06.02.2020

Kerngebiet Eimsbüttel umgestalten

Von: Jens Deye

Eimsbüttel für Menschen

Radfahrer auf Schutzstreifen in der Osterstraße. Im Hintergrund nähert sich ein HVV-Bus adfc hh/Johannes Bouchain
Für die beiden Radfahrer*innen auf dem Schutzstreifen wird’s bestimmt gleich ungemütlich: An den Engstellen ist das Überholen nicht mit ausreichendem Sicherheitsabstand möglich.

Der ADFC Hamburg schlägt eine Umgestaltung im Kerngebiet Eimsbüttel vor.

Das Herzstück von Eimsbüttel, die Osterstraße, wurde nach einer 2014 gestarteten Bürgerbeteiligung und anschließendem Planungsprozess zwischen Oktober 2015 und Oktober 2017 grundlegend umgebaut. Der Straßenraum wurde großzügig neu aufgeteilt und insbesondere die Aufenthaltsqualität in der Einkaufsstraße durch breite Gehwege gestärkt. Der Radverkehr wurde im Rahmen dieser Maßnahmen mit Hilfe von Schutzstreifen auf die Fahrbahn verlegt (siehe Artikel aus RadCity 6.17).

Im Dezember 2019 wurden die Ergebnisse einer Vorher-Nachher-Untersuchung und Bürgerbefragung zur Umgestaltung der Osterstraße im Mobilitätsausschuss der Bezirksversammlung vorgestellt. Für 80 Prozent aller befragten Passanten*innen und Online-Befragten hat sich die Situation nach dem Umbau verbessert oder sie ist gleich geblieben. Die Fußgänger*innen profitieren am meisten von diesem Umbau durch mehr Platz, mehr Sicherheit, mehr Lebensqualität. Die Zahl der Radfahrenden hat sich in dem betrachteten Zeitraum zwischen 2015 und 2019 in einigen Abschnitten verdoppelt. Trotzdem gibt es Kritik, besonders bei den Radfahrenden gibt es eine große Anzahl Unzufriedener. Was ist der Grund?

Viele Radfahrende fühlen sich unsicher, wenn sie von Autos und Bussen mit zu wenig Abstand und hohem Geschwindig­keitsunterschied überholt werden. Oder wenn der Radstreifen durch Falschparker blockiert ist und ein Spurwechsel in den flie­ßenden Kraftverkehr nötig wird.

FHH, Bezirksamt Eimsbüttel
Ergebnisse der Bürgerbefragung (aus der Präsentation füpr die Bezirksversammlung)
FHH, Bezirksamt Eimsbüttel

Kritik bestätigt
Schon bei den Planungen zum Umbau 2014 hat die ADFC-Bezirksgruppe Eimsbüttel auf die Problematik der Mittelinseln hingewiesen: Dort kann nicht mit dem vorge­schriebenen Seitenabstand überholt werden. Auch das weiterhin erlaubte Tempo 50 hat der ADFC bemängelt und forderte damals eine Geschwindigkeitsreduzierung auf Tempo 30. Das war seinerzeit auch eine der Kernforderungen der Bürgerbeteiligung zur Baumaßnahme. Nun hat die Evaluation gezeigt, dass die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit des motorisierten Verkehrs derzeit lediglich bei 23 km/h liegt. Allerdings werden tagsüber auf den Strecken immer wieder auch Geschwindigkeiten von 40 bis 45 km/h und nachts 50 bis 60 km/h gefahren. Trotz der niedrigen durch­schnittlichen Reisegeschwindigkeit hat der Autoverkehr lediglich um 10 Prozent abgenommen. Der Durchgangsverkehr in der Osterstraße hat sich prozentual nicht verringert. Insgesamt hat der Umbau nicht zu einer signifikanten Geschwindigkeits­reduzierung beigetragen.

Dass die Ergebnisse der Evaluation insbesondere beim Radverkehr ein so negatives Bild zeigen, erschüttert die Aktiven der ADFC-Bezirksgruppe Eimsbüttel. Es bestätigt allerdings die vom ADFC beim Planungsprozess genannten Kritikpunkte.


Aufwerten und Ausweiten
Jetzt baut die Gruppe ihre dama­li­gen Forderungen weiter aus: Um die Attraktivität der Osterstraße auch für den Radverkehr sicherzustellen, fordert der Fahrradclub deshalb einen verkehrsberuhigten Geschäfts­straßenbereich mit Tempo 20 und eine Diagonalsperre im Bereich Osterstraße/Schwencke­straße, so dass der Durchgangs­verkehr von Kraft­fahrzeugen zuverlässig verhindert wird. Dies würde auch die Aufenthaltsqualität insgesamt deutlich aufwerten.

Damit diese Maßnahmen zu keiner Verlagerung der Kfz-Verkehre in die Nachbarstraßen führen und um das Quartier in seiner Gesamtheit für die Menschen lebenswert zu gestalten, sollte die Umgebung mit einbezogen werden. Es gilt, #Quartiere­FürMenschen zu schaffen und nicht mehr vorrangig nach den Belangen des Autoverkehrs auszurichten.

Ganzheitlich betrachten
Um dies zu erreichen, betrachtet der ADFC Eimsbüttel weiträumig das Gebiet zwischen Gärtnerstraße, Fruchtallee, Kieler Straße und Quickbornstraße. Dazu gehören Vorschläge wie die Ausweitung des autofreien Platzes an der Apostelkirche, wo lediglich der Metrobus durchfahren sollte. Außerdem soll ein weiterer autofreier Bereich im Stellinger Weg zwischen Hellkamp und Schwenckestraße den vorhandenen Raum vielfältig nutzbar machen. Weitere Maßnahmen sind Einbahn­straßenregelungen und Sperrungen für den motori­sierten Individualverkehr (MIV), um den Durchgangsverkehr aus dem Wohnquartier rauszuhalten.

Karte des Gebiets Illustration: adfc hh/Michael Prahl
Vorschlag der ADFC-Bezirksgruppe für die Ausgestaltung des Eimsbütteler Kerngebiets.

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