03.02.2015

Position: Radfahrstreifen und Schutzstreifen

Von: Arbeitskreis Verkehr
Linksabbiegestreifen für Radfahrer (auch ohne Roteinfärbung möglich)

Der ADFC Hamburg befürwortet Radfahrstreifen und Schutzstreifen. Beim Bau sind allerdings fünf goldene Regeln zu beachten. Nur so sind die Streifen sicher und werden von allen akzeptiert.

Radfahrstreifen und Schutzstreifen bringen den Radverkehr von den Nebenflächen auf die Fahrbahn. Die Akzeptanz des Fahrbahnfahrens wird beim Autoverkehr und beim Radverkehr gesteigert. Der Fußverkehr erhält den ihm zustehenden Platz im Seitenraum zurück. Die Verkehrssicherheit steigt für alle, denn eine deutliche Führung für den Radverkehr entschärft viele Konflikte schon im Vorfeld.

Das kann jedoch nur funktionieren, wenn sich die Radfahrer auf den Streifen sicher fühlen. Um das zu erreichen, müssen beim Neubau fünf goldene Regeln eingehalten werden. Der Bestand muss aus Gründen der Akzeptanz und der Verkehrssicherheit ebenfalls regelmäßig überprüft werden.

1. Streifen dürfen nicht einengen

  • Bei Schutzstreifen und Radfahrstreifen dürfen die Mindestbreiten der bundesweiten Regelwerke (Empfehlungen zur Anlage von Radverkehrsanlagen - ERA) nicht unterschritten werden (Schutzstreifen: 1,25 m, Radfahrsteifen 1,85 m).
  • Radfahrstreifen und Schutzstreifen dürfen nicht zu schmal sein. Wenn sehr schmale Streifen mit sehr schmalen Autofahrbahnen kombiniert werden, fühlen sich die Radfahrer unsicher und die Akzeptanz der Streifen sinkt.
  • Radfahrer müssen aus der unfallträchtigen Türöffnungszone herausgeholt werden. Daher sind breite Sicherheitsabstände (mindestens 0,75 m) wichtig. Bei Platzmangel sind sie wichtiger als die Einhaltung der Regelbreite der Streifen (1,50 m bei Schutzstreifen, 1,85-2,00 m bei Radfahrstreifen).
  • Die Restfahrbahn zwischen den Streifen kann 2,75m je Richtung bei Radfahrstreifen und insgesamt 4,50m bei Schutzstreifen betragen, wie es die bundesweiten Regelwerke vorgeben. In Hamburg werden größere Mindestbreiten angesetzt, so dass für die Radfahrstreifen und Schutzstreifen weniger Platz bleibt. Mittellinien sind möglichst zu entfernen, um den MIV zu entschleunigen. Autofahrern fällt es ohne Mittellinie außerdem leichter, den notwendigen Überholabstand von 1,50 m einzuhalten.
  • Ist die Fahrbahn für Schutzstreifen oder Radfahrstreifen zu schmal, können Fahrradpiktogramme auf der Fahrbahn signalisieren, dass die Radfahrer hier erwünscht sind.

2. Rechtzeitiges Einordnen vor Kreuzungen und Einmündungen ermöglichen

  • Die Verkehrsströme müssen frühzeitig vor Knotenpunkten deutlich geführt werden, damit sich Radfahrer auf der Fahrbahn sicher fühlen. Radfahrern muss ermöglicht werden, sich rechtzeitig in Abbiegespuren etc. einzuordnen. Fahrbahnmarkierungen und Piktogramme sollen allen Verkehrsteilnehmern anzeigen, wo sich der Radverkehr einordnen kann.
  • Der geradeaus fahrende Radfahrer sollte niemals rechts von den Rechtsabbiegespuren geführt werden. Autofahrer erwarten dort keine gerade aus fahrenden Radfahrer. Der Geradeausfahrstreifen für Radfahrer sollte deshalb links vom Rechtsabbiegestreifen für Kfz liegen.
Vorgezogene Haltelinie für den Radverkehr

3. Sicherheit durch Sichtbarkeit an Kreuzungen und Einmündungen

  • Vorgezogene Haltelinien und aufgeweitete Aufstellstreifen müssen mindestens 3,00 m vor der Haltelinie für die Kfz liegen und sind über Radfahrstreifen oder Schutzstreifen zu erreichen. So befindet sich der Radverkehr nicht im toten Winkel. Sie erhöhen die Verkehrssicherheit deutlich, da der Radverkehr als erstes die Kreuzung queren kann und von allen Verkehrsteilnehmern gut wahrgenommen wird.
Aufstelltasche für indirektes Linksabbiegen
  • Von allen Bordsteinradwegen und Radfahrstreifen aus muss das direkte Linksabbiegen ermöglicht werden. Dazu sind frühzeitig Bordsteinabsenkungen und Ableitungen auf die Fahrbahn anzulegen, bei Radfahrstreifen ist die weiße Linie zu unterbrechen.
  • Aufstelltaschen für das indirekte Linksabbiegen sollten nur zusätzlich zum direkten Linksabbiegen bei mehrstreifigen Straßen angeboten werden. Für den indirekt abbiegenden Radfahrer muss zu jeder Zeit eindeutig erkennbar sein, wann er den mit dem Einfahren in die Kreuzung begonnenen Abbiegevorgang gefahrlos beenden kann.
Sprunginsel für die sichere Querung einer Hauptverkehrsstraße
  • Fahrradbügel an Kreuzungen und Einmündungen sorgen für freie Sichtfelder. Sie bieten Platz für Fahrräder und halten die Kreuzung frei von Falschparkern.

4. Sichere Übergänge zwischen Radwegen und Streifen

  • Stellen, an denen der Radverkehr vom Bordsteinradweg auf den Streifen geführt wird, müssen sicher gestaltet sein. Verkehrsinseln oder Bordsteine zum Schutz sind zu ihrem Schutz so zu gestalten, dass der Radverkehr, der bereits auf der Fahrbahn unterwegs ist, nicht behindert wird. Mit Fahrradbügeln kann man das Parken von Kfz verhindern, wodurch die Sicht verbessert wird. In der Regel sollte die Aufleitung auf die Fahrbahn direkt an einer Kreuzung erfolgen.
  • Endet ein Streifen, darf dieser nicht ausschließlich in einen nicht benutzungspflichtigen Radweg münden. Der Radverkehr muss die Wahl zwischen Radweg und Fahrbahn haben und der Autoverkehr sollte dies ebenfalls erkennen. Als Lösung kommt eine Gabelfurt in Frage oder die Markierung des Streifens läuft vorher aus bzw. wird von Fahrradpiktogrammen auf der Fahrbahn abgelöst.
  • Wenn Radverkehrsführungen z. B. aus Parks auf eine querende Straße mit Streifen treffen, müssen Querungshilfen vorhanden sein. Sie müssen den Radverkehr auf den jeweils rechten Streifen leiten.

5. Intuitiv erfassbare Führungen an Engstellen

  • Wenn ein Schutzstreifen aufgrund einer kurzen Engstelle nicht weitergeführt werden kann, sollte er frühzeitig aufgehoben werden, damit sich der Verkehr mischen kann. Hier zeigen Fahrradpiktogramme in der Mitte der Fahrbahn allen Verkehrsteilnehmern, dass der Radverkehr auf der Fahrbahn erwünscht ist.
  • An Bushaltestellen soll der Radverkehr auf der Fahrbahn weitergeführt werden. Dafür kann der Radfahrstreifen weitergeführt oder aufgelöst werden, oder der Radverkehr fährt im Haltestellenbereich auf einem aufgeweiteten Busstreifen mit. Dadurch werden Konflikte mit ein- und aussteigenden bzw. wartenden Fahrgästen vermieden.
  • Ist eine sicher und intuitiv nutzbare Führung des Radverkehrs nicht möglich, muss die Geschwindigkeit des Kfz-Verkehrs auf 30km/h gesenkt werden.