06.04.2018

Radfahrstreifen in der Steilshooper Straße

Von: Ulf Dietze

Zwischen Rümkerstraße und Steilshooper Allee wurden in der Steilshooper Straße (Barmbek-Nord) auf einer Länge von 770 m Radfahrstreifen markiert.

Den Knoten zur Steilshooper Allee ließ die Stadt allerdings noch unverändert, weil er im Rahmen einer anderen Planung umgebaut werden soll. Der Knoten Steilshooper Straße/Rümkerstraße wurde ebenfalls jetzt noch nicht verändert.

Für die zweispurige Steilshooper Straße gilt eine Höchstgeschwindigkeit von Tempo 50 km/h. Es gibt dort viel Wohnbebauung, mehrere Supermärkte und anderes Gewerbe. Außerdem liegen in der Nähe ein Gewerbegebiet mit Ausbildungszentrum, ein Recyclinghof sowie eine Grundschule. Im Durchschnitt fahren täglich etwa 14600 Autos und Lkw durch die Straße.

Ausgangslage

adfc hh/Ulf Dietze
Die alten Radwege waren deutlich schmaler als es nach aktuellen Richtlinien zulässig ist.
adfc hh/Ulf Dietze
Die Führung des Radverkehrs außerhalb des Sichtfeldes der Autofahrer*innen hat sich als gefährlicher Irrtum erwiesen: Sichtbarkeit schafft Sicherheit.

Die Fahrbahn war schadhaft und erforderte einen hohen Erhaltungsaufwand. Die Bushaltestellen entsprachen nicht mehr den aktuellen Planungsvorgaben. Fast auf der gesamten Strecke der Steilshooper Straße gab es getrennte Geh- und Radwege. Die (nicht benutzungspflichtigen) Radwege waren mit 0,6 m bis 1,5 m Breite durchgehend schmaler, als es heutige Regelwerke vorsehen, außerdem um Baumbestand verschwenkt, uneben, aus unterschiedlichen Belägen hergestellt und in bautechnisch mangelhaftem Zustand. Die Sichtbeziehungen an den Einmündungen waren durch Verschwenkungen des Radwegs eingeschränkt, was ebenfalls schlecht für die Verkehrssicherheit ist. Auf der gesamten Strecke gab es keine Fahrradbügel. Wer mit dem Fahrrad auf der Fahrbahn fuhr, musste sich auf weiten Strecken zwischen rechts auf der Fahrbahn geparkten Autos und den links vorbeifahrenden Autofahrer*innen vorbeischlängeln – auch in der Steilshooper Straße halten diese oft nicht den nötigen Sicherheitsabstand beim Überholen ein.

Planungsziele

adfc hh/Ulf Dietze
Überholen ausgeschlossen, kein Winterdienst, Geisterfahrer, Wurzelschäden, kaum Sicht voraus: Bisherige Radwege in der Steilshooper Straße.
adfc hh/Ulf Dietze
Die Stadt ist nicht in der Lage, die Vielzahl der klassischen Radwege vernünftig zu pflegen. Telweise ist seit Jahrzehnten nichts passiert.

Das Bezirksamt schreibt in seinem Erläuterungsbericht zum Umbau der Steilshooper Straße: »Ziel der Planung ist es, alle Verkehrsteilnehmer bei der Neugestaltung des Straßenquerschnittes zu berücksichtigen und die zurzeit geltenden Regelwerke umzusetzen. Die Kriterien der Verkehrssicherheit und Funktionalität stehen hierbei im Vordergrund.« Der Baumbestand, zu dem Eichen mit 1,2 m Stammdurchmesser gehören, war dabei zu berücksichtigen. Insgesamt wurden im Rahmen der Baumaßnahme 10 Bäume gefällt und 24 werden neu gepflanzt.

Untersucht wurden im Vorfeld mehrere Varianten für den Radverkehr. Die Wahl fiel auf die Radfahrstreifenlösung. Erläuterungsbericht: »Die Führung des Radverkehrs auf Radfahrstreifen genügt in aller Hinsicht den aktuellen Regelwerken. Durch die Schaffung eigener, ausreichend dimensionierter Verkehrsräume für den Radverkehr wird gegenüber der Führung auf Schutzstreifen ein höheres Maß an Sicherheit erreicht. Der Aspekt Sicherheit steht vor allem im Vordergrund, da die Steilshooper Straße ein Teil des Schulwegnetzes bildet. Der Radverkehr wird im direkten Sichtfeld des Kfz-Verkehrs geführt. Die Radfahrstreifen bieten Komfort, Durchgängigkeit und Geradlinigkeit für den Radverkehr. «

Nach dem Umbau

adfc hh/Ulf Dietze
Am Nordende ist der Radfahrstreifen für einen kurzen Abschnitt 2,5 m breit. Danach verjüngt er sich leider.
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Abstandsmarkierung zu den geparkten Autos
Straßenquerschnitt mit Radfahrenden und Autofahrenden adfc hh/Ulf Dietze
Früher waren wegen am Fahrbahnrand geparkter Fahrzeuge und überbreiter Fahrstreifen Überholversuche zu beobachten. Pro Fahrtrichtung gibt es jetzt einen klar erkennbaren Fahrstreifen für den motorisierten Verkehr. Der Autoverkehr fließt gleichmäßiger und ruhiger - ein erwünschter Nebeneffekt der Radfahrstreifen.
An der Engstelle fahren eine Radfahrerin, drei Autos und ein weiterer Radfahrer hintereinander adfc hh/Ulf Dietze
Die Engstelle am Grünzug: Ein Überholen mit ausreichendem Sicherheitsabstand ist Autofahrer*innen in der Engstelle ist nicht möglich. Radfahrer*innen verlassen daher besser rechtzeitig den Radfahrstreifen/Schutzstreiren Richtung Fahrbahnmitte.
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Die Radwege sind entfernt, die Gehwege breiter.
Gruppe von Fahrradbügeln an der Haltestelle Richeystraße adfc hh/Ulf Dietze
Fahrradbügel gibt es zu wenige auf der ausgebauten Strecke.

Der Radverkehr wird etwas südlich der Steilshooper Allee auf die Fahrbahn geleitet. Dort ist der Radfahrstreifen 2,5 m breit. Er verjüngt sich allerdings auf teilweise lediglich 1,85 m inklusive der Markierungen, das ist die in Hamburg für Radfahrstreifen vorgesehene Mindestbreite – aus Sicht des ADFC zu wenig, wenn der Autoverkehr weiterhin mit Tempo 50 unterwegs ist. Gut ist andererseits, dass rechts des Radfahrstreifens eine Linie den Abstand zu geparkten Autos verdeutlicht. Allerdings ist auch das nicht konsequent überall so gemacht worden, wo rechts des Streifens Autos geparkt werden können.

Wo der Grünzug auf die Straße trifft, ist die Querungsstelle für den Fuß- und Radverkehr, der dem Grünzug folgt, erneuert worden. Wer auf der Fahrbahn der Steilshooper Straße Auto oder Rad fährt, muss sich dort hintereinander einordnen, weil es für die Fahrt nebeneinander auf der nur noch 3,25 m breiten Fahrbahn zu schmal ist. Ziel dieser schmalen Durchfahrt ist u. a., die Querungsstrecke für den Fußgänger*innen-Verkehr kurz zu halten.

Unter anderem in der Nähe der Bushaltestellen sind Fahrradbügel neu installiert. Der ADFC hatte angeregt, zusätzlich auf der ganzen Strecke dezentral einzelne Abstellbügel zu installieren, weil überall Quellen und Ziele von Radverkehr existieren, wie z. B. Geschäfte. Insgesamt werden nun 20 Fahrradbügel aufgestellt. Das ist unserer Ansicht nach aber viel zu wenig und der Abstand von einem Bügelstandort zum nächsten ist zu groß. Kürzere Wege zwischen Parkplatz und Ziel haben hingegen die Autofahrer*innen: Für Kfz gibt es auf der ganzen Strecke 83 Stellplätze im öffentlichen Raum …

An einmündenden Straßen wie dem Georg-Raloff-Ring und dem Hermann-Buck-Weg sind die Bordsteineder Kurven mehr in die Kreuzungsmitte vorgezogen worden. Dadurch ergeben sich kleinere Kurvenradien, so dass insbesondere mit größeren Fahrzeugen die Kurven nur noch langsam gefahren werden können. Dies steigert die Verkehrssicherheit.

Die Fahrbahn wurde komplett erneuert. Ebenso wurden die Gehwege erneuert und sind nun teilweise deutlich breiter als zuvor. Im gesamten Planungsgebiet wurde auf Barrierefreiheit geachtet.