Pressemitteilung, Verkehr
21.12.2017

ADFC wirft der Stadt Untätigkeit in Sachen Lärm- und Gesundheitsschutz vor

Auch für die Walddörferstraße in Hamburg-Wandsbek wurde ein Antrag auf verkehrsbeschränkende Maßnahmen gestellt: Seit Jahren werden dort die Grenzwerte für Stickstoffdioxid deutlich überschritten und herrscht eine Lärmbelastung wie in einem Industriegebiet.

Nur jeder 14. Antrag auf verkehrsbeschränkende Maßnahmen wie Tempo 30 wird geprüft.

Fast eine halbe Million Hamburger*innen leiden unter Verkehrslärm, zwischen 40.000 und 200.000 unter verkehrsbedingten Stickoxidemissionen – und das oft schon seit Jahren. »Senat und Behörden lassen die Bürger*innen aber im Stich und verweigern unmittelbar wirksame Maßnahmen, wie die großflächige Einführung von Tempo 30 im Stadtgebiet«, kritisiert Jens Deye vom Vorstand des ADFC Hamburg. Es sei ein Armutzeugnis für die Stadt, dass nur etwa jeder 14. der Anträge, in denen betroffene  Anwohner*innen verkehrsbeschränkende Maßnahmen zum Schutz der eigenen Gesundheit  vor Lärm und Abgasen fordern, von der Behörde überhaupt geprüft werden.

Seit 2016 haben 376 Hamburger*innen solche Anträge gestellt, bearbeitet haben die Behörden bislang – nach fast zweieinhalb Jahren – lediglich 26 Anträge. Deye: »Das ist ein unverantwortliches, skandalöses Spiel mit der Gesundheit der Menschen! Wir fordern die Stadt auf, unverzüglich alle gestellten Anträge zu bearbeiten«. Wie eine aktuelle Anfrage (Drs. 21/11128 & 21/11322 ) in der Hamburger Bürgerschaft zeigt, würden an vielen Straßen, für die Anträge gestellt wurden, Lärm- und Abgaswerte erreicht, bei denen die Stadt unverzüglich zum Schutz der Menschen tätig werden müsste. So lägen z.B. an der Schäferkampsallee, der Kaiser-Wilhelm-Straße und der Walddörferstraße (s. Foto) die Stickoxidwerte bis zu 50 Prozent über dem gesetzlichen Jahresgrenzwert  von 40 µg/m³. An noch mehr Straßen würden darüber hinaus Lärmwerte von deutlich über 70 Dezibel am Tage bzw. 60 Dezibel in der Nacht erreicht.

„Das sind Lärmwerte, die nicht einmal im Hamburger Hafen rechtlich zulässig sind, geschweige denn in Wohngebieten“, so Deye. „Die schnellstmögliche, kostengünstigste und wirksamste Lösung, den Lärm für die Betroffenen zu senken, ist die Einführung von Tempo 30.« Das habe der Senat in seinem ersten Lärmaktionsplan aus dem Jahr 2008 selbst berichtet. Aber gerade einmal nur drei kurze Straßenabschnitte in Hamburg wurden bislang – nach rund 10 Jahren –  mit Tempo 30 zur Nachtzeit ausgestattet.

Lärm in diesem Ausmaß macht Menschen krank, zieht nachweislich Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes nach sich, beeinträchtigt den Schlaf und führt zu Lern- und Entwicklungsstörungen bei Kindern.
„Allein die Gesundheitskosten, die in Hamburg durch Verkehrslärm entstehen, belaufen sich auf etwa 45 Millionen Euro – pro Jahr“, so Deye. „Das sind Kosten, die wir alle tragen müssen und vor allem Politik und Behörden zu verantworten haben.«