06.02.2020

#EimsbüttelFürMenschen

Von: Jens Deye
FHH, Bezirksamt Eimsbüttel
Aus der Evaluation des Umbaus vor dem Mobilitätsausschuss Eimsbüttel. Nur wenige Besucher kommen per Auto zur Osterstraße.

Schon heute besitzt die Mehrheit aller Haushalte im Kerngebiet von Eimsbüttel kein Auto. Trotzdem ist der Straßenraum im Viertel überwiegend vom fahrenden und »ruhenden« Autoverkehr dominiert, die Fahrzeuge blockieren überall öffentlichen Straßenraum.

Dieser Zustand spiegelt sich im Bereich der Osterstraße allerdings nicht im Mobilitätsverhalten der Eimsbüttler*innen selbst wieder. Hier bewegen die Einheimischen sich überwiegend zu Fuß, mit dem Rad oder per ÖPNV. Die Dominanz der Autos ist hier also zu einem großen Teil dem Duchfahrtsverkehr geschuldet. Daher hat sich die Eimsbütteler Bezirksgruppe des ADFC das Gebiet näher angeschaut und überlegt, wie insbesondere der Kfz-Durchgangsverkehr aus dem Quartier herausgenommen werden kann...

Osterstraße

FHH, Bezirksamt Eimsbüttel
Enttäuschende Ergebnisse des Umbaus für den Radverkehr.

Die Osterstraße wurde zwischen Oktober 2015 und Oktober 2017 mit dem Ziel der Förderung des Radverkehrs als Teilstück einer bezirklichen Veloroute umgebaut. Vor kurzem wurden die Vorher-/Nachher- Untersuchungsergebnisse zum Umbau der Osterstraße vorgestellt. Trotz, oder vielleicht auch wegen einer umfangreichen Bürgerbeteiligung zu Beginn der Planungen hat sich die Situation laut der im Sommer 2019 durchgeführten Befragung für den Radverkehr kaum verbessert.

Die Evaluation nach dem Umbau zeigt zwar, dass der Autoanteil sich um rund 20% reduziert und die Radnutzung sich in einigen Abschnitten verdoppelt hat. Trotzdem fühlen sich viele Radfahrende immer noch vom Autoverkehr auf dieser Straße bedrängt.

Aufgeschreckt durch diese Ergebnisse hat sich die Bezirksgruppe Eimsbüttel des ADFC Hamburg die Osterstraße näher angeschaut. Eine schlichte Sperrung käme nicht in Frage. Denn eine Verdrängung des Autoverkehrs in die umgebenden Straßen hilft den Menschen nicht weiter. Man muss also - anders als bei Straßenplanungen üblich - auch die Umgebung mit einbeziehen. Die Idee der Verdrängung des Durchgangsverkehrs aus dem gesamten Quartier war geboren.

Osterstraße weiterentwickeln

Für die Osterstraße selbst legt der ADFC zwei wesentliche Maßnahmen vor:

  • Der nun umgebaute Bereich soll als verkehrsberuhigter Geschäftsbereich mit Tempo 20 ausgewiesen werden, analog der Mönckebergstraße. Begleitend sind hierzu alle Ampeln bis auf die an der Kreuzung Heußweg zurück zubauen und der bestehende Schutzstreifen zugunsten einer reinen Mischverkehrslösung aufzulösen.
  • Um das Kfz-Verkehrsaufkommen weiter zu reduzieren und Durchgangsverkehr zuverlässig zu verhindern, schlagen wir eine Diagonalsperre auf der Kreuzung Schwenkestraße vor. Diese ist so gestaltet, dass der Metrobus wie bisher dort abbiegen kann. Lediglich Fuß- und Radverkehr kann an der Diagonalsperre der Osterstraße weiterhin geradeaus folgen, Kfz-Verkehr muss abbiegen.

Im Umfeld sollen folgende Maßnahmen eine umfassende Entzerrung der Verkehrsverhältnisse bewirken:

Autofreier Platz Apostelkirche

Der Platz rund um die Apostelkirche ist schon heute eine große freie Fläche mit viel Raum für Aufenthalt und Kultur. Durchschnitten wird die Fläche allerdings von der viel befahrenden Lappenbergsallee. Der Platz sollte vollständig autofrei werden, lediglich den Linienbussen,

Rettungsdiensten, der Stadtreinigung und anderen übergeordneten Bedarfen ist mit Hilfe eines sogenannten "Modalfilter" wie etwa versenkbare Poller, das Queren zu ermöglichen. Die Rellinger Straße ist durch Einbahnstraßenregelungen und einer Unterbrechung für den Kfz-Verkehr so zu gestalten, das sie nicht zum Umfahren des Platzes an der Apostelkirche geeignet ist.

Autofreier Platz Stellinger Weg

An der Ecke Hellkamp steht das Tauschhaus, welches sich in den letzten Jahren immer mehr zu einer überaus beliebten Anlaufstelle im Quartier entwickelt. Gleichzeitig bietet der Stellinger Weg zwischen Hellkamp und Schwenkestraße viel Platz, der momentan ausschließlich zum Parken

genutzt wird. Hier soll ein zweiter autofreier Platz ein neues Lebensgefühl für alle Eimbüttler*innen ermöglichen. Einen Ort, wo man sich trifft und aufhält mit Grünflächen, Sitzgelegenheiten und auch mehr Platz für die örtlichen Geschäfte und Gastronomie.

Einbahnstraßen

Wer am Heußweg oder Steenwisch wohnt, weiß, hier brummt der Autoverkehr quer durchs Viertel. Viele Autofahrende nutzen diese Straßen als Schleichwege durchs Quartier um z.B. auf kürzestem Weg von der Troplowitzstraße zur Fruchtallee oder zur Kieler Straße zu kommen. Diese Verkehre sollen nicht mehr durch das Quartier fahren, sondern direkt auf den großen Hauptstraßen wie Gärtnerstraße, Doormannsweg, Fruchtallee, Kieler Straße, also B4 und B5. Daher schlagen wir ein System von Einbahnstraßen vor, das diesen Durchgangsverkehr unterbindet.

Hauptstraßen

Ein möglichst ungestörter Kfz-Verkehrsfluss auf den Hauptstraßen ist wichtig für eine funktionierende Quartiersumfahrung, für weniger Lärm und Luftverschmutzung und auch für die Verkehrssicherheit. Daher schlagen wir vor, dass die Ein- oder Ausfahrt an den kleinen Wohnstraßen an die das Quartier umgebenden Hauptstraßen verhindert wird. Dies sollte nur noch an größeren Straßen möglich sein, die in der Karte mit Pfeilen markiert sind. Dadurch wird die Verkehrslenkung insgesamt deutlich vereinfacht und die Lebensqualität in den kleinen Wohnstraßen steigt.

Karte: Verkehrsberuhigtes Kerngebiet Eimsbüttel

Karte des Gebiets Illustration: adfc hh/Michael Prahl
Vorschlag der ADFC-Bezirksgruppe für die Ausgestaltung des Eimsbütteler Kerngebiets.