05.06.2019

Imagekampagne der Stadt

Von: Sabine Michaelis

Hamburgs Imagekampagne "Fahr ein schöneres Hamburg"

Werbeplakate sollen die Menschen an schöne Plätze entlang der Velorouten locken.
Das Logo dere Kamapgne symbolisiert die Velorouten konzentrisch im Umriss des Hamburger Stadtgebiets angeordnet.

Die schönen Seiten des Radfahrens zeigen, zum Radfahren animieren und dabei darstellen, was in Hamburg schon alles für den Radverkehr auf den Weg gebracht wurde, das ist der Kern der Kampagne, die die Agentur Jung von Matt-Sports für die Stadt entworfen hat. Die Imagekampagne fürs Radfahren in Hamburg gibt sich großstädtisch locker und hat einige Aktionen geplant wie zum Beispiel einen eigens produzierten Song, der bei der Auftaktveranstaltung am 7. Mai 2019 auf dem Spielbudenplatz St. Pauli vorgestellt wurde. Die Hamburger Künstler Nico Suave, Tonbandgerät, Chefboss, Cäthe und Sinch haben »Von Hamburg bis zum Meer« komponiert und in einem Video vorgestellt. Reinhören könnt ihr auch unter fahrrad.hamburg, der Website zur Kampagne.

Die Stadt schönradeln

Der Claim »Fahr ein schöneres Hamburg« leitet sich von der verbreiteten Bewertung Hamburgs als der »schönsten Stadt der Welt« ab. Als Hamburger*in kann man da natürlich kaum widersprechen. Dass Radfahren, besonders wenn es massenhaft geschieht, zu einem schöneren, ruhigeren, sauberem Erleben der Stadt – und langfristig zu einer menschenfreundlicheren Stadtentwicklung – beiträgt, dürfte auch Konsens sein.

Sichtbar wird die Kampagne in der Stadt unter anderem durch große Plakatmotive von attraktiven Orten und dem Hinweis, wie sie sich per Rad erreichen lassen, nämlich über bestimmte Velorouten. Die ersten Motive zeigen die Klütjenfelder Brücke (zu erreichen über Veloroute 11), das Karolinenviertel an der Veloroute 2 und den Fischmarkt, der über die Veloroute 12 angefahren werden kann. Wer gleich nachprüfen möchte, wie weit der Ausbau der angesprochenen Velorouten tatsächlich gediehen ist, kann sich dazu online Einblick verschaffen: Die Website fahrrad.hamburg enthält auch eine interaktive Karte, die aktuellen Zustand, laufenden Ausbau und Planungsstand der Velorouten im zeitlichen Verlauf darstellt. Außerdem bündelt der Onlineauftritt sämtliche Servicethemen rund ums Fahrradfahren in Hamburg und enthält einen ausführlichen Magazinteil. Auf der Website fahrrad.hamburg wird ebenso dargestellt, was die Stadt mit den zahlreichen StadtRad-Stationen, dem Ausbau von Bike-and-Ride-Anlagen und zum Beispiel auch mit fest montierten Luftpumpen und Winterdienst auf Radwegen schon für die angestrebte Fahrradstadt Hamburg erreicht hat, gerade umsetzt oder noch plant.

Begeistern kostet

Den Start­schuss für die auf drei Jahre angelegte Kampagne gaben am 7. Mai Hamburgs Erster Bür­ger­meister Peter Tschentscher, Radverkehrskoordinatorin Kirs­ten Pfaue und Michael Otremba (Hamburg Marketing GmbH). Die Werber haben sich auf die Fahnen geschrieben, auch mit ungewöhnlichen Events zu überraschen, etwa mit einer »Wasserstraße« über die Alster beim Kirschblütenfest. Kirsten Pfaue verspricht: »Langweilig wird‘s bestimmt nicht, und ich freue mich, dass das Thema Radfahren so positiv aufgeladen wird. Ich möchte die Hamburgerinnen und Hamburger einladen, sich in den kommenden Monaten rund um das Thema Radfahren informieren und begeistern zu lassen.« Kostenpunkt des Ganzen: vier Millionen Euro. Das ist zwar viel Geld, aber auf drei Jahre verteilt und für eine große Kampagne keine exorbitante Summe. Und es bringt nichts, wie es einige Oppositionspolitiker tun, das auf Fahrradkilometer oder Ähnliches umzurechnen: Man kann das eine tun, ohne das andere zu lassen.

Wird nun alles schöngeredet, und werden die nach wie vor großen Probleme im Verkehr hiermit einfach beiseite geschoben? Die Antwort lautet: Das ist nicht der Fokus der Kampagne. Beim täglichen Gedränge auf den Straßen vergessen wir Radfahrer*innen schnell, wie lustvoll das Fahren eigentlich sein kann. Und das kann und soll man auch mal darstellen.

Sicherheitskampagne Hamburg gibt 8!

Die Sicherheitskampagne »Hamburg gibt Acht« setzt auf Wiedererkennungswert und prominente Sympathieträger.

Für bessere Verkehrssicherheit soll unterdessen die Kampagne »Hamburg gibt Acht« sorgen. Ebenfalls aus den Mitteln des Radverkehrs-Budgets appelliert im Auftrag des Landesbetriebs Verkehr (LBV) die Agentur Gürtlerbachmann an alle Verkehrsteilnehmer*innen. Mit der dicken roten Ziffer Acht werben derzeit Prominente aus Hamburger für mehr Rücksicht, Umsicht und »8-sam­keit« im Verkehr. Der ADFC Hamburg wird beide Kampagnen begleiten – natürlich auch kritisch – auf besondere Aktionen hinweisen und zum Mitmachen und Diskutieren einladen.

Sabine Michaelis in RadCity 3/2019

Kommentar: Hamburg schön und sicher reden?

Werbung fürs Radfahren? Gerne doch! Genau das ist es, was dem ADFC am Herzen liegt. Wenn die Imagekampagne Menschen dazu bewegt, aufs Rad zu steigen, können wir das nur begrüßen. Dass in Hamburg nicht alles Zucker ist für Radfahrende, steht außer Frage. Trotzdem gibt es viele gute Gründe mit dem Rad unterwegs zu sein. Und ein ganz wichtiger ist eben, dass es einfach schön ist und Spaß macht. Wenn Werbung das zeigt, ist das gut und richtig.

Natürlich fragen viele, was das an konkreten Verbesserungen bringt. Aber verlangen die Kritiker da nicht zu viel von Werbung? Durch Clementine und den weißen Riesen wird das Waschmittel ja auch nicht besser gemacht. Interessant ist aber: Je mehr Menschen aufs Rad umsteigen, um so schöner – und sicherer – wird das Radfahren. Kurzfristig, weil jedes Auto weniger die Stadt entlastet. Und langfristig, weil mehr Radverkehr auch den politischen Druck erhöht, mehr Platz fürs Rad bereit zu stellen. Insofern könnte die Kampagne Hamburg buchstäblich schöner reden, wenn sie mehr Menschen dazu bewegt, ein schöneres Hamburg zu fahren – und zu bauen.

Ähnlich ist es mit der Sicherheitskampagne: Sie soll mehr Rücksicht, Vorsicht, Umsicht, Acht-samkeit erreichen. Ein mehr als begrüßenswertes Vorhaben. Manche mögen sich konkretere Inhalte wünschen – etwa zum seitlichen Überholabstand von Autos gegenüber Radfahrenden oder zu der unerträglichen Dreistigkeit gefährdenden Falschparkens. Aber solche Themen, die mit erhobenem Zeigefinger präsentiert werden, kommen nicht immer gut an. Schlimmstenfalls polarisieren sie – und machen das Verkehrsklima eher schlechter.

Georg Sommer in RadCity 3/2019