12.06.2019

Inseln im Längsverkehr

Von: online-redaktion

Diskussion und Anforderungen

In manchen Situationen können schmale Inseln oder Leitboys hilfreich sein, um getrennte Verkehrsflächen von Radverkehr und Autoverkehr deutlicher hervorzuheben. Viele Radfahrende fühlen sich dann sicherer.

Z. B. können solche Einbauten dort nützlich sein,

  • wo Fahrstreifen verschwenkt werden,
  • wo zwei Fahrstreifen auf einen reduziert werden,
  • wo es häufig zu Rückstaus kommt, weil Linksabbiegeverkehr nicht gleich abbiegen kann (und Autofahrer dann regelwidrig rechts über den Radfahrstreifen oder Schutzstreifen vorbeifahren),
  • wo ein Radfahrstreifen gegen die Fahrrichtung einer Einbahnstraße angelegt ist.

An solchen Stellen entstehen gefährliche Situationen dadurch, dass Autofahrer Schutz- oder Radfahrstreifen regelwidrig befahren und dabei nicht immer ausreichend auf Radfahrende achten. Auch ohne ein Überfahren der Streifen haben viele Radfahrende Angst, dass Autofahrer*innen seitlich zu nah an sie heranfahren. An solchen Stellen sind schmale Inseln oder Leitboys eine Option, zumindest das Überfahren des Radfahrstreifens zu verhindern.

Allerdings haben Einbauten auch Nachteile. Aus diesen Gründen muss der Einsatz gut abgewogen und auf die als kritisch erkannten Örtlichkeiten beschränkt werden:

  • Unter Umständen sind die Inseln oder Leitboys schlecht sichtbar (z. B. bei Laub, Schnee, Regen, blendendem Gegenlicht).
  • Die Reinigung durch Fahrzeuge der Stadtreinigung ist erschwert.
  • Es könnte sich bei mancher Autofahrer*in die Haltung ausbilden, dass dort, wo keine Einbauten sind, der Radfahrstreifen eben regelwidrig überfahren werden kann.

Baulich sollten die Inseln mindestens folgenden Anforderungen genügen:

  • Deutliche Kennzeichnung am Anfang und am Ende durch breite Rundbaken. Bei längeren Inseln sollten sie nach jeweils einigen Metern durch weitere Baken ergänzt werden. Am Sichersten sind Kunststoffelemente oder solche mit abknickender Funktion, um die Unfallschwere bei einem Zusammenstoß so niedrig wie möglich zu halten.
  • Der Bordstein sollte abgeschrägt sein, so dass Radfahrer*innen nicht mit der Fahrradpedale hängen bleiben können.
  • Auch im Zuge der Inseln sollte die Radverkehrseinrichtungen in solch großen Radien geführt sein, dass eine Verringerung der Geschwindigkeit der Radfahrer*in vermieden wird.

Beispiele

Leitboys im Knoten

In Verkehrsknoten kommen sich die Fahrlinien von Radverkehr und Autoverkehr sehr nahe. Wo dies unerwartet passiert, kann es zu gefährlichen Situationen kommen. Ggf. können Inseln oder andere Elemente für mehr Sicherheit sorgen.

adfc hh/Ulf Dietze
Leitboys

(Mai 2019) Im Eichenlohweg verdeutlichen sog. Leitboys die Trennlinie zwischen Richtungsfahrstreifen und Radfahrstreifen.

Vor deren Installation fuhren linksabbiegende Kraftfahrer*innen häufig eine zu große Kurve. Sie überfuhren dabei auch den Beginn des Radfahrstreifens. Gleichzeitig konnten hier Radfahrende auftauchen, die indirekt über die Ampelfurt abbogen. Es kam zu gefährlichen Situationen insbesondere mit Bussen.

adfc hh/Ulf Dietze
Blick von Nordheimstraße Richtung Eichenlohweg. Der Bus befindet sich an der kritischen Stelle, wo er der über die Furt herannahenden Radfahrer*in nahe kommt (beide haben zeitweilig gleichzeitig Grün).
adfc hh/Ulf Dietze
Blick aus dem Eichenlohweg Richtung Nordheimstraße. Der Bus befindet sich am Beginn des Radfahrstreifens. Dort verdeutlichen Leitboys nun, dass die Spur des Radverkehrs keinesfalls überfahren werden darf.

Inseln gegen die Einbahnstraßenrichtung

adfc hh/Jens Bruhn
Schmale Inseln in der Caffamacherreihe (2018)

In der Caffamacherreihe ist der gegen die Einbahnstraßenrichtung verlaufende Radfahrstreifen durch eine Insel geschützt. Im Graumannsweg, wo es diese Inseln nicht gibt, fahren Autofahrer*innen häufig regelwidrig auf dem Radfahrstreifen.


Inseln an einer Fahrbahnverengung

Die Straßburger Straße verengt sich. Dort ist der Radfahrstreifen mit einer schmalen Insel vom Fahrstreifen abgegrenzt. Der Radweg ist hier gepflastert, besser wäre Asphaltierung. Auch ist die Kennzeichnung der Insel ungenügend.

adfc hh/Reinhard Borchers
Straßburger Straße, Blick Richtung Fahrstreifenreduktion
adfc hh/Reinhard Borchers
Straßburger Straße (2018)

adfc hh/Andrea Kupke
Schmale Insel zwischen Radfahrstreifen und Fahrstreifen an der Verengung von zwei Fahrstreifen auf einen Fahrstreifen. (Rübenkamp 2018)

Im Rübenkamp verengt sich die Fahrbahn von zwei Richtungsfahrstreifen auf einen. An der Verengung ist der Radfahstreifen durch eine schmale Insel geschützt. Im Beispiel ist der Radfahrstreifen in der Engstelle unnötig schmal.