03.07.2019

Die Krausestraße braucht Radfahrstreifen

Von: Andrea Kupke, Ulf Dietze

Die Krausestraße verbindet Barmbek Nord mit Wandsbek. Sie kreuzt unter anderem Bramfelder Straße, Alter Teichweg und Denhaide. Es gibt in weiten Abschnitten keine Radverkehrsanlagen. Auch wo es solche gibt, besteht keine Benutzungspflicht. Radfahrende fahren also auf der Fahrbahn.

Fahrradfreundlicher Umbau lässt noch viele Jahre auf sich warten!

Autos stauen sich zweireihig vor einer roten Ampel adfc hh/Andrea Kupke
Krausestraße mit sogenannter unechter Zweispurigkeit: für Radler*innen abschreckend

Die Sanierungsarbeiten der maroden Krausestraße, einer wichtigen Querverbindung von Dulsberg nach Barmbek, verzögern sich weiter. Bereits im Sommer 2016 hatte die Stadt die Umbaupläne nach längeren Vorarbeiten eingetütet und erstverschickt. Hamburgs Radfahrende durften hoffen, spätestens im Jahr 2019 auf den in der Krausestraße geplanten Radfahrstreifen unterwegs sein zu können. Bisher müssen sie auf der unecht zweistreifigen Fahrbahn bei Tempo 50 im Mischverkehr fahren – angesichts des starken Kfz-Verkehrsaufkommens mit oft mulmigem Gefühl. Viele nutzen daher verbotenerweise die schmalen, oft nicht einmal 1,50 Meter breiten und von parkenden Autos weiter eingeengten Gehwege der Krausestraße auch mit dem Rad.

Inwzischen ist 2019, aber statt sich über den fahrradfreundlichen Umbau der Krausestraße zu freuen, werden sich Radfahrende auf eine längere Durststrecke einstellen müssen. Ende April gab es im zuständigen Regionalausschuss der Bezirksversammlung Hamburg-Nord einen Sachstandsbericht zu der geplanten Sanierungsmaßnahme. Die Ergebnisse:

  • Um die Parkplätze entlang der Fahrbahn im öffentlichen Raum erhalten zu können, die wegen breiter gewordener Autos nun breiter geplant werden müssten, wird in der Krausestraße um Zukäufe von privaten Grundstücksstreifen verhandelt. Diese Verhandlungen ziehen sich länger hin, als gehofft und sind nicht überall erfolgreich.
  • Durch Grundstückskäufe belaufen sich die Kosten auf über sechs Millionen Euro, eine Summe, die als Einzelposten im Haushalt des Senats beschlossen werden muss. Für den Haushalt 2019/20 erachtete aber der Senat andere Sanierungsmaßnahmen als wichtiger, die Krausestraße muss noch warten.
  • Hamburgs Baustellenkoordinator – ein Zugeständnis an staugeplagte Autofahrende – hat als nächstes mögliches »Baufenster« für die Krausestraße die Jahre 2024/25 genannt. Das heißt konkret: Radfahrende und Fußgänger*innen werden mindestens weitere fünf Jahre mit den für sie schlechten, gefährlichen Verkehrsbedingungen leben müssen.  

Die Idee, als Zwischenlösung und Sofortmaßnahme einfach Radfahrstreifen zu markieren, lehnt die Stadt ab. Da die Fahrbahnbreite von Bordstein zu Bordstein nicht verändert werden soll, würde eine solche Idee zwar naheliegen, allerdings seien die Fahrbahnränder so marode, dass ein Radfahrstreifen auf dem bestehenden Untergrund nicht in Frage komme. Dass Radfahrende dort aber bis zum Umbau noch jahrelang fahren werden müssen – ohne Streifen und immer hoffend, dass Autofahrende sie auch mit ausreichendem Abstand überholen –, nimmt die Stadt in Kauf.

Hintergrund

In der Krausestraße wird oft zweireihig auf einem Fahrstreifen gefahren. adfc hh/Ulf Dietze
In der Krausestraße wird oft zweireihig auf einem Fahrstreifen gefahren.
Viele Radfahrende haben Angst auf der Fahrbahn. adfc hh/Ulf Dietze
Viele Radfahrende fahren aus Angst auf dem Gehweg.
Platz für breite Radfahrstreifen wäre auf der Fahrbahn vorhanden. adfc hh/Ulf Dietze
Platz für breite Radfahrstreifen ist auf der Fahrbahn vorhanden.
Publikum vor Beamer-Präsentation adfc hh/Ulf Dietze
2. öffentliche Anhörung zur Krausestraße am 25. Mai 2016

Etwa 20000 Autos sind täglich auf dieser Straße unterwegs, darunter sind ca. 4 % Schwerlastverkehr. Die Fahrbahn ist durchgehend 9,5 m bis 10 m breit. Die Autos fahren auf je einer fünf Meter breiten Fahrspur meist in Zweierreihe nebeneinander (sog. unechte Zweistreifigkeit). Auf beiden Seiten parken Autos neben der Fahrbahn.

In den Augen vieler Radfahrender ist unbedingt etwas für den Radverkehr in der Straße zu tun. Denn angenehm ist es meist nicht, hier auf der Fahrbahn zu fahren. Ein hoher Anteil Radfahrender fährt daher unerlaubterweise auf dem Gehweg, was Konflikte und Gefahren für Fußgänger erhöht. Unser Video zeigt die Situation auf der Fahrbahn.

Vorbild Alsterkrugchaussee

In der Alsterkrugchaussee wurde eine unechte Zweistreifigkeit Anfang 2014 mit Hilfe eines Radfahrstreifens zu Einspurigkeit ummarkiert. Ziel war neben der Förderung des Radverkehrs auch das Reduzieren von Unfällen zwischen den zu eng fahrenden Kfz.

Eine vergleichbare Lösung fordert der ADFC für die Krausestraße. Nicht nur die Radfahrenden profitierten von Radfahrstreifen auf der Fahrbahn. Für Fußgänger*innen entfielen mit ihnen die Konflikte mit den Radfahrenden, die derzeit noch aus Angst vor der Fahrbahn unerlaubterweise die Gehwege mitbenutzen. Selbst für Autofahrer wäre die Neuaufteilung des Straßenraums ein Gewinn, da das enge Nebeneinanderfahren der Autos bisher recht stressbelastet ist – das entfiele zukünftig komplett.

Seit 2013 prüft die Behörde für Bauen, Wirtschaft, Verkehr und Innovation, wie eine geeignete Lösung für die Krausestraße aussehen könnte. Es gab dazu öffentliche Diskussionsveranstaltungen und im Mai 2014 demonstrierten u. a. ADFC und Stadtteilrat Dulsberg mit einer Fahrraddemo für eine Radfahrstreifenlösung.