Verkehr
23.07.2017

Hamburgs Einbahnstraßen schon in 60 Jahren für Radfahrer frei?

erstellt von Online-Redaktion
Einfahrt verboten/Radfahrer frei. Fahrradpiktogram und ein Richtungspfeil am rechten Fahrbahnrand, links ist ein Auto geparkt adfc hh/Ulf Albrechtsen

Bleichertwiete in Bergedorf: Der 100 m lange Einbahnstraßenabschnitt wurde an beiden Enden mit Piktogrammen auf der Fahrbahn versehen. Ein Fortschritt für Radfahrende, da fast alle Alternativrouten zwischen Brookdeich und B5 eine Oberfläche aus Kopfsteinpflaster haben

Es tut sich etwas in Sachen Freigabe von Einbahnstraßen in Gegenrichtung für Radfahrer. Allerdings – typisch Hamburg … – sehr, sehr langsam.

In 2017 wurden bislang die Einbahnstraßen Wimmelsweg (Polizeikommissariat 33, HH-Nord), Bleichertwiete (Pk 43, Bergedorf), Puvogelstraße (Pk 37, Wandsbek), Kielmannseggstraße (Pk 37, Wandsbek), Niedernstegen (Pk 34, HH-Nord) und Hufnerstraße (Pk 31, HH-Nord) für Radverkehr in Gegenrichtung freigegeben. Damit zählt der ADFC aktuell »nur« noch 358 Straßen, die für den Radverkehr nicht in Gegenrichtung frei gegeben sind (als Einbahnstraße oder z. B. per »Einfahrt verboten«. 460 Einbahnstraßen sind mittlerweile geöffnet.

Erstaunlich ist, dass es bei der Polizei trotz eindeutiger Rechtslage (Einbahnstraßen sind freizugeben) und durchweg guten Erfahrungen immer noch große Widerstände gegen die Anordnung zur Freigabe gibt. Die Polizei verweist dann darauf, dass man als Straßenverkehrsbehörde verantwortlich sei, wenn Unfälle passierten. So ist dann die fragliche Einbahnstraße zu schmal, zu gerade, zu kurvig, zu abschüssig, bietet keine Ausweichmöglichkeit … Aber gerade in bereits frei gegebenen Einbahnstraßen passieren ausgesprochen wenig Unfälle und sie ersparen den Radfahrern oft große Umwege entlang viel stärker befahrener Hauptstraßen mit entsprechend schlechterer Situation für die Verkehrssicherheit.

Einige Straßenverkehrsbehörden in Hamburg erkennen diese Fakten nicht an. Andere sind da schon weiter und sind der Auffassung, dass eigentlich alle Einbahnstraßen Hamburgs aus rechtlichen Gründen frei gegeben werden müssten.

In manchen Straßen wurde nun baulich oder durch kleinere Markierungsarbeiten dafür gesorgt, dass die Freigabe angeordnet werden konnte - teilweise mit mehrjähriger Vorbereitung. Dies betrifft z. B. die Kielmannseggstraße in Wandsbek oder die Bleichertwiete in Bergedorf (s. Foto). In der Hufnerstraße wurde ein Radfahrstreifen entgegen der Fahrtrichtung der zweistreifigen Einbahnstraße eingerichtet. Hier wurde auf Sicherheitsmerkmale beim Bau verzichtet, die ursprünglich geplant waren – der ADFC ist mit den Behörden im Gespräch.

Wo die Straßenverkehrsbehörde heute noch Bedenken gegen eine Freigabe hat, müsste sie mitteilen, was zu tun ist, um die Freigabe zu erreichen. Dann müsste das in die Bauprogramme der Bezirke aufgenommen werden und könnte innerhalb weniger Jahre erledigt sein – und nicht erst in 60 Jahren.

Einbahnstraßen sind freizugeben (die Rechtslage)

Liste der freigegebenen und der noch echten Einbahnstraßen (Machen Sie mit!)