Radtouren

Der Weg nach Bremen

Von: Anne-Karin Tampke

Eine Stadt – Land – Fluss – Tour

Anne-Karin Tampke
Hamburg-Finkenwerder
Kühe auf dem Deich Anne-Karin Tampke
Kühe auf dem Deich

Um 10 Uhr erwartet uns Bernd Everding am Fähranleger Finkenwerder – ein Stadtteil Hamburgs zwischen Dorfidylle mit Fachwerkhäusern, Apfelbäumen und Großstadtindustrie. Auf der ehemaligen Elbinsel, die seit 1962 mit dem Land verbunden ist, trifft Tradition auf Moderne. Bis 1973 wurden hier auf der größten deutschen Werft, der Howaldtswerke-Deutsche Werft AG (HDW), Schiffe gebaut, heute sind es Flugzeuge, die auf dem Werksgelände von Airbus gerfertigt werden.
Wir lassen den Rüschpark, der auf dem früheren Gelände der Deutschen Werft angelegt wurde, hinter uns, den Yachthafen von Finkenwerder rechts und das Elternhaus von Gorch Fock links liegen. Wir erfahren, dass Johann Wilhelm Kinau tagsüber bei der Reederei Hadag arbeitete und nachts unter dem Pseudonym Gorch Fock Gedichte schrieb.
Die barocken Innenräume der St. Pankratius-Kirche in Hamburg-Neuenfelde mit der Deckenbemalung sind sehr beeindruckend, weiß unser Tourenleiter Bernd. Einen Besuch in der Kirche verschieben wir jedoch auf einen anderen Tag, denn es liegen noch mehr als 100 Kilometer vor uns.

Tourenleiter Bernd am Gaußturm Anne-Karin Tampke
Tourenleiter Bernd am Gaußturm

Von Gauß persönlich vermessen

Bernd führt uns zur Este, einem Nebenfluss der Elbe. Schafe leisten aktive Deichpflege. Obstbauern hegen Elstar, Jonagold und viele weitere Apfelsorten. Schon bald sehen wir die Turmspitze der St. Petri Kirche von Buxtehude. Nach der letzten Estekurve endet der schiffbare Fluss und wir sind im Hafen der früheren Hansestadt angelangt. Eine Buche und die Hude, eine Bezeichnung für eine Schiffsanlegestelle, gaben Buxtehude den Namen. Im Binnenhafen sind Fachwerkhäuser in langer Reihe am Westfleet aufgereiht, dort wo der Ewer „Margaretha“ vor Anker liegt. Hinter dem Marschtorzwinger, einem der letzten von fünf erhaltenen Rundtürmen an der früheren Stadtmauer, biegen wir zu den Estewiesen ab. Wir beobachten Reiter auf den Pferdekoppeln und freuen uns über die hübsch restaurierten, reetgedeckten Häuser.
In Sauensiek geht es auf den Litberg. Von hier aus führte der Physiker Carl Friedrich Gauß im 19. Jahrhundert wegen der guten Sicht nach Hamburg-Altona, Elmshorn und zum Wilseder Berg Vermessungsarbeiten durch. Von dem 25 Meter hohen Gaußturm genießen wir die Aussicht in die Region. Unser Tourenleiter bietet die Tour schon seit einigen Jahren an. Den Streckenverlauf passt er häufig an. Zeit für Tee, Butterbrote oder sonstige Snacks nimmt er sich aber immer gern hier.
Weiter geht es durch eine landwirtschaftlich geprägte Gegend. Trecker und Graugänse ziehen über die Felder. Kühe grasen oder werden auf den Bauernhöfen mit Silage versorgt.
Seerosen bedecken den Kuhmühlenteich am ehemaligen Rittersitz in Groß Meckelsen. Trauerweiden senken ihr Laub ins Wasser, Haubentaucher leben am Ufer. Die Sonne glitzert auf dem Teich. Kein Wunder, dass sich Menschen schon vor über 2000 Jahren hier angesiedelt haben. Wir könnten im Gasthaus zur Kloster-Mühle übernachten, die Seele und die Beine baumeln lassen, aber unsere Radlerwaden sind bereit für den zweiten Teil unserer Strecke.

Natur und Kunst

Wir folgen dem Mönchsradweg nach Elsdorf. Auch hier kennt Bernd gute Einkehrmöglichkeiten. Auffällig in dem Ort ist die Allerheiligen-Kirche, deren Kirchenschiff aus dem Jahr 1798 stammt.
In Nartum, einem Ort gute 100 Kilometer von der Nordsee entfernt, umgeben von Gräben und Wiesen, liegt ein Schiff im Hafen. Hier arbeiten zwei Mitglieder des Nartumer Hafenvereins im Trockendock. Der Verein trifft Vorkehrungen für die Auswirkungen des Klimawandels und den damit verbundenen Anstieg der Weltmeere. Experten haben berechnet, dass die Umgebung in etwa einhundert Jahren unter Wasser stehen wird. Man glaubt, dass auf dieser Anhöhe, etwa 35 Meter über NN, Schiffsverkehr möglich sein wird, und darauf bereiten sich die Dorfbewohner schon jetzt vor, besonders intensiv beim jährlichen Hafengeburtstag.
Glücklicherweise erreichen wir den nächsten größeren Ort Fischerhude auf trockenen Wegen. Als Künstlerkolonie und Bauerndorf wurde er Anfang des 20. Jahrhunderts zum Anziehungspunkt für Malerinnen und Maler. Äußerst pittoreske Motive finden sich in der Wümmeniederung. Die Seitenarme des Flusses Wümme ziehen sich durch große offene Wiesen. Im Frühling schmückt die Sumpfdotterblume die Auenlandschaft. Schwäne, Gänse, Enten, Bekassine, Wachtelkönig und viele andere Lebewesen finden hier ausreichend Nahrung. Das Naturschutzgebiet Borgfelder Wümmewiesen ist wirklich ein Naturerlebnis. 

Am Kuhmühlenteich
Am Kuhmühlenteich
Trockendock Anne-Karin Tampke
Trockendock

Schwerelos und magisch angezogen

Der Fallturm Bremen schließlich weist uns den Weg in die Hansestadt. In der 110 Meter langen Röhre führen Wissenschaftler Experimente zur Schwerelosigkeit durch.
Wir fühlen uns magisch angezogen vom Bürgerpark in Bremen und radeln durch waldähnliches Gehölz und großzügig angelegte Parkanlagen. Die Bremer*innen schätzen ihre 200 Hektar große grüne Oase ganz in der Nähe des Hauptbahnhofs sehr. Und wir freuen uns auf ein gemeinsames Abendessen. bevor es mit dem Zug zurück nach Hamburg geht.
Drei Hansestädte verbindet unsere 120 km lange Tour durch Natur- und Flusslandschaften. Und uns verbindet eine tolle gemeinsame Fahrt durch Orte mit maritimer Geschichte. 

Wümmewiesen Anne-Karin Tampke
Wümmewiesen
Kunst in Ritterhude Anne-Karin Tampke
Kunst in Ritterhude
Fahrradkunst Anne-Karin Tampke
Fahrradkunst

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