Verkehr
06.07.2018

Neue Mobilitätsstudie: Wer 25 Prozent Radverkehr in 2030 will, muss dem Rad jetzt mehr Platz geben!

erstellt von Dirk Lau
Grafik mit sinkender Kurve für MIV, leicht steigenden Kurven für Fuß und ÖPNV, deutlich steigender Kurve für "Rad" adfc hh

Modal-Split: Anteil am Gesamtverkehr in Hamburg 1982–2017 und eine Hochrechnung des ADFC Hamburg für das Jahr 2029, die davon ausgeht, dass das Senatsziel von 25 % Radverkehrsanteil erreicht wird.

Tabelle mit Werten von 2002 2008, 2017 und Prognose 2030 adfc hh

Ende Juni hat das Bundesverkehrsministerium seine neue Studie »Mobilität in Deutschland« (MiD) veröffentlicht. Erstmals seit zehn Jahren liegen nun wieder aktuelle Daten darüber vor, welche Verkehrsmittel die Deutschen wie oft benutzen (Modal Split).

Die Studie gibt den Radverkehrsanteil für Hamburg mit 15 % an. Im Vergleich zur letzten MiD-Umfrage aus dem Jahr 2007 hat sich der Anteil der Hamburger*innen, für die das Rad das Hauptverkehrsmittel ist, damit um 3 Prozentpunkte (+ 25 %) erhöht. Eine solche Steigerung gab es bereits von 2002, als nur 9 % aller Wege mit dem Rad zurückgelegt wurden, auf 12 % in 2007 (+ 33 %) 

Auch Busse und Bahnen werden in Hamburg häufiger genutzt – der Anteil des öffentlichen Nahverkehrs stieg von 19 % in 2007 auf jetzt 22 %. Dagegen ging der Anteil des Fußverkehrs leicht von 28 % in 2007 auf 27 % zurück, bei einen Anstieg von 3 Prozentpunkten von 2002 auf 2007. Stark zurückgegangen ist der Anteil der Menschen, die das Auto als Hauptverkehrsmittel in Hamburg nutzen: Nur noch 36 % bewegen sich in der Stadt auf vier Rädern – 2002 waren es noch 47 %, 2007 immerhin noch 43 %. Es werden zwar wieder mehr Autos zugelassen, diese aber immer seltener genutzt.

»Insgesamt eine positive Entwicklung«, findet Jens Deye vom ADFC Hamburg. »Die Bedeutung des Umweltverbunds aus Fuß-, Rad- und Öffentlichem Nahverkehr steigt in Hamburg kontinuierlich«. Fast zwei Drittel der Menschen (64 Prozent) legen ihre Wege in der Stadt inzwischen nicht (mehr) mit dem Auto zurück.

Dieser Trend müsse jetzt massiv von der Politik gefördert und verstärkt werden, um das Ziel des Senats von 25 % Radverkehrsanteil in den 2020er-Jahren zu erreichen, sagt Deye. »Wenn die Hamburger*innen bis 2030 ein Viertel aller Wege mit dem Rad zurücklegen sollen, wären das gegenüber heute noch einmal zwei Drittel mehr«. Wenn aber mehr Menschen Rad fahren, müsse dem Rad auch mehr Platz gegeben und für Flächengerechtigkeit gesorgt werden.

»Geht der Trend der letzten Jahre so weiter, fahren 2030 nur noch 22 % mit dem eigenen Auto in Hamburg«, so Deye (siehe Grafik). Wer zukunftsfähige und gerechte Verkehrsstrukturen schaffen wolle, müsse schon heute gemäß dem zu erwartenden Mobilitätsverhalten der Menschen planen und bauen. »Autos im Jahr 2030 noch denselben Platz im Straßenraum zu geben wie heute, ist anachronistisch.«

Hamburg hat die große Chance, Modellstadt in Sachen moderner Mobilität zu werden, zumal es bundesweit recht düster aussieht: Laut der MiD-Studie hat die Bundesregierung ihr Ziel eines Radverkehrsanteils von 15 % im Nationalen Radverkehrsplan grandios verfehlt: Nur 11 % der Deutschen fahren aktuell hauptsächlich mit dem Rad – das bedeutet ein mageres Prozent mehr als 2007. Der ADFC führt das auf falsche Schwerpunkte in der Verkehrspolitik zurück und fordert massive Investitionen in Rad, Fuß und ÖPNV.

Mobilitätsstudie: http://www.mobilitaet-in-deutschland.de/publikationen2017.html

[Anm.: "Prozent und Prozentpunkte" korrigiert am 08.07.18]