Verkehr
05.07.2019

Sanierung Steilshooper Allee: So geht Fahrradstadt – nicht!

erstellt von ADFC BG Wandsbek
adfc hh/Ulf Dietze

Steilshooper Allee, Resterampe für den Radverkehr und der Bus steht weiter im Stau

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Radweg? Kann erstmal bleiben wie er ist ...

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Alles sehr einladend hier!

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Regelmäßig gepflegt, geradezu optimale Bedingungen zum Radfahren

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Für Liebhaber*inenn von Berg und Tal bietet sich besonders der Abschnitt von Bramfelder Chaussee bis Ellernreihe an

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Schluss mit lustig: Radwegverschwenkungen an Knoten sind gefährlich. Und: Gemeinsame Signalisierung mit Fußgänger*innen missachtet die kürzeren Räumzeiten des Radverkehrs und bremst ihn künstlich aus.

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verlandeter Radweg in der Steilshooper Allee

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gemeinsamer Geh- und Radweg durch den Wartebereich einer Haltestelle – Verkehrsplanung von vorgestern – bleibt uns nun aber noch viele Jahre erhalten

Seit Ende Juni saniert die Stadt die Steilshooper Allee, eine wichtige Ost-West-Verkehrsachse im Osten Hamburgs, die Steilshoop mit Bramfeld verbindet. Und vergisst dabei einfach den Radverkehr.

Der Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) erneuert derzeit die Fahrbahnoberfläche in der Steilshooper Allee zwischen Ellernreihe und Alfred-Mahlau-Weg – und sonst nichts, da die Nebenflächen so bleiben, wie sie sind: unzumutbar für Radfahrer*innen und Fußgänger*innen. Der Autoverkehr ist dagegen dort auf bis zu sechs Fahrspuren unterwegs.

Obwohl die hier vorhandenen, benutzungspflichtigen Radwege in einem desolaten Zustand und alles anderes als sicher und entspannt zu befahren sind, bleiben sie bei den aktuellen Sanierungsarbeiten außen vor. Seit Jahrzehnten rotten sie vor sich hin, sind durch Baumwurzeln angehoben oder durch Ausspülungen und Belastungen durch schwere Fahrzeuge abgesackt. An anderer Stelle haben sie sich auch einfach durch Grünwuchs in der Oberfläche zum Biotop entwickelt. Dann gibt es einen Abschnitt, der als gemeinsamer Geh- und Radweg durch den Wartebereich einer Bushaltestelle führt. Und an den Ampeln werden Radfahrende behandelt, als bewegten sie sich im selben Tempo wie zu Fuß Gehende.

Dabei handelt es sich bei der Steilshooper Allee um eine Hauptverkehrsachse – auch für den Radverkehr. Und das verlangt nach größeren Breiten als 100 cm Schmalspurstrecke, benötigt hochwertige Oberfläche und muss an den Kreuzungen sicher geführt werden. 

Forderungen

Wir fordern daher von der Stadt eine Überplanung der Steilshooper Allee, die auch die Interessen und Sicherheitsbedürfnisse von Radfahrenden angemessen berücksichtigt:

  • bauliche Verbesserung auf der gesamten Strecke,
  • eine Oberfläche, die zügiges Radfahren erlaubt,
  • Radwegbreiten, die das Überholen von Radfahrenden untereinander ermöglichen,
  • eine Anpassung sämtlicher Knotenpunkte auf der Strecke nach den heute geltenden Sicherheitsstandards, wie z. B. Rückbau der Radwegverschwenkungen und der sog. freien Rechtsabbieger,
  • eine Anpassung der Ampeln, die den Radverkehr entweder dem motorisierten Fahrzeugverkehr zuordnet oder eigene Radfahrsignale bringt. Das derzeit vorhandene gleichzeitige Schalten zusammen mit dem Fußverkehr entspricht nicht modernen Standards oder dem Anspruch einer Fahrradstadt.

Erforderlich ist also eine Neuplanung des gesamten Straßenraums. Dabei dürfen auch Kfz-Fahrspuren und Parkstreifen nicht heilige Kühe bleiben, sondern müssen mit in die Flächenplanung einbezogen werden, damit auch Fußgänger*innen den ihnen zustehenden Verkehrsraum endlich nutzen können. Zeitgemäß wären auf der Strecke z. B. Breite und geschützte Radfahrstreifen (Protected Bike Lanes) oder gemeinsame Fahrspuren für Bus und Fahrrad (mit der Möglichkeit für den Bus, diese auch zu verlassen): Denn auch der Bus sollte problemlos am Stau vorbeifahren können.

Grund für die Zaghaftigkeit

Der LSBG begründet die jetzige Baumaßnahme, die sich auf eine reine Oberflächensanierung der Fahrbahn für den Autoverkehr beschränkt, damit, dass die Baustellenkoordination nur ein kurzes »Zeitfenster« für die Baumaßnahme erlaubt hätte. Ansonsten stimme der Landesbetrieb aber zu, dass »eine Verbesserung der Radverkehrsinfrastruktur zwingend notwendig« sei. Erste Planungen existierten. Ein Zeitfenster für die Umsetzung könne aber nicht genannt werden.

Fazit

Hamburg baut. Für Radverkehr nicht. Solange der rotgrüne Senat weiterhin autogerechte Verkehrsplanung durchgehen lässt und deren Flächenfraß nicht reduziert, wird Hamburg nicht Fahrradstadt. Wie sollen Menschen zum Umstieg aufs Fahrrad bewegt werden, wenn die Stadt ihnen lediglich eine gefährliche Resterampe zum Fahren anbietet – während es daneben aber eine zwei- bis sechsstreifige Fahrbahn plus zwei Parkstreifen für den Autoverkehr gibt?

Die Klagen der Autofahrer*innen, wonach es zu viele und mangelhaft koordinierte Baustellen gäbe, führten hier in der Steilshooper Allee also zu einer neuen Form der Baustellenkoordination. Mit der Folge, dass selbst als dringend notwendig erachtete Baumaßnahmen für den Radverkehr auf Jahre hinaus ausfallen. Gleiches gilt übrigens für die Krausestraße.

Dabei sind es die Autos, die das Verkehrsproblem darstellen. Solange es davon nicht weniger gibt, mit denen dann auch weniger gefahren wird, wird sich am Stau nichts ändern. Das kann jeder sehen, der selbst mit dem Auto im Stau steht. Traurig, dass diese Erkenntnis in Hamburg immer noch nicht angekommen ist. 

P.S. an die Leserbriefschreiber*innen, die immer nach Beiträgen wie diesem aktiv werden: Ja, es gibt notwendigen Autoverkehr. Aber der macht eben nur den kleineren, wenn nicht geringsten Anteil des derzeitigen Autoverkehrs aus. Und um diese notwendigen Fahrten geht es nicht bei einer neuen Flächenverteilung zu Gunsten von ÖPNV und Fahrrad. Es bleibt ein sehr großer Teil an nicht notwendigen Autofahrten, der sich auf Fahrrad, ÖPNV und das zu-Fuß-Gehen verlagern ließe – wenn die Bedingungen für diese Verkehrsträger endlich besser würden.