23.10.2019

Bike+Ride-Konzept an den Schnellbahnhaltestellen in Hamburg

Von: Online-Redaktion

Wir stellen auf dieser Seite das B+R-Konzept zum Ausbau der Abstellmöglichkeiten an Schnellbahnhaltestellen vor. Wir zeigen eine der ersten so umgebauten Anlagen. Und wir gehen näher auf die Doppelstockanlagen ein, weil uns dazu des öfteren Fragen erreichen.


Doppelstockparker

23.10.2019, Ulf Dietze

Wir haben uns bei der P + R-Betriebsgesellschaft über die Doppelstock-Parker (Video) informiert.

Erfahrung mit den Doppelstockparkern

adfc: Welche Modelle von Doppelstockparkern werden verbaut?

René Wulff, P + R Betriebsgesellschaft: Wir haben bisher zwei unterschiedliche Herstellersysteme im Einsatz: Im Jahr 2016 haben wir an der Haltestelle Othmarschen, Jeppweg (1. Bauabschnitt) ein Doppelstockparksystem der Fa. Orion, Biebesheim unter der frei zugänglichen Überdachung errichtet. Innerhalb der Fahrradsammelschließanlage (Tor 1+2) wurde zeitgleich ein System »Flexhub« der Fa. Kienzler, Hausach instelliert. Derzeit läuft der 2. Bauabschnitt an der Haltestelle Othmarschen. Diese Doppelstockparker sind von der Fa. Ziegler, Weissach-Flacht. (weitere Haltestellen und Modelle)

Derzeit setzen wir innerhalb eines Rahmenvertrages weiter das System »Flexhub« ein, allerdings über den Lieferanten Ziegler, Weissach-Flacht. Derzeit im Bau befindliche Haltestellen sind U-Oldenfelde, U-Wandsbek-Gartenstadt, S-Alte Wöhr, U-Hammer Kirche, AKN-Schnelsen.

An den genannten Haltestellen sind die Doppelstockparker teilweise als frei zugängliche Anlagen, teilweise aber auch nur in den Sammelschließanlagen als Mietstellplätze verbaut.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit den Abstellanlagen? Wird der Ausbau wie geplant fortgesetzt oder gibt es in irgendeiner Form ein Nachsteuern des Projekts?

Wir haben in den letzten Jahren durch die Umsetzung des B+R-Entwicklungskonzept zwischenzeitlich mehr als 1.000 Stellplätze in Doppelstockparkern im Bestand. Die eingesetzten Systeme werden von den Kunden sehr gut angenommen. Daher ist deren Einsatz sehr positiv, weil wir eine deutlich effizientere Flächennutzung erzeugen. Dieses System werden wir auch in Zukunft weiter für Bike+Ride einsetzen.

Durch die gute Kundenakzeptanz und den damit einhergehenden Erfahrungen der Nutzung stellen sich innerhalb des Betriebes auch kleinere Schwachpunkte ein, die Anlass sind, die Anlagen zusammen mit den Lieferanten ständig weiter zu entwickeln.


26.11.2015, Andrea Kupke, Ulf Dietze

In der Fahrradsammelbox stehen ebenfalls Anlehnbügel

An der U-Bahn-Haltestelle Saarlandstraße gab es bislang Fahrradbügel, von denen einige überdacht waren. Der Pflegezustand der Anlage war schlecht, alles wirkte verdreckt und auch verwahrlost. Zwischen den fahrbereiten Fahrrädern fanden sich auch immer zahlreiche Schrotträder und rund um die Abstellanlage standen weitere Fahrräder wild in der Gegend herum. Schon seit Jahren gab es hier mehr Bedarf als Abstellmöglichkeiten. Nun wurde die Anlage innerhalb von drei Monaten umgebaut.

Auf der 500 Quadratmeter großen Fläche entstanden 162 neue Abstellplätze für Fahrräder: 35 Bügel überdacht, 40 Bügel ohne Überdachung, sechs Anlehnbügel in einem abschließbaren Raum. In die Anlage wurden 270 000 Euro investiert. Die Fahrradbügel haben einen Abstand von 90 cm. Die Schließfächer haben eine ca. 40 cm x 40 cm große Tür.

B+R-Entwicklungskonzept

Die B+R-Anlage liegt direkt vor der Bahnhofshalle
Trotz der neuen Anlage stehen (oder liegen) einige Räder unangeschlossen herum. Es sind kaum Anlehnbügel frei. Das spricht dafür, dass die Anlage zeitweise komplett belegt ist. Wir sehen da auch noch Platz für den einen oder anderen zusätzlichen Bügel
Überdachte Bügel: Dank der Verwendung von Glas als Dachmaterial bleibt es hell und übersichtlich
Der Betreiber sichert sich ab – Aufkleber mit den Nutzungsbedingungen

Die Bike+Ride-Anlage an der U-Saarlandstraße ist damit die erste , die nach einem neuen Konzept errichtet wurde, das Stück für Stück auf 133 Schnellbahn-Haltestellen in Hamburg ausgeweitet werden soll. Für das Konzept ließ die Verkehrsbehörde (BWVI) zunächst für alle Haltestellen eine Bestandsaufnahme machen, in der unter anderem »korrekt« und »wild« abgestellte Räder gezählt wurden. Zusammen waren das an einem Stichtag in 2012 rund 16800 Fahrräder. Zu deren Summe kam noch ein Aufschlag, der die erwartete Zunahme des Radverkehrsanteils in Hamburg auf 18 % berücksichtigt.

Festgestellt wurde auch, dass zwischen 2008 und 2012 die Auslastung der Abstellplätze an den Haltestellen bereits um 21 % gestiegen ist. Außerdem wird bei den Überlegungen berücksichtigt, dass auch hochwertige Fahrräder genutzt werden, die besonders vor Diebstahl zu schützen sind. Insgesamt sollen im Rahmen des Programms, das im Januar 2015 vorgestellt wurde, 12.000 zusätzliche Fahrrad-Abstellplätze in zehn Jahren entstehen.

Es gibt dabei jeweils einen Mix aus überdachten Abstellbügeln, nicht überdachten Abstellbügeln, Fahrradboxen bzw. Fahrradsammel-Räumen und Schließfächern. Hinzu kommen hier an der Saarlandstraße noch eine StadtRad-Station, Lademöglichkeit für E-Bikes und Leihkraftfahrzeuge im Rahmen eines Switchh-Punktes. »Bei jeder Anlage werden die individuellen Anforderungen vor Ort berücksichtigt und bei Bedarf Sonderlösungen zum Beispiel in Form von Doppelstockabstellplätzen oder Fahrradparkhäusern entwickelt«, pressemitteilte die Behörde. Das Programm sehe ein Investitionsvolumen von 30 Millionen Euro vor. Die Modernisierung und Instandhaltung aller Anlagen liegen zukünftig in der Hand eines einzigen Betreibers - der städtischen P+R-Betriebsgesellschaft mbH. Dessen Geschäftsführer Heino Vahldieck sieht Hamburg dabei in einer bundesweiten Vorreiterrolle: »Wir treten mit dem Ziel an, einen einheitlichen Qualitätsstandard für ganz Hamburg zu etablieren. Wer sich darauf verlassen kann, sein Fahrrad mit einem guten Gefühl in den B+R-Anlagen abzustellen, dem wird der Weg vom Gelegenheitsradfahrer zum dauerhaften Umsteiger auf Fahrrad und ÖPNV enorm erleichtert«. Nach Angaben der BWVI sind für 2016 weitere 17 Anlagen geplant, darunter Ohlstedt, Berne, Hammer Kirche, Ochsenzoll, Hoheluftbrücke und Mundsburg.

An jeden Bügel lassen sich bequem zwei Fahrräder anschließen
Zugang zu den Schließfächern und zur Fahrradbox (großes Foto oben) haben nur registrierte BenutzerInnen
Zwölf Schließfächer gibt es an diesser Anlage
Zu einer B+R-Station nach neuem Konzept gehört auch eine StadtRad-Station

Erste Bewertung durch die ADFC-Bezirksgruppe Nord

Die Bügel haben einen gut geeigneten Abstand zueinander, so dass auf jede Seite ein Rad angeschlossen werden kann, jedoch keine Räder mehr dazwischen gequetscht werden. Die Fläche wird also gut ausgenutzt. Warum ein Teil der Bügel nicht überdacht ist, erschließt sich nicht auf den ersten Blick – und auch nicht auf den zweiten. Fahrradbox und Schließfächer sind eine sinnvolle Ergänzung der Anlage. Im Konzept der Behörde wird erwähnt, dass z. B. in Wien regelmäßige Stichproben hinsichtlich der Auslastung von Anlagen vorgenommen werden, damit rechtzeitig »angebaut« werden kann. Auch an der U-Saarlandstraße bestände ggf. Flächenpotenzial für eine Erweiterung und es zeigt sich schon jetzt, dass selbst an einem regnerischen Herbstmorgen nur noch wenige Bügel frei sind.

Als Anlehnbügel wählte die Stadt hier ein Modell aus Flacheisen. Manche Radfahrenden sind über diese Modelle nicht glücklich, weil sie Angst um den Lack ihrer Fahrräder haben. Ein erster Oberflächentest mit feinfühligen Fingern kann hier aber Entwarnung geben: Scharfkantig ist da nichts.


26.11.2015

Fragen an die P + R-Gesellschaft

Unter welcher Webadresse kann man sich näher über die Mietbedingungen informieren?

Heino Vahldieck, Geschäftsführer P + R-Betriebsgesellschaft mbH:

Bedauerlicherweise verfügt die P + R- Betriebsgesellschaft mbH noch nicht über eine eigene Website, der die Bedingungen für die Vermietung von Fahrrad-Stellplätzen und Schließfächern zu entnehmen sind. Derzeit können Interessenten sich diese Informationen per Email info@p-und-r.com oder per Telefon 040/3288 2553 holen.

Wieviel kosten denn ein gesicherter Stellplatz oder ein Schließfach?

Der Preis für eine Abstellmöglichkeit in der Sammelschließanlage beträgt – wie bei allen von uns angebotenen Fahrrad-Mietstellplätzen – 24 Euro im Quartal oder 90 Euro im Jahr. Die Schließfächer sind für 18 Euro im Quartal zu haben, wobei sich der Preis auf 9 Euro verringert, wenn der Kunde einen Fahrrad-Abstellpatz und ein Schließfach anmietet. Dieser Personenkreis kommt auf einen Preis von 33 Euro im Quartal oder 126 Euro im Jahr. Für die Zugangskarte, die in das Eigentum des Mieters übergeht, wird eine einmalige Pauschale von 3 Euro fällig. Die Karte wird dem Mieter nach Unterzeichnung des Mietvertrages mit der Post zugesandt.

Kann der Kartennutzer an verschiedenen B+R-Plätzen damit flexibel einen Platz anmieten?

Nein, eine Übertragbarkeit auf andere Fahrrad-Mietstellpätze ist nicht vorgesehen. Die Karte berechtigt zur Nutzung eines bestimmten Schließfachs in der Schließfach-Anlage und/oder zur Nutzung eines beliebigen Abstellplatzes in der benannten Sammelschließanlage.

Warum sind nicht sämtliche Bügel an der U-Saarlandstraße überdacht?

Das B+R-Entwicklungskonzept sieht im Endausbau einen Anteil von 20 % Mietstellplätzen vor, die natürlich sämtlich überdacht sein werden. Von den verbleibenden 80 % soll die Hälfte überdacht sein, so dass am Ende 60 % aller B+R-Stellplätze überdacht sein werden. Das Konzept geht davon aus, dass das ein angemessener Anteil ist.

Wir stellen schon wenige Tage nach der Eröffnung der Anlage an der Saarlandstraße fest, dass die Kapazität zeitweise nicht ausreicht. Wird das beobachtet und ggf. nachgesteuert?

Wir halten es für vorstellbar, dass die im B+R-Entwicklungskonzept festgelegten Ausbauzahlen für Fahrrad-Stellplätze sich als nicht ausreichend erweisen. Deshalb werden wir, bevor wir konkrete Planungen für B+R-Anlagen an Schnellbahn-Haltestellen beginnen, die örtlichen Gegebenheiten noch einmal in Augenschein nehmen, um festzustellen, ob der geplante Ausbau den zu erwartenden Anforderungen entspricht. An einigen Stellen stellt aber bereits der vorgesehene Ausbau im Hinblick auf den für diesen Zweck zur Verfügung stehen Straßenraum eine große Herausforderung dar. Kapazitäts-Ausweitungen werden an diesen Stellen schwer bis unmöglich sein. Dies gilt leider auch für den Standort Saarlandstraße, wo der nachträgliche Zubau von Stellplätzen kaum möglich sein wird.

An den Hafenfähren besteht auch Bedarf, Fahrräder abzustellen. Warum sieht das B+R-Konzept dort keine Stationen vor?

B+R befasst sich mit Fahrrad-Stellplätzen im Umfeld von Schnellbahnhaltestellen. Die Ausweitung auf andere Verkehrsknotenpunkte wie Hafenfähren ist bislang nicht vorgesehen, aber in der Tat erwägenswert. Wir werden prüfen, ob und ggf. wie hier nachgesteuert werden kann.

Die Fragen stellte Ulf Dietze 

Gesamtansicht der Anlage U-Saarlandstraße