Verkehr
18.02.2020

Autogerechte Sanierung Hamburger Straße/Oberaltenallee

erstellt von Andrea Kupke, Dirk Lau
Radweg verläuft dicht an Betonpfeilern adfc hh/Andrea Kupke

Minimallösung: Überholer stadtauswärts kommen einem auf dieser Spur gerne mal entgegen

Radfahrende stehen rund um den Radweg vor einer Ampel. adfc hh/Andrea Kupke

Der Radweg entlang der Hamburger Straße und Oberaltenallee ist zu berufsverkehrszeiten überlastet. Selbst einzelne Radfahrende lassen sich auch zu den übrigen Tageszeiten kaum überholen. - Das bremst den Radverkehr unnötig aus und wäre mit besserer Planung vermeidbar.

Links und rechts des Radwegs gibt es Betonsäulen, die zum Gebäude der Hamburger Meile gehören adfc hh/Andrea Kupke

Im Slalom zwischen Säulen und Treppenaufgängen: mehr Notlösung als Veloroute

adfc hh/Andrea Kupke

Radler*innen fahren zwischen Stadtmöblierung auf zu schmalen Wegen, links davon liegt der großzügige Parkstreifen

Links des schmalen Radwegs Metallpfähle, rechts Betonkübel und Versorger-Kästen adfc hh/Andrea Kupke

Überholen ist auch hier ausgeschlossen

Wo bleibt die hohe Qualität, die man bei einer Veloroute erwarten können sollte?

Anfang März beginnen die Bauarbeiten, um die bis zu acht Fahrstreifen in der Hamburger Straße/Oberaltenallee entlang des Einkaufszentrums »Hamburger Meile« zu sanieren, eine von Hamburgs Magistralen, die auch heute schon viele Radfahrer*innen nutzen.

Diese Magistralen menschengerecht und angenehmer für alle Verkehrsteilnehmer*innen zu gestalten, war zuletzt Thema von Ausstellungen und Workshops. Bei der aktuellen Planung, die jetzt gebaut werden soll, ist davon kaum etwas zu spüren. Leider auch nicht davon, dass an der Hamburger Straße die Veloroute 5 verläuft, also eine Radfahrstrecke mit besonders hohen Standards, deren Qualität mehr Menschen vom Auto aufs Rad locken soll.

Veloroutenstandards? Fehlanzeige!

Der Radweg in der Hamburger Straße erfüllt dagegen nicht einmal die für Velorouten geltenden Mindeststandards: Ein sicheres Überholen von Radfahrer*innen untereinander ist dort auf den meisten Abschnitten kaum möglich. Durch den Wechsel zwischen kurzen Radfahrstreifenabschnitten, Radwegen und Verschwenkungen entsteht zudem eine unstetige, unübersichtliche Führung, die für Radfahrende wenig komfortabel ist, zumal sie dabei Betonpfosten oder -kübel umkurven und Engstellen passieren müssen und dabei oft schlechte Sichtbeziehungen zu anderen Verkehrsteilnehmer*innen haben. Von einem geradlinigen und stetigen Verlauf, wie er bei Velorouten Standard sein sollte, kann an der Hamburger Straße also nicht gesprochen werden. Schließlich: Ein straßenbegleitender Zweirichtungsradweg, wie ihn die Stadt dort vorsieht, sollte auf Velorouten vermieden werden.

Sicher geht anders

In ihrem Erläuterungsbericht behauptet die Stadt, dass der bisherige Rad- und Gehweg in der Hamburger Straße in einem »sehr guten Zustand« sei – eine grobe Fehleinschätzung! Bei Radwegen geht es nicht nur um die Oberfläche. Auch Breite, Sichtbeziehungen, das Einhalten von Sicherheitsabständen sind entscheidend für Verkehrssicherheit und Komfort von Radfahrenden. Betonpfosten direkt neben einem Radweg sind unattraktiv. Jederzeit muss man damit rechnen, dass einem auf dem Zweirichtungsradweg in der Hamburger Straße jemand entgegenkommt oder jemand, der sein Rad abgestellt hat, den Radweg quert. Verantwortungsvoll und umsichtig fahrende Radfahrende überholen hier also aus gutem Grund nicht. Gute Überholmöglichkeiten sind aber notwendig, wenn sich auf Alltagsstrecken der Radverkehrsanteil erhöhen soll. Für viele Radpendler*innen ist bereits jetzt zur Rush-hour eine einigermaßen zügige Fahrt auf dem Radweg ausgeschlossen, sobald dort auch nur einzelne langsame Radfahrer unterwegs sind.

Zweirichtungs-Radverkehr wie in der Hamburger Straße birgt zudem viele grundsätzliche Probleme in sich: Die Unfallgefahren an Einmündungen und Einfahrten sind besonders hoch. An den Anschlussstellen gibt es Konflikte, wenn der Zweirichtungsradverkehr wieder entflochten werden muss. Außerdem besteht höhere Unfallgefahr unter den Radfahrenden und zwischen Fußgängern und Radfahrern.

Verkehrssicherheit für alle

Aus Gründen der Verkehrssicherheit fordern wir die Stadt auf, für Radfahrende hamburgweit eine konsequente, einheitliche Infrastruktur mit Rechtsverkehr herzustellen, die von allen intuitiv genutzt werden kann. Ist das Fahren immer mal auch links gestattet, ist es erheblich schwieriger, das Rechtsfahren überall sonst durchzusetzen, Stichwort »Geisterradler*innen«. Auch für die Hamburger Straße zeigt die Praxis, dass zu viele Radfahrer*innen einfach linksseitig weiter fahren, nachdem sie die Hamburger Meile passiert haben.

Die jetzige Sanierungsmaßnahme wird über Jahre oder gar Jahrzehnte hinaus festschreiben, wie der Radverkehr in Hamburger Straße geführt wird. Aus Gründen der Radverkehrsförderung, dem effizienten Mitteleinsatz und der Verkehrssicherheit fordern wir die Stadt auf, bei solchen Baumaßnahmen nicht fast ausschließlich nur die Fahrbahn zu sanieren, sondern den gesamten Straßenraum »anzufassen«, also auch die Verkehrsflächen für Fußgänger*innen und Radfahrer*innen neu und modern zu gestalten.

Mehr Radfahrer*innen brauchen mehr Platz

Eine zukunftsfähige Planung berücksichtigt zudem, dass die Zahl der Radfahrenden steigen soll und die Wege auch für Pedelecs und Lastenräder sicher und komfortabel zu benutzen sind. Dafür sind die derzeit in der Hamburger Straße vorgesehenen Radwege nicht geeignet. Indem die Stadt den Straßenraum in der Hamburger Straße nicht neu und gerecht aufteilt, sondern dem Autoverkehr weiterhin Vorrang einräumt, verpasst sie eine Chance, die in absehbarer Zukunft nicht wiederkommt. Um mehr Menschen aufs Rad zu locken, braucht es aber andere Radverkehrsanlagen, als solche wie in der Hamburger Straße, die "gerade mal so hinpassen".

Benötigt wird eine Angebotsplanung, die zum Radfahren einlädt. Für eine Magistrale wie die Hamburger Straße sind das zum Beispiel auf beiden Seiten geschützte Radfahrstreifen mit einer für Velorouten angemessenen Breite und einheitlicher Führung, einer sogenannten Protected Bike Lane, bei der auf optimale Sichtbeziehungen der Verkehrsteilnehmer*innen geachtet werden muss.