28.10.2018

Habichtstraße (Ring 2)

Von: ADFC-Bezirksgruppe Nord, Online-Redaktion

  • SUV steht an Tankstellenausfahrt quer über den Radweg

    An der Tankstelle ist für Radfahrende höchste Vorsicht geboten, weil Autofahrer*innen oft nur auf den Verkehr der Fahrbahn achten.

  • Stau auf der Habichtstraße vor der Kösterstiftung

  • Blick von Bramfelder Straße Richtung Lämmersieht. Autos stauen sich auf allen Spuren

    »Wer Straßen baut, wird Verkehr ernten« – Trotz aller Spuren und trotz Grüner Welle: Zu den Hauptverkehrszeiten stauen sich die Autos, weil zu viele dieses Verkehrsmittel wählen. 

  • Stau auf Höhe Lämmersieth: Nebenan haben die Kinder draußen Fußballtraining.

  • Autos sind so dicht am Radweg abgestellt, dass plötzlich geöffnete Türen zur Gefahr werden.

    Autos sind so dicht am Radweg abgestellt, dass plötzlich geöffnete Türen zur Gefahr werden.

Darum geht's

(25.03.2018) Der Ring 2 wird von Hellbrookkamp bis Wandsbek instandgesetzt. Was bedeutet die von der Behörde vorgelegte Planung für den Abschnitt Habichtstraße (zwischen Bramfelder Straße und Osterbek) für die Zukunft?

Die Habichtstraße ist vierstreifig ausgebaut und hat für die Autofahrer*innen eine Grüne Welle. Den Interessen des Fuß- und Radverkehrs wird mit Bettelampeln begegnet. Und es gibt eine unzumutbare Lärm- und Schadstoffbelastung für die Anlieger*innen. Ein »weiter so« und ein »mehr von diesen Maßnahmen« verbieten sich also. Wir benötigen eine Verkehrswende, wie sie uns andere Städte vormachen: Attraktive Angebote für Rad- und Fußverkehr sowie den ÖPNV. Erst durch Umsteigeeffekte vom eigenen Auto zu diesen Verkehrsträgern gibt es die Chance auf eine Verbesserung der Situation und eine lebenswerte Straße.

Die Habichtstraße empfinden wir als zu laut und abgasbelastet. Trotzdem soll nach Ansicht der Planer*innen der motorisierte Verkehr auch zukünftig uneingeschränkt weiter auf vier Fahrstreifen fließen. Die Parkplätze wollen sie breiter machen. Bislang gibt es einen schmalen Radweg. Zukünftig soll der Radverkehr auf dem Gehweg mit abgewickelt werden.

Dieser gemeinsame Geh- und Radweg soll nach aktueller Planung eine viel zu geringe Breite von ca. 2,5 m haben. Dabei sind hier viele Kinder unterwegs auf ihren Wegen zu Schule, Kita und Sport. Auch die Senior*innen aus der Kösterstiftung nutzen den Weg viel.

Das ist das Gegenteil der notwendigen Verkehrswende.
So wird Hamburg hinsichtlich Mobilität nicht zukunftsfähig!

Wir fordern ein Konzept für den Ring 2, das die Aufenthalts- und Nutzungsqualität für alle erhöht:

  • getrennte Wege für Fuß + Rad, um Konflikte zu vermeiden
  • zukunftsfähige Verkehrsflächen auch für Lastenräder, Kinderanhänger und Pedelecs
  • mehr Platz für Kinder auf dem Weg zu Kita, Schule, Sport sowie für Senior*innenen und Menschen mit Behinderungen
  • Lärm- und Abgasreduzierung durch weniger motorisierten Verkehr und Tempo 30
  • Angebote für den Umstieg vom Auto auf den ÖPNV und das Fahrrad schaffen
  • mehr Grünflächen und Bäume
adfc hh
Der Lärm in der Habichtstraße (Pfeil) überschreitet tagsüber und nachts die zulässigen Grenzwerte

[Update, 28.08.2018]: Der LSBG bemüht sich mittlerweile, Grundstücksteile aufzukaufen, um Raum für eine bessere Planung zu gewinnen. 


Video von der Demo in der Habichtstraße. Aufrufer: Greenpeace, ADFC, VCD, Fuss e.V., Seniorenbeirat Hamburg-Nord, Stadtteilrat Dulsberg, Stadtteilrat Barmbek-Nord, Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg e.V. sowie Radentscheid Hamburg | Pressemitteilung

Hintergrund

Eine Grundinstandsetzung der Straße ist auch für den Radverkehr und den Fußverkehr wichtig. Denn heute sind die Wege kaputt, teilweise zugewachsen und zu schmal.

In den Parkplätzen wird nicht korrekt geparkt sondern halb hochbord in Richtung Radweg. Der Radweg ist damit unbenutzbar, weil die Gefahr plötzlich geöffneter Autotüren dort hoch ist.

Die Gesundheit der Anwohner*innen ist durch den Lärm und schlechte Luft beeinträchtigt. Die Habichtstraße ist eine der am stärksten mit Luftschadstoffen belastete Straße Hamburgs. Maßnahmen sind deshalb dringend geboten.

Der Ring 2 ist durch seine Lage eine wichtige Verbindung für alle Verkehrsteilnehmer*innen, die sich stadtteilübergreifend bewegen.

Alternativstrecken gibt es nicht in der Nähe oder sie verlaufen sehr umwegig und auf Kopfsteinpflaster.

Der zunehmende Gebrauch von E-Bikes (Pedelecs) führt zu wachsenden Wegelängen und höheren Geschwindigkeiten im Radverkehr.

Für Alltagswege brauchen Radfahrer*innen zügig zu befahrende, umwegarme und sichere Strecken.

Gemeinsame Geh- und Radwege entlang von städtischen Straßen sind fast immer ungeeignet:

  • Radfahrende müssen sich besonders vorsichtig verhalten, da Fußgänger*innen die gesame Wegbreite auch unvermittelt nutzen.
  • Verunsicherte Fußgänger*innen verhalten sich oft unberechenbar. Als Radfahrer*in kann man nur abwarten, bis alle ihren Ausweichpunkt gefunden haben und dann in Schrittgeschwindigkeit vorbeifahren. 
  • Das Radfahren ist daher nur mit reduzierter Geschwindigkeit möglich.
  • Es halten sich nicht alle Radfahrenden an das Gebot gegenseitiger Rücksichtnahme. Man sollte keine Wege bauen, auf denen dieses Verhalten besonders schnell zu einem Problem wird.
  • Auf 2,50m Breite ist es zu eng für die Begegnungen von Lastenrädern, Fahrradanhängern, Kinderwagen, Rollstühlen und Rollatoren.
  • Für den Radverkehr steigen auf einem gemeinsamen Geh- und Radweg die Gefahren an Einfahrten und Einmündungen.

Fazit: Für eine Hauptroute des Alltagsradverkehrs ist solch ein Zustand unangemessen.

Die Verwaltungsvorschrift zur StVO sagt zum Verkehrszeichen Gemeinsamer Geh- und Radweg deshalb zurecht:

»Die Anordnung dieses Zeichens [Zeichen 240 Gemeinsamer Geh- und Radweg] kommt nur in Betracht, wenn dies unter Berücksichtigung der Belange der Fußgänger vertretbar und mit der Sicherheit und Leichtigkeit des Radverkehrs vereinbar ist und die Beschaffenheit der Verkehrsfläche den Anforderungen des Radverkehrs genügt.« (VwV-StVO zu VZ 240)

Die Hamburger Innenbehörde hat ebenfalls erkannt, dass die Freigabe von Gehwegen viele Nachteile hat: Radfahrende würden dazu »erzogen«, Gehwege zu befahren. Kinder, Senioren und in ihrer Mobilität eingeschränkte Personen würden erschreckt und gefährdet. Darum solle die Freigabe von Gehwegen mit Gehweg/»Radfahrer frei« nur noch sehr restriktiv erfolgen. Bei der Variante Gemeinsamer Geh- und Radweg ist die Lage noch schlimmer, weil Radfahrende diesen Weg verpflichtend benutzen müssen.

(Mehr dazu: FHH Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz (Hg.): Älter werden in Hamburg. Bilanz und Perspektiven. Mai 2012, S. 22)

Es spricht also eigentlich alles gegen die in der Habichtstraße geplanten Gemeinsamen Geh- und Radwege.