Jugend, ADFC, Verkehr
14.11.2017

ADFC-Bundeshauptversammlung 2017 in Berlin

erstellt von Georg Sommer
Blick über die Delegiertenköpfe Richtung Bühne; zahlreiche Delegierte halten eine Abstimmungskarte hoch adfc hh

Abstimmungen mit breitem Konsens: Die BHV 2017 traf die meisten ihrer Beschlüsse mit deutlicher Mehrheit oder einstimmig

Femke mit Unterlagenmappe, Syberg mit Mikrofon. Beide blicken in die Kamera. adfc hh

Femke Pfaue assistiert dem Bundesvorsitzenden Ulrich Syberg bei der Vergabe von Ehrungen auf der Abendveranstaltung der BHV

Beide stehen am Rednerpult auf der Bühne vor der Versammlung adfc hh

Junge Leute im ADFC: Einen erfolgreichen Antrag zur Verankerung der Jugendarbeit stellten Kirsten Meier (l.) und Femke Pfaue den Abgeordneten vor

Die Hamburger Delegation berichtet von einer Versammlung, bei der mit Jugendarbeit, Verbandsreform und autonomem Fahren wichtige Zukunftsthemen im Vordergrund standen.

Am Samstag und Sonntag (11. und 12. November) fand in Berlin die diesjährige Bundeshauptversammlung (BHV) des ADFC statt. Die Delegierten stellten die Weichen für das kommende Jahr. Im Zentrum standen Anträge zum Verbandsentwicklungsprozess und die politische Positionierung. 

Aus Hamburg reisten die Delegierten Amrey Depenau, Susanne Elfferding, Femke und Dirk Pfaue sowie Viktoria Wesslowski an. Außerdem hatte die Landesversammlung auch die Vorstandsmitglieder Jens Deye und Georg Sommer als Delegierte entsandt.

Im Vorfeld der BHV fand am Freitag das traditionelle ADFC-Symposium statt, Viktoria nahm daran teil, die anderen stießen später dazu und fanden sich zum ersten gemeinsamen Programmpunkt der Tagung ein: Dem Abendessen in einem Restaurant in Berlin-Mitte. 

Organisiert wurde alles von der neuen Veranstaltungsmanagerin des Bundesverbands, Christin Stein. Sie saß später mit Amrey und Georg an einem Tisch und es ergab sich eine ebenso angeregte wie angenehme Konversation. Ein Sonderwunsch bei den Getränken wurde dann auch unbürokratisch erfüllt – natürlich innerhalb des vorgegebenen Budgets.

Nach einer mehr oder weniger erholsamen Nacht in verschiedenen Hotels rund um den Potsdamer Platz fanden sich 144 Delegierte, Bundesvorstand und Mitarbeiter der Geschäftsstelle am Tagungsort in der Nähe des Jüdischen Museums ein.

Beginn der Versammlung

Berlins Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, Regine Günther, begrüßte die Versammlung mit einem starken Bekenntnis zum Radverkehr. Die Versammlung selbst eröffnete dann der Bundesvorsitzende Ulrich Syberg. Neben den üblichen Formalien kam eine Neuerung zum Tragen: Die Bundesvorstände stellten die Highlights ihrer Arbeitsbereiche selbst nur kurz vor. Dafür stellten die Referentinnen und Referenten aus der Bundesgeschäftsstelle ausführlich, fachkundig und detailliert die Arbeit des ADFC im vergangenen Jahr dar.

Bei der Aussprache gab es viel Lob für den Umfang und die Breite der geleisteten Arbeit. Gleichzeitig kritisierten einige Mitglieder, dass an anderen Stellen Aufträge von früheren BHVs nicht bearbeitet wurden und Aufgaben schlicht liegen geblieben waren.

Letztlich erfolgte die Entlastung des Vorstands einstimmig, einschließlich der Genehmigung des Haushaltsabschlusses 2016. 

Der erste Antrag der Versammlung wurde direkt nach der Kaffeepause besprochen. Es ging um das umfangreiche Thema der Verbandsentwicklung. Über zwei Jahre haben bundesweit viele Ehren- und Hauptamtliche ein Reformprogramm entworfen. Damit soll der ADFC für die Zukunft insbesondere auch strukturell besser aufgestellt werden. Aus dem Hamburger ADFC waren Jens Deye und Georg Sommer an der Entwicklung beteiligt.

Nach dem ersten Sitzungstag wurde beim gemeinsamen Abendessen munter weiterdiskutiert und vernetzt. Vorhaben wurden besprochen oder man plauderte einfach nur mal entspannt. Dass es nicht zu lustig wurde – dafür sorgte der zeitige Sitzungsbeginn am nächsten Morgen. Weitere Anträge standen auf der Tagesordnung: Politisch zur Positionierung der ADFC-Forderungen in den laufenden Koalitionsverhandlungen, und mit der nachdrücklichen Befürwortung des Radgesetzes in Berlin. Auch über härtere Strafmaßnahmen gegen Verkehrsgefährder und Unfallverursacher und einkommensabhängige Bußgelder wurde diskutiert, die entsprechenden Anträge wurden aber abgelehnt. 

In Hinblick auf die Zukunft fasste der ADFC jedoch wichtige Beschlüsse: Das Thema autonomes Fahren wurde ausdrücklich auf die Agenda des Fahrradclubs gehoben. Der ADFC will sich gegenüber den mächtigen Interessen an dieser Hochtechnologie positionieren und fachliche Kompetenz und eine kritische fahrradfreundliche Position entwickeln. Ebenso hoch auf der Agenda hat die Bundeshauptversammlung das Thema Jugend im ADFC angesiedelt. Vorgestellt wurde der Antrag von der Hamburger Delegierten Femke Pfaue (15) und ihrer Bremer Kollegin Kirsten Meier (19). Die jüngsten Abgeordneten des höchsten Vereinsgremiums vertraten ihre Sache souverän: Er wurde in seiner abgeänderten Form einstimmig angenommen.

Nach der Diskussion und Verabschiedung des Haushalts 2018 stellte der Vorstand seine Vorhaben für das kommende Jahr vor.

Eine große Aufgabe ist der Prozess hin zu einer weitreichenden Satzungsänderung, die im Rahmen des Verbandsentwicklungsprozesses (s. o.) projektiert wurde. Die Struktur des Verbands soll straffer werden, Zuständigkeiten klarer und verständlicher geregelt sein. Das Ziel: In der Vielfalt des föderalen Verbandes soll mehr Effizienz und Handlungsfähigkeit entstehen. Eine Kommission berät derzeit z. B. über Aufgaben und Zusammensetzung des bisherigen Bundeshauptausschusses. Dabei geht es um bessere Legitimation und klar umrissene Kompetenzen. Auch die Aufgaben und Befugnisse von Vorständen, Bundesvorsitzendem und Bundesgeschäftsführer sollen präzisere Kompetenzzuweisungen erhalten. Die weitere Ausarbeitung und Diskussion von Satzungsänderungen soll breit im Verband angelegt und abgestimmt werden. Ziel ist es, 2018 zur BHV einen Entwurf vorzustellen.

In einer lockeren Form – fast als Interview oder Talk – stellten die Vorstandsmitglieder anschließend noch die anstehenden Pläne, Themen und Termine vor. Nach einigen Rückfragen aus dem Plenum und kurzer, freundlicher Diskussion endete eine erfolgreiche und – bei aller kritischen Auseinandersetzung – harmonische BHV. Die Hamburger Delegation reiste zufrieden und mit guten Erfolgen heim.

Die BHV auf der Website des ADFC-Bundesverbands