05.06.2018

Sehr nah am Wasser

Von: Anne-Karin Tampke
Räucherkate am Schaalsee

Mit dem Mountainbike rund um den Schaalsee.

Die Rapsfelder leuchten gelb, die Apfelblüte hängt in schweren Bällen von den Ästen, die Bäume schlagen aus. Der Mai ist gekommen und die Sonne freut sich mit uns. Schon die Anfahrt zum Schaalsee ist ein Genuss. Wir hatten uns im Vorwege zu Fahrgemeinschaften verabredet und fahren mit dem Auto zu dem Treffpunkt. Der Tourenleiter Addi Tiemann empfängt uns am 5. Mai 2018 am Info-Zentrum Pahlhuus in Zarrentin. Bevor wir starten, überprüft Addi unsere Räder. Bei unserer Runde durch das Gehölz ist es wichtig, dass der Reifendruck stimmt und dass die Bremsen funktionieren. Das Mountainbike ist hierfür ideal. Ein gutes Tourenrad mit Erfahrungen im Gelände eignet sich auch.

Wildromantisch Im Uhrzeigersinn fahren wir um das Unesco Biosphärenreservat Schaalsee. Der Sturm im Frühjahr hat seine Spuren hinterlassen. Bäume und Äste versperren den Weg. Wir vermeiden das anspruchsvolle, moorige Gelände und fahren kurze Passagen an der Straße. Die über 300 Jahre alte Kulturlandschaft besteht aus einem Mosaik von Wäldern, Seen, Wiesen und Feldern, kleinen Dörfern, alten Alleen und heckengesäumten Wegen. Den See haben wir dabei immer im Blick. Die Reifen schieben sich sanft über die Baumwurzeln. In Wellen geht es durch den Buchenwald. Der Kuckuck ruft, die Braut lässt sich noch bitten. Bei dem Duft des Bärlauchs kommen uns die besten Ideen für Gerichte mit dem wilden Knoblauch. Der Löwenzahn strahlt mit dem Raps um das schönste Frühlingsgelb um die Wette.

Ruderer auf dem Schaalsee

Erinnerungen Im Hofcafé in Dargow gibt es leckeren Kuchen und geräucherten Fisch. Eine gute Gelegenheit, sich bei einem Imbiß an alte Zeiten zu erinnern. Früher war Malte Wiedenmann ein sehr aktiver Tourenleiter für den ADFC in diesem Gebiet. Addi hat seine Tour größtenteils übernommen. Unser Mitradler Gunnar erinnert sich, dass er häufig mit Malte unterwegs war. 

Gut gestärkt und voller Erinnerungen geht es weiter in Richtung Kneese. Unbemerkt sind wir über die Landesgrenze nach Mecklenburg-Vorpommern gefahren. Mitten durch den Schaalsee verlief die innerdeutsche Grenze und teilte Land und Menschen. Harry Weltzin aus Wismar wollte 1983 in die BRD flüchten. Im Alter von 28 Jahren wurde er von einer Selbstschussanlage erschossen, als er ein Loch unter den Grenzzaun grub. 50 Meter trennten ihn von dem Staatsgebiet der BRD. Bei Kneese erinnert heute ein Mahnmal an die Menschen, die bei ihrem Fluchtversuch ums Leben kamen. 

Naturbiken im Buchenwald

Die Natur hilft, wieder auf andere Gedanken zu kommen. Direkt vor unseren Reifen huscht eine Schlange über den Weg. Sie schafft es gerade noch rechtzeitig ins Gebüsch. Das Kiosk Café „Seeblick“ in Lassahn verspricht nicht zu viel. Wir genießen einen gigantischen Ausblick von der „Hochsitzlounge“. Während wir Rhabarberkuchen und selbst gemachte Limonade mit Holunderblütensirup genießen zieht ein Seeadler seine Kreise über den Schaalsee. Sein Flügelschlag ist majestätisch. Erstaunlich, dass der Greifvogel aus der bemerkenswerten Höhe Fische im Wasser erkennen und sie dann greifen kann. 

Baumwellness

„…Insel der froheren Einsamkeit, geliebte Gespielin des Wiederhalls und des Sees, welcher itzt breit, dann, versteckt wie ein Strom, rauscht an des Walds Hügeln umher….“

Friedrich Gottlieb Klopstock schrieb dieses Gedicht als er sich 1767 auf Kampenwerder, der größten Insel im Schaalsee, aufhielt. Die Zeilen sollen entstanden sein als er unter einer alten Eiche saß. Die Eiche trägt heute Kloppstocks Namen. Wir lassen uns von dem altehrwürdigen Baum umarmen.

Erfrischung im See
Abendbrot

Erfrischung Bald ist unsere Radtour leider beendet aber wir wollen diesen Ort nicht verlassen ohne das Wasser auf der Haut gespürt zu haben. Die Wassertemperatur hält uns nicht vom Anbaden ab! Das Wasser ist eisig aber herrlich erfrischend. 

Auf der letzten Etappe machen wir noch einen kleinen Schlenker zurück zur Schaalseefischerei. Bei der großen Auswahl an Räucherfisch können wir uns kaum entscheiden, was wir mitnehmen sollen. Geräucherte Maräne, Saibling, Aal und Forelle wandern in unsere Rücksäcke und Taschen. Auch für die letzten Fischklopse und die hausgemachte Remoulade finden wir noch Stauraum. Der Fischer schaut fast erschrocken, weil wir kaum Ware für den nächsten Verkaufstag interlassen. Bei der Vorfreude auf das Abendessen fällt uns der Abschied vom Schaalsee nicht ganz so schwer. 

Eine wunderschöne Tour für Radler die es mögen, auf unbefestigten Wegen zu fahren. Ideal für Mountainbike-Einsteiger oder erfahrene Treckingbiker. Addi plant, diese Tour im nächsten Frühjahr wieder anzubieten. Wir freuen uns schon heute darauf. 

Frühlingsradler
Tourenbesprechung
Fahrrad mit Seeblick

Anne-Karin Tampke in RadCity 4/2018