ADFC, Verkehr
23.02.2019

»Kein Durchkommen auf Hamburgs Straßen?«

erstellt von Sabine Michaelis
adfc hh/Sabine Michaelis

(v.l.n.r) Michael Niedenthal, Wiebke Hansen, Peter Ulrich Meyer, Michael Westhagemann

Ein Mann ohne Visionen und eine Frau für die Verkehrswende

Bei der Diskussion der Körber-Stiftung über die Verkehrssituation in Hamburg, moderiert von Peter Ulrich Meyer vom »Hamburger Abendblatt«, zeigte sich Verkehrssenator Michael Westhagemann als ein Mann ohne Visionen. Er will sich nicht auf ein Ziel festlegen und es allen rechtmachen. Alle Verkehrsteilnehmer sollen gleich behandelt werden, niemand soll zurückgedrängt werden.

ADFC-Campaignerin Wiebke Hansen dagegen hatte konkrete Vorstellungen, wie den Bedürfnissen von Radfahrern, Fußgängern und ÖPNV-Nutzern besser Rechnung getragen werden kann und unterstrich die Notwendigkeit einer Verkehrswende, bei der der Autoverkehr drastisch reduziert werden muss. Weniger Autos heißt bessere Luft, weniger Schadstoffe und mehr Platz für alle anderen Verkehrsteilnehmer in einer Stadt, die weiter wächst und ihre Quartiere immer mehr verdichtet. Wiebke Hansen: »Wir brauchen eine Vision, wo wir in 20 Jahren stehen. Die Perspektive sollte sein, in 20 Jahren nur noch ein Viertel des Autoverkehrs zu haben.«. Um diese Verkehrswende einzuleiten, gehören für den ADFC wichtige Maßnahmen wie die Einrichtung von Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit und mehr Platz fürs Rad dazu.

An dieser Stelle legte sich der Senator eindeutig fest: »Mit mir wird es Tempo 30 an Hauptverkehrsstraßen nicht geben.« Und auch dem Vorschlag aus dem Publikum, die Innnenstadt autofrei zu gestalten und nur noch Lieferverkehr in bestimmten Zeitfenstern zuzulassen, erteilte er eine Absage: »Mit mir wird es keine autofreie Innenstadt geben.«

Wie der Senator die Steigerung des Fahrradverkehrs auf 25 Prozent (zurzeit sind es 15 Prozent) bewerkstelligen will, ohne dem Autoverkehr Raum wegzunehmen, bleibt sein Geheimnis. Diese Unmöglichkeit hat sich ja schon bei der geplanten Umgestaltung der Elbchaussee gezeigt. Mehr Platz fürs Rad gibt es nur, wenn es weniger Platz für Autos gibt.

Michael Westhagemann ist erst seit November im Amt und hat an diesem Abend einige Wissenslücken offenbart, zeigte sich aber lernbereit: »Ich schau mir das an.« Und er versicherte »Ich nehme das mit« – er dürfte nach der Veranstaltung einige Visitenkarten im Gepäck haben.

Dem dritten Diskussionsteilnehmer im der Runde, Michael Niedenthal vom Verband der Deutschen Automobilindustrie, bleib die undankbare Rolle in einer von Hamburger Besonderheiten geprägten Diskussion auf die Chancen von E-Autos zur Schadstoffreduktion zu verweisen und die Wichtigkeit des Wirtschaftsverkehrs zu betonen.

Fazit für uns Fahrradfahrer: Eine echte Verkehrswende wird unter diesen politischen Gegebenheiten schwierig. Im Detail können wir aber viel erreichen, zum Beispiel mit der Ausweisung von Tempo-30-Zonen vor sozialen Einrichtungen wie Kitas, Schulen, Altenheimen. Diese Möglichkeit ist noch nicht ansatzweise ausgeschöpft.

Video der Veranstaltung