Pressemitteilung, Verkehr
29.05.2018

»Durchfahrtsbeschränkungen« in Altona: ADFC fordert Tempo 30 statt Fahrverbote!

adfc hh / jens deye

Berlin macht’s vor: Seit Anfang April gilt zwischen Potsdamer Platz und Markgrafenstraße auf der Leipziger Straße, einer der Hauptverkehrsadern Berlins, Tempo 30. Der Senat erhofft sich von dem Modellversuch bessere Luft und will so Fahrverbote für Diesel-Autos vermeiden.

Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) weiht diese Woche die »Durchfahrtsbeschränkungen« auf Abschnitten der Stresemannstraße und der Max-Brauer-Alllee in Hamburg-Altona für alte Dieselfahrzeuge ein. Der ADFC Hamburg kritisiert diese Maßnahme als inkonsequent, weil sie den Kfz-Verkehr nur in belebte Wohnquartiere verlagern wird.

Notwendiger als »Durchfahrtsbeschränkungen« sei ein zukunftsfähiges Verkehrskonzept für Hamburg, das den Kfz-Verkehr deutlich und rasch reduziere. Jens Deye vom ADFC: »Ohne die Bereitschaft, den Autoverkehr auch wirklich einzuschränken, wird Hamburg seine massiven Probleme beim Lärmschutz und der Luftreinhaltung nicht in Griff bekommen«.

Welche Gefahren insbesondere der Schwerlastverkehr in Wohnquartieren mit sich bringt, zeigten immer wieder schwere Unfälle mit Fußgänger*innen oder Radfahrer*innen, wie zuletzt in der Osterstraße. »Mit Tempo 30 auf hoch belasteten Hauptstraßen wie der Stresemannstraße, der Max-Brauer-Allee oder der Habichtstraße kann nicht nur die Luftqualität verbessert werden, sondern auch der Verkehrslärm gesenkt und die Verkehrssicherheit erhöht werden«, so Deye. Ziel müsse es aber sein, den Lkw-Verkehr in Wohnquartieren zu vermeiden und ihn auf hoch belasteten Hauptstraßen drastisch zu reduzieren.

Die Umleitungsstrecke für die Stresemannstraße wird voraussichtlich täglich mehr als 500 der derzeit 2300 Lkw aufnehmen müssen, die die Umweltauflagen nicht erfüllen. Dies erhöht auf Straßen wie der Feldstraße oder Glacischaussee, die schon heute viel Radverkehr hat, oder Wohnstraßen wie die Augustenburger Straße oder dem Gorch-Fock-Wall, die noch eine sehr schlechte Radverkehrsführung haben oder durch eine schlechte Radfahrverkehrsführung auffallen, die Gefahr von schweren Unfällen mit Beteiligung von schwächeren Verkehrsteilnehmer*innen. Zudem gibt es fünf Kindergärten entlang der Umleitungsstrecke, wo eine Anordnung von Tempo 30 laut der letzten StVO-Änderung geboten ist. »Wir sind gerade vor dem Hintergrund der jüngsten Unfälle fassungslos, dass die Stadt Hamburg einfach nur Tipps gibt, wie die Messstationen am besten zu umfahren sind, statt wirklich für sichere Infrastruktur und saubere Luft zu sorgen.“

Berlin dagegen mache es laut Deye vor, wie mit Tempo 30 auf Hauptstraßen auch die Luftqualität deutlich verbessert werden könne. Seit April 2018 gibt es in der Hauptstadt  auf Abschnitten der Leipziger Straße, eine der Hauptverkehrsachsen in Berlin-Mitte, einen Testbetrieb mit Tempo 30. Ziel sei es, den Kfz-Verkehrsfluss zu verstetigen, was deutlich einfacher sei als mit Tempo 50, da weniger stark beschleunigt wird. Berlin hatte zuvor schon zum Zwecke des Lärmschutzes auf mehren Hauptstraßen Tempo 30 eingeführt und dabei gemessen, dass die Luftschadstoffbelastung deutlich abnahm.


Artikel zu Tempo 30 in Berlin (Berliner Zeitung)

 

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