Verkehr, Rund ums Rad
10.04.2020

Das Gitter muss weg!

erstellt von Online-Redaktion
adfc hh

Das Gitter des Anstoßens ...

Neue Brücke mit Hindernissen

Die Hamburger Verkehrsbehörde feiert auf Twitter die Eröffnung der neuen Fuß- und Radverkehrsbrücke im Eppendorfer Haynspark. Statt dem erwarteten Beifall gibt es aber Hohn und Spott. Denn: An beiden Seiten der Brücke installierte das ausführende Bezirksamt Nord sogenannte Umlaufsperren (auch »Drängelgitter« genannt), die eine Durchfahrt für Radfahrende verhindern.

Die neue Brücke im Verlauf des Alsterwanderweges ist endlich fertig, während der Bauphase war sie bereits einmal zusammengebrochen. Aber auch jetzt müssen Zwillingskinderwagen, Fahrräder mit Anhänger oder Lastenräder leider Umwege fahren. Wie auch schon im Pergolenviertel, wurde hier eine Umlaufsperre in den Weg gestellt. Diese Barrieren bremsen Fußgänger*innen und Radfahrer*innen aus – eine an Ausgängen von Schulen und Kindergärten mitunter sinnvolle Maßnahme, damit Kinder nicht auf eine viel und schnell befahrene Straße rennen. Aber vor einer Fahrradbrücke?

Wir überlegen mal wohlwollend, welche Ziele das verantwortliche Bezirksamt Nord mit diesem Metall verfolgt haben könnte:

  • Der Bezirk wollte verhindern, dass Autofahrer*innen die Brücke nutzen. Dafür sollte dann allerdings eine Barriere gestaltet werden, die den Radverkehr nicht behindert und gefährdet. Gerade Gitter sind mit ihren waagerechten Linien, die sich je nach Perspektive gar nicht vom Horizont abheben, besonders unfallträchtig.
  • Vielleicht war auch die Intention, dem Radverkehr eine schnelle Abfahrt von der Brücke zu verwehren. Allerdings wird das, was dabei möglicherweise im Einzelfall an Sicherheit gewonnen wird, durch ein Mehr an Gefahren für alle Radfahrenden zu jeder Tages- und Nachtzeit erkauft - wäre also auch eine falsche Entscheidung.


Insbesondere bei schlechten Sichtverhältnissen (u.a. bei Dunkelheit, Regen, Schnee, Dämmerung) besteht eine erhöhte Unfallgefahr für Radfahrende durch das Gitter. Auch Kinder, die z. B. hintereinander fahren, können das Hindernis manchmal nicht sehen. Deshalb ist es grundsätzlich besser, auf Hindernisse im Verkehrsraum von Radfahrenden komplett zu verzichten. Dass hier wieder Sperrgitter montiert wurden, zeigt ein Denken in ganz alten Mustern bei  Planenden und Entscheider*innen.


Denn eine Verkehrswende im Großen und eine Entscheidung zu Gunsten des Fahrrads bei jedem Einzelnen, erreicht man nicht, wenn man dem Radverkehr Hindernisse in den Weg stellt. Für alle ist eine solche Gitterlösung unattraktiv und potenziell gefährlich. Für Fahrräder mit Kinder- oder Lastenanhänger, Lastenfahrräder, Velomobile, Zwillingskinderwagen und größere Rollstühle ist die Durchfahrt noch schwieriger bis unmöglich. Es geht doch auch nicht darum, ob man da irgendwie durchgezirkelt kommt. Attraktiv, sicher, komfortabel und zügig befahrbar sollen Radstrecken sein - physische Barrieren sind gestrig. Ein enger Zwangspunkt, auf dem sich Fuß- und Radverkehr zusammengnubbeln, ist schädlich für das gemeinsame Miteinander.


Wenn unbedingt eine Sperre nötig ist, weil sonst befürchtet wird, dass jemand mit einem Auto auf die Brücke fährt, dann bitte in einer sicheren Variante: Z. B. ließe sich der Weg auf einem kurzen Stück auf rund 3,4 m Breite ausbilden und mittig mit einem gut sichtbaren Rundpoller versehen (dicke Ausführung, Reflektorfolie rundherum, gute Beleuchtungssituation). Wichtig ist eine Durchfahrbarkeit des Bereichs mit allen Fahrradtypen und eine sehr gute Sichtbarkeit unter allen Umständen.


Fazit: Wir fordern Verkehrsbehörde und Bezirksamt Nord auf, die Gitter im Sinne der Verkehrssicherheit für Radfahrende umgehend wieder zu entfernen.