlt! Manch einer schmeißt Geld fürs Fitness-Studio raus und ich bekomme auch noch Trinkgeld fürs Sport treiben.

Was nervt? Elektroautos – die hört man nicht kommen. Und, dass Hamburg so wenig Regentage hat ;) – bei Regen gibt’s nämlich mehr Trinkgeld!

Was würdest Du dir von der Stadt/anderen Verkehrsteilnehmer*innen wünschen? Von der Stadt: Eine grundlegende Renovierung und einen durchdachten Ausbau der Fahrradwege! Die sind teilweise unterirdisch. Von Fußgängern: Nicht auf dem Radweg gehen – am besten noch zu viert in einer undurchdringlichen Wand nebeneinander. Von Autofahrern: Bitte, bitte haltet euch bei starkem Regen von Pfützen am Straßenrand fern. Danke!

Victor

Fahrradbote Victor (33) adfc hh/Michael Lutter
Victor (33)

Seit wann machst Du diesen Job – und vielleicht warum? Seit Juni 2016. Ich war selbstständiger Grafikdesigner und brauchte einen Ausgleich zum Home-Office. Nachdem ich mich erst bei Foodora und Deliveroo beworben hatte, kam ich durch einen Tipp an Stadtsalat. Das hat mein Leben verändert. In­zwischen habe ich meine Selbst­ständigkeit aufgegeben und arbeite sowohl im Office als auch als Kurier. Ich kann mir nichts Besseres vorstellen.

Was macht daran Freude? Fahrradfahren war schon immer eine meiner größten Leidenschaften. Ich arbeite im besten Team der Stadt. Die frische Luft, Bewegung und der Kontakt mit den Kunden machen mich zu einem positiven, ausgeglichenen Menschen.

Was nervt? Definitiv Schneeregen und Rollsplit im Winter. Verkehrsteilnehmer, die nicht auf ihre Umgebung achten. Radwegparker.

Was würdest Du dir von der Stadt/anderen Verkehrsteilnehmer*innen wünschen? Von der Stadt: Eine vernünftige Rad-Infrastruktur wie in Holland oder Dänemark. Abgetrennte und sichere Radwege. Von Verkehrsteilnehmern: Öfter mal über den Tellerrand schauen. Nicht nur an sich selbst denken. Vorausschauend fahren. Weniger Ignoranz, mehr Toleranz.

Michael Lutter in RadCity 2/2018