Jugend-Blog 2020

fünf Momente meines Bundesfreiwilligendienstes

Moin, ich bin Julian. Ich wusste nach meinem Abi letztes Jahr nicht zu 100%, was ich machen wollte. Ich hatte die Idee zu studieren, Informatik, Stadtplanung oder so. Um noch ein bisschen Zeit zum Überlegen für diese wichtige Entscheidung zu haben, einfach mal was anderes zu machen und auch etwas für unsere Gesellschaft (und Umwelt) zu tun, fasste ich den Entschluss, ein FÖJ oder BFD zu machen. Einfach ein Jahr ohne Plan oder „nur“ Rumreisen, wie es viele meiner Bekannten und Freunde machen, kam für mich nicht in Frage. Da ich seit vielen Jahren gerne Fahrrad fahre und mich auch für Verkehr und Stadtplanung interessiere, passte die Möglichkeit des ADFC für mich wie die Faust aufs Auge. Ich bewarb mich, hatte eine Woche später ein sehr angenehmes Vorstellungs-/ Kennlerngespräch und da war er: mein Plan für das nächste Jahr.

Fast genau ein Jahr später nun ist mein BFD schon fast rum, ging enorm schnell, ich werde mich aufs Studium zur Stadtplanung bewerben und habe extrem viel mitgenommen aus dem Jahr. Ein paar dieser Momente möchte ich hier gern mit dir teilen.

Hast du auch Lust auf ein BFD beim ADFC? Dann melde dich gerne bei mir oder uns!

Das Jugend-Fahrrad-Festival

adfc hh / Rainer Schulz
Das Team vom Jufafe

Ich habe gerade vor einigen Tagen mit meinem Bundesfreiwilligendienst angefangen und bin auf dem Weg zur Jugendherberge in Horn, natürlich mit dem Fahrrad. Fährt sich auch ganz gut, auf der neu ausgebauten Veloroute. Es ist noch früh am Morgen, daher sind wenige Menschen unterwegs, und man riecht die Sommer-Morgenluft, ich sollte definitiv öfter früh aufstehen.
Heute ist der erste Tag des Jugend-Fahrrad-Festivals (kurz JuFaFe), bei dem Jugendliche aus ganz Deutschland zusammenkommen und sich über das Fahrrad austauschen und gemeinsam Spaß haben. Das Ganze hatten meine beiden Vorgänger beim BFD organisiert. Nun gilt es dafür erst einmal, alles aufzubauen. Die Fahrrad-Garderobe zum Abstellen der Fahrräder, die Veranstaltungsräume, die Rallye vorbereiten, den Infotisch, die Workshop-Räume herrichten und letzte Änderungen bei der Planung besprechen. Dann kommen auch schon die Jugendlichen – nach und nach. Einige per Bus, andere wirklich mit dem Fahrrad, z.B. aus Bremen. Gemeinsam begrüßen wir uns und beziehen die Zimmer.
Dann geht es weiter mit dem Essen (für eine Jugendherberge echt nicht schlecht) und wir gehen gemeinsam zur offiziellen Begrüßungsveranstaltung. Meine Vorgänger*innen beim BFD begrüßen von der Bühne aus die Teilnehmer*innen, spielen ein Spiel, welches ich mir noch kurz vorher ausgedacht habe: Fahrradrennen, wie Pferderennen, wenn ihr das kennt (sonst Googlen), nur eben mit dem Fahrrad.
Dann spricht Kirsten Pfaue, Hamburgs Fahrradkoordinatorin und erzählt etwas darüber, wie es beim Thema Fahrrad gerade in Hamburg aussieht (kommt bei mir positiver an, als dass, was ich auf den Straßen erlebe, aber das ist wohl Teil ihres Jobs). Dann wird das Programm des Festivals vorgestellt (die Workshops) und welche Regeln hier so gelten.
Ich schleiche mich aus dem Raum, muss noch besprechen wie das morgen klappt mit der Anreise zum Workshop, da ist in der Planung etwas schiefgelaufen. Nach einigen Telefonaten und Besprechungen hat sich das aber wieder geklärt. Ich war direkt am Anfang meines BFD direkt voll eingebunden. Wir Leiter des Wochenendes lassen den Tag mit einem kurzen Aufenthalt auf der Dachterrasse ausklingen und gehen schlafen, um am nächsten Tag fit zu sein für die Workshops.

Die „Rad Hamburg“-Messe

adfc hh / Sünje Callsen
Sünje und ich probieren ein Lastenrad aus

Es ist 8:30, ich fahre mit dem Fahrrad zu den Messehallen, welche nur wenige Minuten von meinem Zuhause entfernt sind. Am Eingang zeige ich meine Karte vor und sage „Ich bin Aussteller“, dadurch darf man eher rein, als diejenigen welche an einem Wochentag-Morgen eine Reisemesse besuchen (Menschen über 60) und schon vor der Tür stehen. Im Gewusel der Messehalle suche ich den ADFC-Stand, da bin ich am Vormittag eingeteilt. Mit dem Thema „Raderlebnisse rund um Hamburg“ bieten wir ein Thema, welches für Menschen, wie mich geeignet ist, die nicht mit ihrem Wohnmobil oder dem Flugzeug, mit dem dazugehörigen CO2-Ausstoß, in weit entfernte Länder reisen wollen.
Die Gespräche mit den Besucher*innen der Messe machen Spaß, Viele freuen sich über unsere Beratung, die nicht dazu dient, etwas zu verkaufen. Dabei gelingt es, einige davon zu überzeugen, dass man auch bei uns in der Natur viel erleben kann.
Am Nachmittag bin ich beim Fahrradparcours eingeteilt, den der ADFC betreut. Hier können alle Fahrräder, die es zu kaufen gibt, ausprobiert werden. Wir passen auf, dass sich alle an die Regeln halten, keine Unfälle passieren und die Leute da unterschreiben, wo sie unterschreiben müssen. Außerdem drehen wir selbst mal eine Runde mit dem Lastenrad, was, mit dem schnellen E-Motor, wirklich Spaß macht, fast fallen wir um. Doch alles geht gut und wir können ganz seriös weiterarbeiten und die Nutzer des Parcours heute zählen. Nach siebenmaligem Neuanfang der Zählung (man vergisst einfach häufig wo man war) kommen wir auf 637, wow, nicht schlecht!

Ein Tag im Büro

Ich kaufe neue Waffel- und Gebäckmischungen

Ich komme morgens ins Büro, noch leicht verschlafen, schalte den Drucker ein, lüfte, schließe das Lager auf, und klaue mir heimlich einen Keks (oder vielleicht zwei) aus der Dose mit der Waffel- und Gebäckmischung, die im Büro für uns glücklicherweise bereitsteht. Ich gehe an meinen Schreibtisch und gucke in meine Emails. Neben meiner Tastatur liegen zwei Formulare, von Personen, die Mitglied werden wollen, ich weiß zwar nicht, wer sie dahin gelegt hat, aber trage sie in unser Mitgliederverwaltungs-Onlinetool ein. Zurück zu den Mails: drei neue. Ein Newsletter, nichts groß Neues drin, wenn man selbst an der Hälfte der Themen mitgewirkt hat. Eine Frage von einem Aktiven, ob er sich an einem bestimmten Tag den Pavillon und Flaggen für einen Infostand ausleihen kann - klar kann er, ich notiere es im Kalender. Und eine Mail von DHL, ein Paket wurde bei unserm Nachbar abgegeben. Ich gehe rüber zum Kräuterladen, im selben Flur, es riecht nach einem Mix aus hunderten Kräutern. Ich hole das Paket. Es sind neue Flyer und Poster; sehen echt gut aus!
Im weiteren Verlauf des Tages beginne ich, einen Text für die RadCity über das JugendFahrradFestival zu schreiben, unterhalte mich mit meinen Kolleg*innen, wir gehen mittags zu unserem Lieblings-Inder. Ich gehe ab und zu ans Telefon und leite an die weiter, zu denen die einzelnen Themen gehören. Und ich kaufe Nachschub an Waffelmischungen und weiterem Knabberzeug. Insgesamt echt viel an einem Tag und echt abwechslungsreich, mal gucken was es morgen so gibt.

Eine politische Veranstaltung für Tempo-30

adfc hh / Sabine Hartmann
Das Plakat für die Tempo-30-Veranstaltung

Heute Abend machen wir eine Veranstaltung. Gemeinsam mit einer Schule in Barmbek wollen wir dafür sorgen, dass es vor deren Schuleingang und auch sonst überall in Hamburg mehr Tempo30-Strecken und -Zonen gibt (zwischen einer solchen Strecke und Zone zu unterscheiden ist für viele ADFCler sehr wichtig).
Gemeinsam mit meiner Kollegin Wiebke arbeite ich schon länger an dem Thema Tempo30, und wir haben auch gemeinsam die Veranstaltung heute vorbereitet: Politiker*innen eingeladen (von denen tatsächlich viele gekommen sind), mit der Schule gesprochen und die Präsentation vorbereitet, dabei haben wir auch mit einer Initiative von Eltern zusammengearbeitet.
Den letzten Schliff an der Präsentation, welche unser Online-Tool zur Beantragung von Tempo 30 vorstellt, macht Wiebke noch wenige Stunden bevor wir zusammen los müssen. Ich gucke noch einmal drüber und wir gehen alle Folien kurz durch. Sieht für die wenige Zeit echt gut aus, finde nur ein zwei kleine Fehlerchen. Mit dem Bus (aufgrund des Starkregens) fahren wir zum Veranstaltungsort. Wir bereiten uns kurz vor. Dann kommen auch schon die Besucher*innen (vor allem viele Eltern aus der Gegend) und Politiker*innen. Wiebke präsentiert die soeben vervollständigte Präsentation. Ein Fehler hat sich offenbar eingeschlichen, bei einem Diagramm war die Beschreibung von zwei Achsen vertauscht (Mist, das war ich). Den anwesenden Verkehrsexperten fällt das natürlich sofort auf – ich korrigiere. Danach geht es in die Diskussion mit den Politikern, in der klar wird, dass eigentlich alle (auch CDU und FDP vor Ort) hier Tempo 30 wollen. Warum ist dann, selbst nach jahrelangem Engagement der Eltern, noch nichts passiert?
Wenige Wochen nach dieser Veranstaltung wird das runde Schild mit der 30 drauf aufgestellt. Ob wir durch unsere Veranstaltung dazu beigetragen haben? Vermutlich, auch wenn es wohl niemand zugeben wird.

Ein Bundesfreiwilligendienst-Seminar

adfc hh / Rainer Schulz

Ich wache auf, nicht Zuhause sondern in einem wunderbaren Stockbett in einem Gästehaus. Ich habe mir den besten Platz (oben mit Blick aufs Fenster) ergattert. Es ist Seminartag (25 davon gibt es in einem Jahr beim BFD). Diese verbringt man in der Regel in irgendeinem Umwelthaus, wo nur selten ein Bus vorbeifährt.
Wir frühstücken gemeinsam, nach den bisherigen drei Tagen kennen wir uns alle schon gegenseitig und haben viel zu reden. Unsere Workshopleiterin kommt auch rein. Anders als bei den Klassenreisen damals, sind die nicht dauerhaft da, sondern wir sind auch mal auf uns allein gestellt und machen uns gemeinsam selbst essen. Heute geht es zusammen nach Halle, wo wir eine „konsumkritische Stadtführung“ machen. Viele der Seminar-Themen haben etwas mit Umwelt und Natur zu tun. Wir besuchen verschiedene Orte in der Stadt und schauen uns an, wofür diese Orte stehen und wie sich diese auf die Umwelt auswirken, eine Bank, ein Metzger, ein Unverpackt-Laden. Dabei gibt es wenig, was uns von den Leiter*innen erzählt wird, sondern wir kommen eher ins Gespräch – die Orte sind quasi nur der Gedankenanstoß.
Die Tour endet bei einem Laden welcher Waffeln verkauft. Hier geht es nicht darum, wie schlecht Waffeln doch für die Umwelt sind, sondern einfach nur darum, welche zu essen. Muss auch mal sein, nach all dem Reden in der Kälte. Ich teile mir mit einem andern Seminarteilnehmer zwei verschiedene Waffeln (immerhin beide vegan) und wir denken uns lustige Namen für Waffelgerichte aus. Zurück geht es mit der Straßenbahn und dem Bus (der, der so selten fährt), dort spielen wir noch Karten und „Wer bin ich“ und gehen schlafen.

Das war mein Bundesfreiwilligendienst. Wenn du Lust bekommen hast, auch so etwas zu erleben, findest du hier mehr Informationen zum Bundesfreiwilligendienst beim ADFC.