14.03.2014

Marktplatz Bramfeld autofrei

Von: Ulf Dietze

Fußgängerzone »frei« und Stellplätze

Der Bramfelder Marktplatz ist umgestaltet. Er ist nun nicht mehr lärmender Parkplatz für private Autos sondern Aufenthaltsfläche für BesucherInnen von Geschäften, Seniorentreff, Bücherhalle, Ärztehaus und Haus der Jugend. Außerdem dient die Fläche weiterhin kulturellen Veranstaltungen und dem Wochenmarkt.

Nicht selbstverständlich: Für Radfahrende offiziell freier Durchlass.
Fußgänerzone/Radfahrer frei: FußgänerInnen haben Vorrang, Radfahrende dürfen aber fahren.
Sofort überall gut angenommen: an mehreren Orten sind Gruppen von Anlehnbügeln installiert, die ein Anschließen des Fahrradrahmens ermöglichen.

In der Auslobung eines Wettbewerbs zur freiraumplanerischen Gestaltung schrieb der Bezirk Wandsbek im März 2007:

»Der Bezirk Wandsbek erhofft sich Ideen und Lösungen, die den Marktplatz zu einem Ort entwickeln, der als zentraler Bereich für das öffentliche Leben der Bürgerinnen und Bürger dient. Durch die Neuordnung der Nutzung und die Gestaltung des Platzes soll ein neuer Identifikationsort und ein attraktiver öffentlicher Raum als Initialzündung für ein urbaneres Stadtteilzentrum entstehen.«

Damals ist noch vorgesehen, Busverkehr von der Herthastraße Richtung Ellernreihe auf einer neuen Verbindung über den Platz zu führen. Auch ist eine neue Bebauung am Südrand vorgesehen, die es bisher nicht gibt. Zum Zeitpunkt der Ausschreibung steht noch das Kaufhaus Karstadt und auch die Ladenzeile entlang der Herthastraße ist noch vorhanden.

Beteiligung der Öffentlichkeit

In mehreren Planungsrunden konnten Anwohner, Verbände und andere Interessierte im Laufe der folgenden Jahre ihre Ideen und Anregungen auf Veranstaltungen in die Diskussion einbringen. Angenehm dabei: Anders als bei anderen Bürgerbeteiligungen ging es hier nicht darum, wer am lautesten seine Position in die Öffentlichkeit schrie. Stattdessen wurde gemeinsam mit Argumenten und Sachverstand an guten Lösungen gearbeitet. Heute ist das Karstadt-Gebäude abgerissen und durch jenes von Kaufland ersetzt. Der Komplex aus früherem Max-Bahr und Ladenzeile ist dem Einkaufszentrum Bramfeld gewichen.

Autos können nun im Parkhaus von Kaufland und dem Einkaufszentrum geparkt werden. Gewonnen hat dadurch die Aufenthaltsqualität auf dem Platz, der nun frei ist von abgestellten Wagen. Wo sich früher Fußgänger und Radfahrer mehr geduldet als erlaubt unter dem Vordach von Karstadt begegneten, können sie heute ganz legal die gesamte Marktfläche nutzen. Damit sind für beide Verkehrsteilnehmergruppen attraktive, direkte Verbindungen zu den kulturellen Einrichtungen und den Wohngebieten entstanden. Ergänzt wird der positive Gesamteindruck durch dezentral platzierte Gruppen von Fahrradabstellbügeln. Einziger Wehrmutstropfen: Vor Regen schützende Dächer hätten den Stellplätzen gut getan.

Die umfangreiche Nutzung der Fahrradstellplätze zeigt, dass ein attraktives Umfeld und gute Abstellmöglichkeiten viel Kundschaft in die Geschäfte bringen. Auch die Patienten des Ärztehauses nutzen jetzt stark die Stellplätze – zuvor fehlte es hier komplett an der Möglichkeit das Fahrrad mit dem Rahmen anzuschließen.

Insgesamt also eine gelungene Maßnahme, die beweist, dass attraktive Angebote für Fuß und Fahrrad gepaart mit notwendigen Einschränkungen des überall-Autofahrens Menschen und Gewerbe gut tut.

Bramfelder Dorfpassage

[Update, 06.01.2019]

Fußgängerzone im Bau. Schild "Fußgängerzone/Radfahrer frei/Krankenfahrzeuge frei/Lieferverkehr bis 7,5 t von 06-10 h frei" adfc hh/Ulf Dietze
Die Bramfelder Dorfpassage ist als Fußgängerzone mit »Radfahrer frei« geplant worden. Im abgebildeten Bereich sind 40 Fahrradbügel im öffentlichen Bereich dezentral installiert.

Mit der Bramfelder Dorfpassage entsteht eine neue Verbindung zwischen Bramfelder Dorfplatz und Marktplatz Herthastraße. Aktuell ist die Strecke noch nicht durchgängig passierbar, doch es zeichnet sich ab, wie es hier zukünftig aussehen wird. Schon die Planung des Bereichs, die der ADFC im Juli 2016 beurteilt hat, war so überzeugend, dass der Verein keinerlei Bedenken dagegen geäußert hatte.

Die Gebäude sind für eine Mischung aus Wohnen (136 Wohneinheiten) und Gewerbe vorgesehen. Daher hat der Investor im öffentlichen Bereich 40 Fahrradbügel (80 Stellplätze) eingeplant. Von vornherein vorgesehen war außerdem die Freigabe der Fußgängerzone für den Radverkehr, die bereits entsprechend ausgeschildert ist.

Damit kann auch dieser Bereich als Beispiel dienen, wie eine Planung aussehen kann, wenn Radverkehr von Anfang an mitgedacht wird. (Im Gegensatz zum abschreckenden Beispiel des EKZ W1).

Ob die Fahrradabstellmöglichkeiten ausreichen, um den zukünftigen Radverkehr dort aufzunehmen, lässt sich jetzt noch nicht sagen. Bei größerem Bedarf sollte entsprechend nachgelegt werden.