09.10.2015

Schutzstreifen Papenhuder Straße

Von: Andrea Kupke

Auf dieser Seite sind drei Beiträge versammelt, die sich mit der Planung in der Papenhuder Straße befassen. Sortiert sind sie chronologisch von unten (alt) nach oben.

Beteiligungsverfahren Papenhuder Straße endet mit Kompromiss

Kompromissvorschlag zur Papenhuder Straße (Ausschnitt)
Kompromissvorschlag zur Papenhuder Straße (Ausschnitt)

Nach einjähriger Diskussion und Workshoparbeit mit Beteiligten aus Politik und BürgerInis endete am 07.10.2015 das Beteiligungsverfahren zur Umgestaltung der Papenhuder Straße.

Ziel der vor einem Jahr vorgestellten Umbaumaßnahme war es, im Rahmen des Busbeschleunigungsprogramms einen flüssigeren Busverkehr zu erreichen. Dazu sollten auf der Fahrbahn Schutzstreifen für Radfahrer markiert werden, um Zweite-Reihe-Parker zu verhindern. Zugleich sollte eine Verbesserung für Fuß- und Radverkehr erreicht werden.

Weil bei dieser Maßnahme ursprünglich zwei Bäume gefällt werden sollten, ein Zebrastreifen entfernt worden wäre und vor allem ca. 35 Parkplätze weggefallen wären, gab es massive Proteste. Schnell war geklärt, dass nur ein Baum wirklich gefällt werden muss und der Zebrastreifen bleiben darf.

Parkplätze allerdings brauchen eine Menge Platz, der so innenstadtnah sehr begrenzt ist und gerechter auch für andere Verkehrsteilnehmer aufgeteilt werden sollte. Um zu einer Lösung zu kommen, wurde ein aufwendiges Verfahren mit vielen Beteiligten angestrengt.

Lange hofften die beteiligten Bürger, mit einer Tempo-30-Lösung die vorgesehenen Schutzstreifen weglassen zu können, um durchgehend Schrägparkplätze zu erhalten. So hätten mehr Parkplätze in die Straße gepasst als bei Längsaufstellung parallel zur Fahrbahn.

Für die Anordnung von Tempo 30 sind die Voraussetzungen allerdings nicht erfüllt, sodass die Straßenverkehrsbehörde dieses Ansinnen ablehnen musste. Außerdem soll der Bus, der immerhin die meisten Nutzer der Straße befördert, durch eine Tempo-30-Regelung nicht ausgebremst werden. 

Der Kompromiss

Zwei Tage vor Ende des Beteiligungsverfahrens entstand bei einem letzten Workshop eine neue Idee. Sie stellt einen Kompromiss dar, über den die Bezirksversammlung am 15.10. beschließen wird. Nach einem positiven Votum würde dann der LSBG die Detailplanung vornehmen.

Keiner ist richtig zufrieden: Parkplätze fallen voraussichtlich trotzdem weg, für die Verkehrssicherheit der Fußgänger und Radfahrer könnte man mehr tun.

Das ist im Groben geplant:

  • Der Radweg wird beidseitig zurückgebaut, dessen Fläche wird komplett den Gehwegen zugeschlagen.
  • Stadteinwärts erhalten RadfahrerInnen einen Schutzstreifen.
  • Stadtauswärts wird es für Radfahrer Mischverkehr geben. In dieser Richtung ist erheblich weniger motorisierter Verkehr unterwegs, pro Tag nur etwa 1000 Kfz. Hintergrund ist, dass von der Mundsburger Brücke nach links in die Papenhuder Straße nur der Bus abbiegen darf, aber kein motorisierter Individualverkehr.
  • Durch das Weglassen des Schutzstreifens auf der Ostseite der Papenhuder Straße gewinnt man den Platz, um Schrägparkplätze einrichten zu können. Die Vertreter des Kompromisses erwarten, dadurch das Zweite-Reihe-Parken wirksam zu verhindern.

Bewertung aus Radfahrersicht

Der ADFC bevorzugt die in der ursprünglichen Planung vorgesehenen Schutzstreifen auf beiden Seiten der Fahrbahn.

Radfahrer gehören laut StVO auf die Fahrbahn.

Dass möglichst alle Radfahrer über 10 Jahren aus Gründen der Verkehrssicherheit auf der Fahrbahn fahren sollten, ist mittlerweile hinreichend bekannt: Neben Konflikten mit Fußgängern besteht beim Radfahren in den Nebenflächen (Gehwege/Radwege) besondere Gefahr durch Abbieger und an Ausfahrten, da Radfahrer nicht rechtzeitig gesehen werden. Das gilt besonders für ungeübte Radfahrer.

Gehwegradeln durch einseitigen Schutzstreifen

Ein lediglich auf einer Straßenseite markierter Schutzstreifen schafft Gefahren, die bei beidseitiger Anlage von Schutzstreifen vermieden werden.

Auf der Straßenseite, die keinen Schutzstreifen bekommt, werden mehr Menschen auf den Nebenflächen fahren und sich damit einer höheren Unfallwahrscheinlichkeit aussetzen. Mit einem Schutzstreifen auch in dieser Fahrtrichtung kämen mehr Radfahrende aus den Nebenflächen auf die Fahrbahn, was ihre Sicherheit verbessern würde.

Welches Unsicherheitsgefühl bei manchen Radfahrenden besteht, zeigt sich heute daran, dass viele neben den alten, holprigen Radwegen verkehrswidrig auf dem Gehweg fahren, statt die Fahrbahn zu nutzen. Wenn kein Angebot auf der Fahrbahn markiert wird, gleichzeitig der Gehweg zukünftig breiter wird und eine ebene Oberfläche bekommt, wird das Radfahren darauf eher noch zunehmen. Der ADFC findet dieses Verhalten falsch. Aber die Beobachtung zeigt, dass unsichere RadfahrerInnen sich so verhalten und das sollte Verkehrsplanung aufgreifen und durch z. B. Schutzstreifen auf der Fahrbahn vermeiden helfen.

Für Fußgänger verschlechtert sich die Situation damit, denn bisher haben Radfahrer sich noch ungefähr an den alten Radwegverlauf gehalten. Der Seniorenbeirat hat sich bereits in Bezug auf eine kombinierte Rad- und Fußgängerlösung in der Langenhorner Chaussee entsprechend ablehnend geäußert. Eine gemeinsame Nutzung von straßenbegleitenden Gehwegen durch Radfahrer und Fußgänger bewährt sich nicht.

Stetige Führung

Im Bereich der Velorouten, die an der Mundsburger Brücke anschließen, soll es in absehbarer Zeit vernünftige Radverkehrslösungen geben. Im Straßenverlauf Mühlenkamp – Hofweg fahren Radfahrende schon heute beidseitig auf Schutzstreifen. Die Papenhuder Straße, die zwischen diesen beiden Abschnitten liegt, sollte nicht aus diesem Konzept ausreißen, denn Verkehrssicherheit entsteht auch durch eine sog. stetige Linienführung. Ein ständiger Wechsel der Führungsform bewährt sich nicht.

Probleme durch Sonderlösung

Es vergeht eine lange Zeit, bis neue Verkehrsregelungen bei mehr als ca. 90 % der Verkehrsteilnehmer bekannt sind (für Hamburg betraf das z. B. die Einbahnstraßenfreigabe-Regelung: geschätzt 5 Jahre »Gewöhnungszeit«, Benutzungspflicht: ca. 15 Jahre). Nun sind selbst die beidseitig angelegten Radfahr- und Schutzstreifen für Hamburg noch relativ neu. Auto- und Radfahrer gewöhnen sich erst mit der Zeit daran, wie sie diese Planungsinstrumente benutzen sollen. Belegt wird dies u. a. durch zahlreiche Schreiben von VerkehrsteilnehmerInnen an ADFC und ADAC und eine lebhafte Diskussion in Online-Medien und der Presse. Jetzt bereits wieder von der Regellösung einer beidseitigen Anlage der Streifen abzuweichen, würde die Verwirrung noch erhöhen.

U. a. sind linksseitiges Befahren des Streifens (Geisterradler) zu erwarten und Autofahrer, die Radfahrende von der schutzstreifenfreien Fahrbahnseite verdrängen wollen durch Hupen oder gar gefährliches Schneiden. Beides wäre von Nachteil für die Verkehrssicherheit.

Vorrang für fließenden Verkehr

Eine solche Speziallösung können wir nicht befürworten, da bereits durch Umordnung des ruhenden Verkehrs eine verkehrssicherere Lösung realisiert werden kann. Hamburgisches Wegegesetz § 16 Abs. 1 Satz 3: "Im Rahmen des Gemeingebrauchs hat der fließende Verkehr den Vorrang vor dem ruhenden Verkehr."

Und der ruhende Verkehr?

Für Geschäfte und Gastronomie in der Papenhuder Straße wäre es nach Ansicht des ADFC hilfreich, dezentral ausreichend Fahrradbügel und eine Parkraumbewirtschaftung einzurichten. 

Durch letztere würde allerdings ein häufiger Parkwechselverkehr eintreten. Die Schrägparker würden dann aber zu einem Sicherheitsproblem für die Radfahrenden in Fahrtrichtung Nord. Unter den Bedingungen einer Parkraumbewirtschaftung sollte also eine beidseitige Markierung der Schutzstreifen erfolgen.

Bei 1000 Kfz/24h können Radfahrer eigentlich gut im Mischverkehr fahren. Wenn sie dies tun und nicht als Radfahrer den Gehweg oder den Schutzstreifen auf der falschen Seite nutzen und die empfohlenen Sicherheitsabstände einhalten und sich Auto- und Busfahrer angemessen rücksichtsvoll beim Ausparken und Überholen verhalten und nicht mehr in zweiter Reihe parken, dann ist schon alles in Ordnung mit dem neuen Kompromiss ... Aber ist wirklich zu erwarten, dass alle sich so verhalten?!

Andrea Kupke

 

 


Uhlenhorst: Planungswerkstatt Papenhuder Straße

Die Planungswerkstatt stellte am 15. Juli den Stand ihrer Idee vor.

Die Planungswerkstatt ist das Ergebnis einer Vereinbarung von Senat und Bürgerinitiativen. Gemeinsam soll über die Gestaltung der Papenhuder Straße nachgedacht werden. Ursprünglicher Anlass war die Planung des Landesbetriebs Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) im Rahmen der Busoptimierung. Diese sah zunächst Schutzstreifen für Radfahrer vor.  Dagegen wehrten sich einige Anwohner, sammelten zahlreiche Unterschriften und erreichten eben am Ende den Kompromiss, der auch die Planungswerkstatt beinhaltet.

Diese Werkstatt setzt sich aus PolitikerInnen und Mitgliedern der Bürgerinis zu gleichen Teilen zusammen. Am Dienstag hatten diese in Arbeitsgruppen in große Pläne der Straße mögliche Lösungsalternativen eingearbeitet: Stellplätze, Fahrradhäuser, Baumbestand und -neupflanzungen, Fahrradbügel, Ladezonen, Sitzmöglichkeiten usw.

Ankündigung des Infoabends zur Planungswerkstatt Papenhuder Straße im Hamburger Wochenblatt
Ankündigung des Infoabends im Wochenblatt

Bei der Vorstellung am Mittwoch stellten vier der Teams eine Lösung mit Tempo 30 vor. Alle legten viel Wert auf möglichst viele Autoparkplätze. Das wesentliche Merkmal dieser Pläne waren daher Schrägparkplätze.

Ein fünftes Team plante mit Radfahrstreifen auf der Fahrbahn und Tempo 50. Hier waren nur Längsparkplätze möglich, damit die Kernfahrbahn ausreichend breit für die neuen Markierungen bleibt.

Aufwertung der Straße

Allen Teams ist an einer Aufwertung des öffentlichen Raums gelegen. Breitere Fußwege, mehr Platz für Geschäftsauslagen und Außengastronomie, Erhalt der Bäume – das ist bei allen Konsens. Allerdings gibt es Unterschiede, was denn als attraktiver Straßenraum angesehen wird. Einige Besucher merkten an, dass eine maximale Anzahl geparkter Autos nicht zu einem guten Flair beitrage.

Eine Entscheidung ist noch nicht getroffen. Die Planungswerkstatt geht in eine nächste Runde, sobald das Planungsbüro Luchterhand die Rückmeldungen dieses Abends zusammengefasst hat.

Der ADFC legt sich derzeit nicht für eine bestimmte Variante fest. Allerdings ist für uns wichtig, dass zukünftig die Radfahrenden die Nebenflächen verlassen und auf der Fahrbahn fahren. Dort sind sie sicherer unterwegs und so entsteht der benötigte Platz für attraktive Straßennebenflächen und FußgängerInnen. Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit ist eine Forderung des ADFC für alle Straßen in der Stadt. Nur im Ausnahmefall sollte eine Straße für eine Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h zugelassen werden.

Sind also die Tempo-30-Vorschläge der Teams bereits die perfekte Lösung? Daran haben wir Zweifel. Denn bei den Planungsvorschlägen, die Schrägparken vorsehen, wird die Kernfahrbahn entsprechend schmaler sein. In der Papenhuder Straße gibt es einen relativ hohen Anteil von Durchgangsverkehr unter den Autofahrern. Zum Überholen eines Radfahrers müsste der Autofahrer die Gegenfahrbahn mitbenutzen. Wenn er das wegen des Gegenverkehrs nicht kann, steigt die Tendenz, zu knapp zu überholen. Das ängstigt viele Radfahrende, so dass diese dann nicht mehr auf der Fahrbahn fahren würden. Wir hätten dann im Vergleich zum heutigen Stand nichts gewonnen.

Tendenziell würden wir also hier Schutzstreifen vorziehen. Das erleichtert vielen Radfahrenden das Benutzen der Fahrbahn. Damit ergäbe sich außerdem im gesamten Straßenzug Mühlenkamp – Hofweg – Papenhuder Straße eine einheitliche Radverkehrsführung. Auch diese Einheitlichkeit der Führung kann dazu beitragen, die Verkehrssicherheit zu erhöhen.

Parkplätze

Zu der Frage, ob Schrägparkplätze oder Längsparkplätze grundsätzlich für Radfahrer besser sind, gibt es keine eindeutige Aussage. Beide Lösungen haben Vor- und Nachteile. Hier kommt es auf die Details an, wie z. B. der Größe der markierten Sicherheitsabstände und der Kontrolle des Parkverhaltens. Diese Kontrolle wird auch notwendig sein, um Zweite-Reihe-Parken zu verhindern – auch in diesem Punkt bestand auf der Versammlung große Einigkeit.

Geschäftsleute wünschen sich gut erreichbare Autoparkplätze für ihre Kunden. Aber derzeit sind viele Parkplätze von Anwohnern belegt. Selbst Gewerbetreibende stehen oft stundenlang mit ihrem Fahrzeug auf einem der Stellplätze. Das ist aus deren Perspektive verständlich, aber eben auch Ursache der fehlenden Kundenparkplätze. Eine Parkraumbewirtschaftung, die tagsüber maximal zwei Stunden Parkdauer erlaubt und kostenpflichtig ist, könnte hier möglicherweise Abhilfe schaffen.

Bemerkung zum Verfahren

Dem Besucher der Veranstaltung, der an den Arbeitstreffen der Planungswerkstatt nicht teilgenommen hatte, fiel noch folgendes auf: Bei der Vorstellung von Team 5 verließen andere Mitglieder der Bürgerinitiativen demonstrativ den Raum. Bei den späteren Diskussionen an den Teamtischen stellten einige Bürgerini-Mitglieder das Mitspracherecht von "nicht-Anwohnern" in Frage – als handelte es sich bei der Papenhuder Straße um eine Privatstraße. Und in der Abschlussrunde wurde die Legitimation von Tisch 5 insgesamt in Frage gestellt, denn der plane mit Radfahrstreifen für Radfahrer und sei ja damit von der ursprünglichen Planung des LSBG (der mit Schutzstreifen plante) nicht zu unterscheiden und ohnehin in seiner personellen Zusammensetzung nicht legitimiert gewesen. – Umgekehrt fragte ein Besucher, welche Legitimation denn dieses Gremium »Planungswerkstatt« überhaupt hätte, über die Straßengestaltung zu entscheiden. Schließlich hätte doch gerade eine Wahl stattgefunden und da könne man doch erwarten, dass die gewählten Politiker die Entscheidungen treffen.

Ulf Dietze


Uhlenhorst: Die Papenhuder Straße soll schöner werden

Busoptimierung und Radverkehrsförderung erreichen nun auch die Papenhuder Straße. Viele Anwohner protestieren. Wir beleuchten die Situation im Detail.

Der Radweg ist eng, schadhaft und an Einmündungen unübersichtlich.
Die Fahrradabstellanlagen reichen nicht aus, um AnwohnerInnen und Kunden ein sicheres Anschließen zu ermöglichen.
Die Fahrbahn ist längst zum Radfahren freigegeben. Viele trauen sich das aber nicht zu. Schutzstreifen können helfen, die Situation übersichtlicher zu gestalten.

Das ist geplant

Im Zuge der Busoptimierung wird auch die Papenhuder Straße neu geplant. Zwischen den bereits vorhandenen Radfahrstreifen im Hofweg und der Mundsburger Brücke soll die Papenhuder Straße Schutzstreifen bekommen. Der Verkehr wird in diesem Abschnitt neu geordnet. Der ADFC begrüßt im Grundsatz diese Planungen des Landesbetriebs Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) und hat seine Anregungen zu einigen Details den Planern zugesandt.

Gewinn für Fußgänger und Gewerbe

Der Radverkehr wird aus den Nebenflächen auf Schutzstreifen am Rande der Fahrbahn verlegt. Die Gehwege sind nach dem Rückbau der Radwege breiter und werden zum Flanieren und Verweilen einladen. Geschäftsauslagen und Außengastronomie können die Gehwege beleben und die Aufenthaltsqualität erhöhen. Vor allem für Kinder und ältere Menschen erhöht sich die Sicherheit.

Ein ähnliches Vorgehen hat sich im Grindelhof bewährt: Aus einer verstopften Straße ohne Aufenthaltsqualität wurde ein Straßenabschnitt mit Flair, wo man wieder gerne draußen sitzt und seinen Kaffee trinkt und Leute trifft. Aktuell wird auch die Fuhlsbüttler Straße als Einkaufsstraße mit Schutz- bzw. Radfahrstreifen versehen und damit die Gehwege den Fußgängern und Bummelnden zurückgegeben. Ausdrücklich auch hier, um die Attraktivität und Sicherheit der Straße für Anwohner, Radfahrende und Geschäftsleute zu erhöhen.

Die Geschäfte profitieren von Menschen, die gerne in eine Straße kommen, sich dort aufhalten und dann auch Besorgungen erledigen: Nicht Autos kaufen ein, sondern Menschen. So bringen auch nicht Parkplätze den Umsatz, sondern das attraktive Umfeld in der Straße.

Sicherheit für Radfahrer

Die bestehenden Radwege der Papenhuder Straße sind in einem nicht verkehrssicheren Zustand, ihre Benutzung ist gefährlich. Man fährt zu dicht an parkenden Autos, viele Radler weichen in ihrer Not unerlaubt auf die Gehwege aus und gefährden dort Fußgänger. An Einmündungen sind die Sichtbeziehungen zwischen Radfahrern und Autofahrern nicht gewährleistet. Die Radwege entsprechen daher nicht dem Stand der Technik.

Radfahrer fahren am sichersten im Sichtfeld der Autofahrer, also auf der Fahrbahn. Auch derzeit schon dürfen Radfahrer die Fahrbahn der Papenhuder Straße befahren. Bislang ist es dort aber etwas unübersichtlich, weil Autos, die in zweiter Reihe parken, die Sicht versperren. Durch Schutzstreifen wird der Straßenraum klar gegliedert.

Die Aufteilung des Straßenraumes, die derzeit dem Autoverkehr höchste Priorität einräumt, soll sich wieder mehr an an den Bedürfnissen der Menschen ausrichten, der Stadtraum für alle Menschen zugänglich und attraktiv sein. Die neue Gliederung der Fahrbahnfläche erlaubt Radfahrenden, Bussen und auch dem Autoverkehr eine übersichtliche Fahrt durch die Straße.

Öffentliche Vorstellung der Pläne und Kritik

Das Vorhaben des LSBG sorgt für große Aufregung. Zur geplanten Präsentation der Straßenplanung im zuständigen Regionalausschuss erschienen im September mehrere Hundert Menschen, die sich mit Plakaten gegen "die Busbeschleunigung" im Allgemeinen wehrten. Die Kritik richtete sich u.a. gegen das Fällen von zwei  Bäumen, den Abbau von Parkplätzen, den befürchteten Geschäftsleerstand und die Schutzstreifen für Radfahrer.

Besonders heftig wird das Wegfallen der 35 Parkplätze kritisiert. Die Angst ist, dass nicht mehr jeder vor jedem Geschäft zum Einkaufen parken kann. Es kann allerdings nach Ansicht des ADFC nicht Ziel von Stadtplanung sein, jedem überall einen kostenlosen Parkplatz zur Verfügung zu stellen – auf Kosten aller anderen Ansprüche, die an einen Straßenraum zu stellen sind.

Der für die öffentliche Vorstellung der Pläne vorgesehene Raum im Literaturhaus war zu klein, so dass der  Tagesordnungspunkt auf einen Sondertermin verschoben wurde.

Andrea Kupke