Pressemitteilung, Verkehr
06.07.2017

»Nein zu gemeinsamen Geh- und Radwegen!«

»Bislang werden Radfahrer in der Habichtstraße auf einen unbenutzbaren, handtuchschmalen Weg gezwungen. Nach den Plänen der Stadt sollen sie sich zukünftig den Platz auf dem Bürgersteig mit den Fußgängern teilen, während der Platz für den Autoverkehr unverändert bleibt.«

Verbände der Radfahrer, Fußgänger, Senioren und Blinden kritisieren im Regionalausschuss die Umbaupläne der Stadt für die Habichtstraße in Hamburg-Nord.

»Eine Hauptverkehrsader Hamburgs durch die Planung eines kombinierten Geh- und Radwegs für Fußgänger und Radfahrer derart unbrauchbar zu gestalten, lehnen wir ab«, sagt Andrea Kupke, Sprecherin der ADFC-Bezirksgruppe Nord. Der Radverkehr benötige stattdessen in der Habichtstraße und Nordschleswiger Straße im Verlauf des Rings 2 in Barmbek-Nord und Dulsberg einen breiten Radfahrstreifen auf der vorhandenen Fahrbahn. »Dann bleiben auch die Bäume erhalten und Fußgänger haben den ihnen zustehenden Platz«, so Kupke.

Die Habichtstraße in Barmbek-Nord gehört zu den Straßen mit den bundesweit höchsten Stickstoffdioxid-Belastungen. Messungen des Umweltbundesamts haben dort letztes Jahr  62 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft ergeben – der Grenzwert liegt bei 40 Mikrogramm im Jahresmittel.

»Fußgänger gehören schon jetzt zu den Leidtragenden in dieser Straße: Lärm und Abgase machen den Aufenthalt unattraktiv«, kritisiert auch Sonja Tesch vom FUSS e.V. die Umbaupläne der Stadt. An Ampeln müsse per Knopfdruck um Grün »gebettelt« werden. Radfahrer würden zudem an vielen Stellen auf den Gehweg ausweichen, weil der Radweg unbenutzbar sei. »Eine weitere Zuspitzung dieser Situation durch die Aufhebung der getrennten Wege ist eine Zumutung«, so Tesch. Fußgänger müssten ständig damit rechnen, eng von Radfahrern überholt zu werden, die bei der starken Lärmbelästigung durch Autos am Ring 2 überhaupt nicht zu hören sind. »Das bedeutet einen Verlust an Aufenthaltsqualität für alle Fußgänger, für ältere, sehbehinderte oder blinde Menschen potentiell sogar einen Verlust an selbständiger Mobilität«, pflichtet André Rabe vom Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg e.V. bei.

Anlieger der Habichtstraße ist auch die Köster-Stiftung, eine Wohnanlage für Senioren. »Vor deren Haustür sind gemeinsame Geh- und Radwege absolut unangebracht und gefährden die Bewohner unnötig«, so Helmut Krumm vom Seniorenbeirat Hamburg-Nord. Es sei zudem in den Planungsrichtlinien eindeutig festgelegt, dass gemeinsame Geh- und Radwege nur in besonderen Ausnahmefällen anzuordnen sind, etwa in Gewerbegebieten, wo geringer Fuß- und Radverkehr herrsche. Die Planung widerspreche der von der Bezirksversammlung Nord beschlossenen Strategie »Fussverkehr stärken« und bedeute eine hohe Unfallgefahr für ältere, mobilitätseingeschränkte sowie hör- und sehbehinderte Menschen, aber auch für Kinder.

Alle vier Verbände fordern daher die Stadt auf, beim Umbau der Habichtstraße umweltfreundliche Mobilität zu fördern und dieser mehr Platz zu geben. Kupke: »Statt die Chance zu nutzen, die Luft- und Lärmbelastung in der Habichtstraße zugunsten der Gesundheit der Menschen zu reduzieren und die Verkehrssicherheit zu verbessern, plant die Stadt weitere Einschränkungen für Fuß- und Radverkehr, nur um den Kfz-Verkehrsfluss unvermindert hoch zu halten. Da machen wir nicht mit!«

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Montag, 10.7.2017, 18 Uhr:
Vorstellung der Pläne (Drucksache - 20-4554) im Regionalausschuss für Barmbek-Uhlenhorst-Hohenfelde-Dulsberg, im Barmbek-Basch (Saal 1), Wohldorfer Straße 30, 22081 Hamburg

[Update, 12.07.17:] Die Planungsunterlagen werden überarbeitet. Daher wurde das Thema im Juli-Regionalausschuss vertagt. Nach der Sommerpause erfolgt die weitere Beschäftigung damit.

[Update, 28.07.17:] Die Pläne zur Umgestaltung der Habichtstraße und Nordschleswiger Straße (beide Ring 2) stellt der LSBG nun im Regionalausschuss Barmbek-Uhlenhorst-Hohenfelde-Dulsberg vor. Termin: 09. Oktober 2017, 18 Uhr, Barmbek°Basch (Saal 1), Wohldorfer Straße 30, 22081 Hamburg 

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