Verkehr
26.12.2017

Hamburg, Weihnachten 2017: Die Steilshooper Straße in Barmbek-Nord bekommt Radfahrstreifen – aber leider auch einen neuen Radweg mit nur 50 cm Breite …

erstellt von BG Wandsbek
Zwei Radwegsteine, darauf ein Zollstock, der die Breite mit zusammen 50 cm zeigt. Davor ein kleiner Schokoladenweihnachtsmann adfc hh/Ulf Dietze

50 cm – darf man auf mehr hoffen?!

Radwegbaustelle. Im Vordergrund noch vier Steine breit, beim Baum dann nur noch zwei. adfc hh/Ulf Dietze

Vorne Altbestand, hinten der noch zu markierende Übergang in den Radfahrstreifen. Dazwischen ein Neubau eines Radwegs. Hmmm ... Stand der Technik in Hamburg?

adfc hh/Ulf Dietze

Aus der Rümkerstraße geht es in einer Linkskurve in die Steilshooper Straße Richtung Nord. Gleich in der Kurve hätte der Radfahrstreifen beginnen können. Aber da ist nun wieder ein Radweg.

Plan [M]: Ingenieurbüro Münster

Planunterlage für den Bau: Eigentlich soll der Radweg zum Radfahrstreifen kontinuierlich breiter werden.

Neuer Radwegbelag aus rotem Betonstein. Auf Höhe des Baums nun 4 Steine breit. adfc hh/Ulf Dietze

Januar 2018: Der nachgebesserter Radweg Steilshooper Straße Richtung Nord, Höhe Einmündung Rümkerstraße.

Der derzeitige Umbau der Steilshooper Straße (Teil der Veloroute 5) wird für eine höhere Attraktivität und Sicherheit des Radverkehrs sorgen. Die neue Straßenaufteilung mit 1,85 m breiten Radfahrstreifen auf der Fahrbahn und der Trennung von Fuß- und Radverkehr bringt beiden Verkehrsarten Vorteile und mehr Platz.

Zwar ist das Radfahren auf der Fahrbahn dort seit Jahren erlaubt. Viele Radfahrer*innen nutzen aber bislang immer noch die unzulänglichen Wege auf dem Bürgersteig. Radfahrstreifen erleichtern es ihnen nun zukünftig, die Nebenflächen zu verlassen. Tempo 30 wäre zwar auch für diese Straße mit hohem Kfz-Aufkommen die bessere, vom ADFC bevorzugte Lösung gewesen, noch breitere Radfahrstreifen hätten zudem für größere Überholabstände von Autofahrer*innen und damit ein besseres Sicherheitsgefühl bei Radfahrer*innen gesorgt. Trotzdem: Die Streifen sind eine Verbesserung gegenüber der vorherigen Situation.

Zu einigen Details der Planung hatte die ADFC-Bezirksgruppe Wandsbek schon 2015 Stellung genommen und Verbesserungen angemahnt: »Wichtig wäre außerdem, gleich zu Beginn der Planungsgrenze auf der Ostseite der Steilshooper Straße einen Radfahrstreifen vorzusehen. Denn hier kommen die Radfahrer an, die aus der Rümkerstraße weiter nach Norden fahren. Sie müssten nach der vorgelegten Planung zunächst neben einem Radweg herfahren, bis dieser wenige Meter weiter in den Radfahrstreifen übergeht.«  Das Management des Öffentlichen Raums Wandsbek antwortete: Weil der Knoten Rümkerstraße / Steilshooper Straße »in den nächsten Jahren« nicht umgebaut werde – kein Geld –, könne dort nur für »verkehrssichere Anschlüsse an den Bestand« gesorgt werden.

Jetzt aber, mitten in der Umbauphase, ist diese Argumentation, warum an dieser Stelle kein Neubau möglich sei, völlig unverständlich, da der Radweg neu aufgepflastert wurde und die Fahrbahn neuen Asphalt erhielt.

Im Plan sieht man noch einen Radweg, der an dem vorhandenen, gut 80 cm breiten Weg anschließt, sich dann aufweitet bis auf 1,85 m und in den Radfahrstreifen mündet. Das wäre unter den gegebenen Annahmen auch recht sinnvoll gewesen. Gebaut wurde aber jetzt ein Radweg, der an dieser Stelle nur 50 cm schmal ist. Zwischen Fahrbahn und diesem Radweg liegen nun graue Betonsteine, deren Sinn und Zweck ein Geheimnis bleiben.

Vermutlich hat sich dort nur jemand im Weihnachtsstress im Plan verguckt, und im neuen Jahr wird schnell nachgebessert. Denn 50 cm breite Radwege passen inzwischen selbst nicht mehr nach Hamburg – auch wenn sie an vielen, vielen Stellen der Stadt noch der ganz normale Wahnsinn sind.

 

[Update, 21.01.2018] Unsere Kritik kam auch bei den zuständigen Personen an, so dass der Radweg nun nochmals korrigiert wurde, – jetzt fast in der Weise, die im Bauplan steht (s. Fotos). Die Maße bleiben allerdings noch immer weit unter den Vorgaben, die sich Hamburgs Verkehrsbehörde für Radwege selbst gegeben hat.

Nach Ansicht des ADFC ergibt der Radweg an dieser Stelle weiterhin keinen Sinn: Ein Radfahrstreifen wäre sicherer und komfortabler gewesen, um den Anschluss Rümkerstraße – Steilshooper Straße herzustellen.