Verkehr
24.02.2020

Umbau Mundsburger Damm: Gute Wege statt noch mehr Murks!

erstellt von Andrea Kupke, Dirk Lau
Zwei Fußgänger füllen die Gehwegbreite, ein Radfahrer fährt auf dem schmalen Radweg entlang geparkter Autos. adfc hh/Monika Rehfeld

Mundsburger Damm heute: eng und schmal. Auch nach dem Umbau wird der Radweg nur wenig breiter sein.

adfc hh/Monika Rehfeld

Baumwurzeln und Radwege passen nicht so gut zusammen.

Antrag Drs 21-0719

Die alternativen Führungen, wie sie der Antrag von Grün-Rot vorschlägt.

Von einer »Verkehrswende« ist bei der Planung nichts zu sehen.

Der Mundsburger Damm auf der Uhlenhorst ist die Hamburger Magistrale, die von Hohenfelde an der Alster nach Barmbek-Süd führt und dort in die Hamburger Straße übergeht. Auf dieser stark befahrenen Hauptstraße mit bislang vier Spuren für Autofahrer*innen herrschen katastrophale Bedingungen für die übrigen Verkehrsteilnehmer*innen, obwohl dort die Velorouten 5 und 6 verlaufen. Die Stadt legte Ende November 2019 ihre Pläne für den Umbau vor: Danach sollen teilweise nur 1,37 Meter breite Radwege den Radverkehr der Velorouten aufnehmen. Der Fahrradclub forderte dagegen Radverkehrsbedingungen, die den Standards von Velorouten entsprechen und deutlich mehr Platz für Radfahrende hätten – zum Beispiel durch Reduzierung der Fahrspuren für den Kfz-Verkehr.

Grün-roter Gegenvorschlag

Als Reaktion auf die völlig unzureichende Planung der Stadt beantragten Anfang Januar 2020 die Fraktionen von Grünen und SPD in der Bezirksversammlung Hamburg-Nord, die Führung der Velorouten 5 und 6 zu verändern. Der Vorschlag von Grün-Rot sieht vor, die beiden Velorouten nicht wie geplant durch den Mundsburger Damm zu führen. Begründung: Dort sei ein veloroutengerechter Ausbau nicht möglich. Sowohl die Bäume als auch die vier Fahrspuren für den Autoverkehr in der Straße gelten als unantastbar. Und der restliche Platz reiche eben nur für die bereits kritisierten, viel zu schmalen Pseudo-Radwege. Statt über den Mundsburger Damm sollen die Velorouten, so die Idee von Grün-Rot, entweder über die Hartwicusstraße oder über die Armgartstraße zur Alster geführt werden, an der sie südlich der Hohenfelder Bucht dann stadteinwärts verlaufen.

Kein großer Wurf

Der Vorschlag von Grün-Rot, die Velorouten zu verlegen, ist alles andere als ein großer Wurf. Angesichts der derzeitigen politischen Machtverhältnisse und einer autofixierten Verkehrspolitik scheint aber derzeit auch im grün-rot regierten Hamburg-Nord nicht mehr als dieser Kompromiss möglich. Der Umweg für Radfahrende über Hartwicusstraße oder Armgartstraße ist nicht groß, erfordert allerdings zweimaliges Abbiegen. Die beiden Alternativrouten sind in der Grafik aus dem Antrag dargestellt.

Neue Groß-Baustelle

Der Plan, die Veloroutenführung über den Mundsburger Damm zu verändern, erhält nun Rückenwind durch die bevorstehende Mega-Baumaßnahme an der Hohenfelder Bucht kurz vor der Außenalster: Die Mitte der 1950er-Jahre gebauten Hohenfelder Brücken am Schwanenwik sind baufällig und werden in den nächsten Jahren von Grund auf saniert. Im Zuge der Baumaßnahmen werde es, kündigte Hamburgs Verkehrsbehörde an, rund um die Riesenkreuzung zu diversen Umleitungen kommen, unter anderem sei geplant, dass Rad- und Fußverkehr eine eigene Behelfsbrücke an der Alster erhalten. Radler*innen sollen von der Straße An der Alster über Schwanenwik und durch die Armgartstraße zur Mundsburger Brücke geführt werden. Um dabei durchgehend Rechtsverkehr für die Radelnden zu ermöglichen, soll es jeweils über Schwanenwik und über den Mundsburger Damm auf Höhe der Armgartstraße Ampeln geben.

Während der Baumaßnahmen zur Umgestaltung der Hohenfelder Bucht will die Verkehrsbehörde den Radverkehr also für mehrere Jahre temporär durch die Armgartstraße führen – genauso wie es einer der beiden Alternativvorschläge von Grün-Rot aus Nord für die Velorouten 5 und 6 vorsieht. Nach Abschluss der Bauarbeiten Hohenfelder Bucht will die Behörde prüfen, »inwieweit diese temporäre Führung […] beibehalten werden kann, um eine dauerhafte Alternativstrecke zum Mundsburger Damm anzubieten.«

Verkehrswende verschoben

Eine gerechte, zukunftsfähige Umverteilung der Verkehrsflächen im Mundsburger Damm würde dem Autoverkehr nur auf einer Spur je Richtung führen und den Radverkehr auf einen geschützten Radfahrsstreifen (Protected Bike Lane). Doch für eine solche Lösung im Sinne der Verkehrswende fehlt derzeit noch der politische Wille in Hamburg, ein entsprechender Antrag der Linken wurde mehrheitlich abgelehnt. Man wolle, so die Begründung, auf einer Hauptverkehrsstraße wie dem Mundsburger Damm kein Nadelöhr schaffen. Jedenfalls nicht für den Autoverkehr.

Antrag von Grün-Rot Drs 21-0719

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