Verkehr
28.12.2017

Gegenläufiger Radfahrstreifen in der Hufnerstraße

erstellt von Andrea Kupke
adfc hh/Andrea Kupke

Deutlich markierter Radfahrstreifen in Gegenrichtung der Hufnerstraße

adfc hh/Andrea Kupke

Der Radfahrstreifen wird gleich nach seiner Einrichtung von Kfz-Fahrer*innen genutzt

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Zugeparkter Radfahrstreifen. Radfahrende können nur in den Gegenverkehr ausweichen – hoch gefährlich!

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Durch Falschparker versperrte Aufleitung auf den gemeinsamen Geh- und Radweg in der Baustelle.

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Durch Falschparker*innen versperrte Ableitung auf den Radfahrstreifen hinter der Baustelle

Plan [M]: Argus Stadt- und Verkehrsplanung, Hamburg

Planausschnitt: Inseln sollten den Radfahrstreifen zusätzlich schützen. (Rotfärbung zur Verdeutlichung vom ADFC vorgenommen)

Der ADFC Hamburg begrüßt den Radfahrstreifen in der Hufnerstraße (Hamburg-Barmbek) und die Aufhebung des Zweirichtungsverkehrs auf dem Radweg der anderen Straßenseite. Ein Vorher-Nachher-Vergleich zeigt die Vorteile der neuen Führung, aber auch, dass noch nachgebessert werden muss.

Vorher (bis 2014): Zweirichtungsradweg in einer T50-Straße

In der Hufnerstraße, einer zweispurigen Einbahnstraße, gab es zwischen Hellbrookstraße und Drosselstraße bis 2014 lediglich einen Zweirichtungsradweg auf der Westseite. Neben den üblichen Gefahren, die entstehen, wenn Radfahrer*innen – vermeintlich auf der falschen Seite fahrend – von abbiegenden Autofahrer*innen »übersehen« werden, gab es im Bereich der Bushaltestelle Hellbrookstraße reichlich Konflikte zwischen Radfahrer*innen und den wartenden oder ein- und aussteigenden Busfahrgästen. Das Abbiegen in die ein- oder ausmündenden Straßen auf der Ostseite vermied man am besten ganz.

Radfahrer*innen, die stadteinwärts fuhren, konnten wählen, ob sie diesen Radweg oder die Fahrbahn nutzen. Eine für die meisten eher theoretische Möglichkeit, da Autofahrer*innen in dieser zweispurigen Einbahnstraße oft schneller als mit dem erlaubten Tempo 50 unterwegs sind und sich auf dem Stück die Busse aus der Haltebucht über den rechten Fahrstreifen in den linken Fahrstreifen sortieren müssen.

Nachher (ab 2014): Radfahrstreifen

Seit 2014 gibt es stadteinwärts im Bereich der Bushaltestelle Hellbrookstraße einen Radfahrstreifen, dadurch entfallen die Konflikte mit Fußgänger*innen. Hinter der Haltestelle werden Radfahrer*innen zwar auf einen Radweg auf dem Bürgersteig geführt, dürfen aber weiterhin die Fahrbahn nutzen. So können sie auch im weiteren Verlauf der Straße die längeren Grünphasen nutzen und im Sichtfeld der Autofahrer*innen bleiben.

Stadtauswärts gibt es seit 2014 zwischen Drögestraße und Hellbrookstraße einen Radfahrstreifen in Gegenrichtung der Einbahnstraße. Diese Spur ist an der Hellbrookstraße mit eigener Ampel angeschlossen und wird so »elegant«, wie dort möglich, in die nördliche Fuhlsbüttler Straße geführt. Seit Herbst 2017 gibt es außerdem in Richtung Norden ab Drosselstraße einen kurzen Radweg, der ab Diesterwegstraße dann als Radfahrstreifen fortgesetzt wird. Dieses Radwegstück war nach drei Jahren verschiedener Umbauphasen ein wichtiger Lückenschluss.

Protected Bike Lane?

Die ursprünglichen Planungen sahen vor, diesen gegenläufigen und mit einem deutlichen Doppelstrich von der Fahrbahn getrennten Radfahrstreifen zusätzlich mit kleinen Verkehrsinseln baulich von der Fahrbahn abzutrennen, also eine Art Protected-Bike-Lane an dieser Stelle zu bauen (siehe Planausschnitt). Die Schutz-Inselchen sollten auf Höhe der Bäume gebaut werden, damit die Kfz-Parkplätze am Fahrbahnrand zwischen den Bäumen noch erreicht werden könnten.

Tasächlich blieben die Radfahrstreifenmarkierung an den geplanten Inselstandorten seit 2014 etwa zwei Jahre lang ausgespart. Doch dann wurden die Markierungen einfach durchgezogen, die Trennelemente nie gebaut.

Klare bauliche Trennung von Rad- und gegenläufiger Kfz-Spur muss her!

Seit der Fertigstellung weist der ADFC die Behörden auf besondere Gefährdungen von Radfahrer*innen auf dem Radfahrstreifen durch Kfz-Verkehr in der Hufnerstraße hin, weil Autofahrer*innen den Streifen in der Einbahnstraßenrichtung auf der Suche nach einem Parkplatz missbrauchen. Mit anderen Worten: Auf dem Radfahrstreifen kommen Radfahrer*innen Autos entgegen! Wer dann ausweichen will, landet unweigerlich auf der Fahrbahn der Einbahnstraße im Gegenverkehr.

Zusätzlich verschärft wird die Situation seit einigen Monaten durch eine Baustelle auf der Oststeite der Hufnerstraße. Dort werden Radfahrer*innen auf einen kombinierten Geh- und Radweg umgeleitet, wobei die Auf- und Ableitungen, aber auch der Radfahrstreifen vor und hinter der Umleitung oft durch Autos und Baufahrzeuge blockiert sind.

Da es nicht reicht, nur auf die Rücksichtnahme der Autofahrer*innen zu hoffen, fordert der ADFC die Behörden auf:

  1. Eine klare bauliche Barriere zwischen gegenläufigem Radfahrstreifen und Kfz-Spuren gemäß der ursprünglichen Planung herzustellen.
  2. Tempo 30 in der Hufnerstraße anzuordnen.

  3. die Autofahrer*innen über die neue Verkehrsführung aufzuklären.

[siehe Update vom 21.10.2018]