Pressemitteilung, ADFC, Verkehr
14.05.2018

Ride of Silence am Mittwoch

erstellt von Johanna Drescher, Dirk Lau

Am Mittwoch, 16. Mai, findet um 19 Uhr eine stille Tour zum Gedenken an verunglückte Radfahrer*innen statt. Die Demo startet an der S-Bahn Sternschanze (Ausgang Schanzenstraße) und wird von der Gruppe Hamburger Alltagsradler*innen und dem ADFC gemeinsam organisiert.

Anlass für den Ride of Silence ist sowohl der jährliche Aktionstag am dritten Mittwoch im Mai, aber auch der Unfall in der Osterstraße in der vergangenen Woche, bei dem die 33-jährige Mutter und Radfahrerin Saskia S. getötet wurde. Noch immer sind Hamburgs Radfahrende zutiefst bewegt und möchten ihrer Trauer, aber auch ihrer Wut darüber Ausdruck verleihen, dass schon wieder ein Mensch sein Leben auf Hamburgs Straßen verlor.

Auch in Aachen, Berlin, Bonn, Köln, Leipzig, München, Oldenburg und Wiesbaden erinnern ADFC-Gruppen und Aktivisten mit stillen Gedenkfahrten an die Radverkehrstoten in ihren Städten. 383 Radfahrer*innen sind 2017 ums Leben gekommen, darunter 15 Kinder. Die häufigste Ursache sind abbiegende Lkw und Pkw. Anders als die Gesamtzahl der Verkehrstoten in Deutschland, nimmt die Zahl der getöteten Radfahrer*innen seit Jahren nicht substanziell ab.

Der ADFC fordert die Kommunen in Deutschland auf, dem Fahrrad mehr Platz einzuräumen, und insbesondere Kreuzungen unverzüglich so umzubauen, dass Radfahrende und zu Fuß gehende so sicher wie möglich unterwegs sein können. Oberstes Ziel muss sein, dass im Straßenverkehr keine Menschen mehr getötet werden (»Vision Zero«). Dazu müssen die Hauptursachen für schwere Unfälle endlich in den Fokus rücken. Und die Infrastruktur muss sich vor allem an der Sicherheit der »schwächeren« Verkehrsteilnehmer*innen und nicht primär an der »Leistungsfähigkeit« von Straßen für den Autoverkehr ausrichten.

Als Sofortmaßnahme fordert der Fahrradclub in Hamburg eine Entschärfung der gefährlichen Situationen an Kreuzungen wie der Osterstraße/Eppendorfer Weg, und zwar durch eine Veränderung der Kurvenradien und der Haltelinien. Allein diese beiden einfachen Maßnahmen, die nur etwas Mut und Farbe erfordern, hätten Saskia S. nach Lage der Dinge das Leben retten können!

In Hamburg gibt es immer noch eine viel zu große Anzahl von Kreuzungen, die aus der Zeit der "autogerechten Stadt" stammen und deren Kurvenradien eine zu hohe Geschwindigkeit beim Abbiegen erlauben. Eine generelle Vorziehung der Haltelinie für den Radverkehr vor die Haltelinie für den motorisierten Verkehr rückt die schwächeren Verkehrsteilnehmer*innen ins Blickfeld. Beides zusammen ist schnell und kostengünstig umsetzbar und kann schwere Unfälle wie den an der Kreuzung Osterstraße/Eppendorfer Weg verhindern.