Verkehr, Pressemitteilung
29.04.2020

COVID-19: Fahrradclub fordert mehr Platz für Menschen auf Straßen und Wegen

erstellt von Dirk Lau
Ampeltaster adfc hh/Ulf Dietze

Bettelampeln jetzt umprogrammieren!

In einem Offenen Brief an Gesundheitssenatorin Prüfer-Storcks sowie Verkehrssenator Westhagemann und Innensenator Grote fordert der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) die Stadt Hamburg auf, kurzfristig vier Corona-Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen, damit auch Fußgänger*innen und Radfahrer*innen auf Hamburgs Straßen den in der Corona-Pandemie empfohlenen Sicherheitsabstand einhalten können.

1.
#EineSpurFürsRad: temporäre Fahrradwege auf mehrspurigen Straßen!
Sogenannte Pop-up-Bikelanes – also temporär eingerichtete Fahrradstreifen auf einer Fahrspur an mehrspurigen Straßen –, wie sie Berlin und viele andere Metropolen weltweit bereits in der Corona-Pandemie eingerichtet haben, müssen an Straßen wie An der Alster und weiteren Straßen mit hohem Fuß- oder Radverkehrsaufkommen Radfahrer*innen die Einhaltung des Sicherheitsabstands ermöglichen.

2.
#QuartierefürMenschen: Wohnstraßen für Fußgänger*innen freigeben!
Insbesondere in den dicht besiedelten Wohnquartieren Hamburgs sind die Gehwege zu schmal, um den erforderlichen  Abstand von mindestens 1,5 Metern einzuhalten, wenn viele Menschen unterwegs sind. Durch das kurzfristige Einrichten von verkehrsberuhigten Geschäftsbereichen, Tempo-10-Zonen oder Spielstraßen muss Fußgänger*innen daher ein Ausweichen auf die Fahrbahn ermöglicht werden. Die Stadt muss umgehend prüfen, welche Straßen für den Kfz-Durchgangsverkehr komplett gesperrt und durch das Einrichten oder die Ausweitung von Fußgängerzonen wie in Ottensen den Corona-Abstandsregeln angepasst werden können.

3.
#Tempo30fürHamburg: Tempo 30 für mehr Sicherheit und bessere Luft
Um allen Hamburger*innen jetzt die Möglichkeit zu geben, unkompliziert und angstfrei aufs Rad umzusteigen, sollte in der ganzen Stadt Tempo 30 gelten, zumindest überall dort, wo Radfahrer*innen im Mischverkehr unterwegs sind oder die Radverkehrsanlagen nicht den Mindestmaßen der Hamburger Regelwerke für Planung und Entwurf von Stadtstraßen (ReStra) entsprechen.

4.
#Bettelampeln: Druckampeln abschalten, Vorrang für Rad- und Fußverkehr
Die sogenannten Bettelampeln, bei denen Radfahrer*innen oder zu Fuß Gehende um Grün »betteln« müssen, während der parallel fahrende Kfz-Verkehr immer Grün hat, sind schon in Vor-Corona-Zeiten mit minutenlangen Wartezeiten und viel zu kurzen Grünphasen für Fußgänger*innen und Radfahrer*innen ein Ärgernis. In der Corona-Pandemie ist es unhygienisch und somit gefährlich, wenn viele unterschiedliche Personen den gleichen Knopf drücken müssen. Außerdem kann die auf Grün wartende Gruppe kaum den notwendigen Sicherheitsabstand untereinander einhalten. Alle Druckampeln müssen daher auf automatisches und vorrangiges Grün für Rad- und Fußverkehr umgestellt werden.

„Diese vier Maßnahmen sind wichtige Schritte, um eine Verkehrswende zugunsten des Rad- und Fußverkehrs zu erproben und gegebenenfalls auch nach der Corona-Pandemie beizubehalten”, sagt Jens Deye vom Fahrradclub. „Wir erwarten, dass der Senat endlich aktiv die Gesundheit der Menschen im Straßenverkehr schützt."