Verkehr
01.12.2017

Veloroute 5N durchs Pergolenviertel

argus

Übersichtskarte dieses Abschnitts der Veloroute 5N

ca. 2,75 m breiter Weg aus Betonplatten, rechts Gebäude der City Nord adfc hh/Ole Burmester

Von Hebebrandstraße Richtung Süd vor dem Ausbau: Zunächst gemeinsamer Geh- und Radweg entlang der östlichen City-Nord

gepflasterter Weg (ca. 1,6 m breit) mit Oberflächenschäden geht in alten Asphaltweg über, im Hintergrund führt der Weg unter einer Betonbrücke hindurch adfc hh/Ole Burmester

... unter der Jahnbrücke hindurch ...

Ein Weg teilt sich, am Scheidepunkt stehen mehrere Poller adfc hh/Ole Burmester

Rechts führt der Weg dann weiter zur Saarlandstraße, links geht es durchs Kleingartengelände zur Straße Alte Wöhr

Am 27. November wurde dem Regionalausschuss Eppendorf/Winterhude die Planung für ein Stück der Veloroute 5N durch das Pergolenviertel vorgestellt. Dabei geht es um den Nord-Zweig der Veloroute 5, der die Routen 4 und 5 verbindet. Wer aus Richtung Norderstedt einpendelt und östlich am Stadtpark vorbei möchte, kommt hier entlang. Planungsgebiet ist der Abschnitt zwischen U-Sengelmannstraße im Norden und der Saarlandstraße im Süden.

Die Ingenieure sprechen von einem »urbanen Radschnellweg"«, weil hier ein Stück Veloroute über eine 1,3 km lange Strecke entstehen soll, das man zukünftig mit vergleichsweise hohen Geschwindigkeiten befahren kann. Geplant ist ein separat geführter Zweirichtungsradweg, asphaltiert und 4 m breit. Hier kann man dann wohl bald sehen, wie Radverkehr sein sollte.

Richtung Norden biegt man sanft von der Saarlandstraße rechts ab und wird – mit Ausnahme einer Kreuzung – autofrei durchs Grüne geleitet. Als Alltagsradfahrerin fragt man sich, wieso der Weg in Schlangenlinien geführt werden soll. Das entspricht nicht dem natürlichen, ergonomischen Verlauf des Radfahrens und lädt zum Schneiden der Kurven ein. Die Kurvenfahrt wurde aber bereits im Bebauungsplan festgelegt und sei nicht mehr zu ändern, so die Planer. Hoffen wir also, dass es nicht zu Kollisionen kommt.

Nach eleganter Unterführung unter der Hebebrandstraße hindurch landet man nach einem etwas abrupten Rechtsknick ohne eine Ampel auf dem Radweg entlang der Sengelmannstraße Richtung Norden.

Richtung Süden sieht es nicht ganz so rosig aus: An der U-Sengelmannstraße ist zunächst ein Stopp am Bettelknopf der Anforderungsampel einzuplanen. Ab dort fährt man ein kurzes Stück linksseitig, um die Unterführung östlich der Sengelmannstraße mit nutzen zu können. Straßenbegleitend sind es auf der linken Seite nur ein paar Meter – ohne Einfahrten oder Einmündungen. Nach dem wiederum netten Weg durchs Grün muss am Ende auch die Saarlandstraße überquert werden, mit Glück hat schon jemand den Knopf gedrückt ...

Grün nur auf Knopfdruck

Sind die Anforderungstaster mit verbundenen Wartezeiten so attraktiv gestaltbar, dass Radfahrer z. B. vom Alsterdorfer Markt kommend tatsächlich für ein kurzes Stück die Straßenseite wechseln, oder ist diese Planung quasi eine Einladung zum Geisterradeln?

Seitens der Auftraggeber dieser Planung sieht man noch nicht die Notwendigkeit, die Querungen komfortabelst zu gestalten, es sei eine Taster-Lösung gefordert worden. »Fahrradstadt« wäre, wenn entweder automatisch Grün für Fahrräder realisiert wird, oder auch Autos auf Hauptstrecken um Grün betteln müssten.

So wurden innovative Lösungen wie Kontaktschleifen oder Infrarotsensoren nicht in Erwägung gezogen. Für eine Veloroute, die hohen Standards genügen soll und gerade durch kurze Wartezeiten aufgewertet würde, ist das aus unserer Sicht untragbar.

Vorfahrt? Fehlanzeige

Vollkommen unverständlich an der Planung ist allerdings die mitten auf diesem schönen Weg gelegene gleichberechtigte Kreuzung mit dem Dakarweg. Der Dakarweg ist eine kleine Nebenstraße, die Veloroute aber ist DIE Haupt-Fahrradverbindung in dem Gebiet.

Im Pergolenviertel entstehen 1400 Wohnungen, man möchte durch direkte Anbindung an Veloroute und S-Bahn hohe Anreize schaffen, sich autofrei oder zumindest autoarm fortzubewegen. Daher ist es aus ADFC-Sicht ein ganz falsches Zeichen, diese Erschließungsstraße für das Quartier nicht der Veloroute unterzuordnen.

Wo sonst soll denn dem Radverkehr Vorfahrt gegeben werden? Am Montag hieß es dazu, die Vorfahrt für die Veloroute sei »nicht gewünscht«.

Insgesamt wird hier ein Stück Fahrradinfrastruktur gebaut, wie es sein sollte, nur wurde anscheinend schon bei der Beauftragung für kleine Unzulänglichkeiten gesorgt, die im Betrieb unnötig ausbremsen. Noch ist Zeit, Mut zu beweisen: Am 18. Dezember wird sich der Ausschuss nochmals mit dieser Planung befassen.

Velorouten

ADFC-Bezirksgruppe Nord