06.02.2020

Kfz-Durchgangsverkehr aus Wohnquartieren fernhalten

Von: Jens Deye

#QuartiereFürMenschen

Kein Durchgangsverkehr in Wohnquartieren

Wir wollen das Leben der Menschen zurück in die Straßen bringen! Dafür schaffen wir Orte der Begegnung mit Wohlfühl-Plätzen und Straßen als Lebensräume. Dort lassen wir unsere Kinder und Enkel wieder spielen und halten uns dort gerne auf. Zu Fuß gehen, Rad fahren und Nutzung des ÖPNVs sind schon heute in den Wohnquartieren Hamburgs die bevorzugten Verkehrsmittel und werden durch die Schaffung der #QuartiereFürMenschen weiter gefördert.

Schon in den 1970er- und 1980er-Jahren gab es eine Phase, in der auf die zunehmende und dominierende Autonutzung und den daraus resultierenden vielen schweren Unfällen mit ersten Verkehrsberuhigungen auch in Hamburg reagiert wurde. Die Stadt hat Tempo-30-Zonen eingerichtet und einige Straßen für den Kfz-Durchgangsverkehr geschlossen. In den Niederlanden führte dieser Impuls damals mit dem Slogan »Stoppt den Kindermord« sogar zu einem deutlichen Umdenken. Die Niederländer begannen in der Folge, den Radverkehr deutlich auszubauen und ihre Wohnquartiere auf die Bedürfnisse der Menschen auszurichten. Dort wird der Kraftverkehr konsequent aus den Quartieren herausgehalten und direkt auf die Hauptverkehrsstraßen geführt. Ein Queren der Wohn- und Geschäftsviertel mit dem Auto ist meist nicht möglich. Dies macht das zu Fuß gehen und Rad fahren besonders attraktiv, da es im Quartier entspannter möglich ist und man mit dem Rad früher als mit dem Auto das Ziel erreicht.

So geht's: Quartiere für Menschen

Bild 1: Quartierserschließung
Bild 2: Quartier, teilweise verkehrsberuhigt
Bild 3: ... und mit unterbundenem Durchfahrtsverkehr

Was wollen wir machen, um #QuartiereFürMenschen in Hamburg zu schaffen?
»Kein Durchgangsverkehr in Wohnquartieren« ist eine der wichtigsten Leitlinien der vielen Städte, die uns inzwischen als Vorbilder dienen. In London nennt man dieses Konzept »Mini Hollands«. Wir möchten dies am Beispiel eines fiktiven Stadtquartiers zeigen.

  • Bild 1 zeigt in gelb die Hauptstraßen an, in hellgrün die Quartiererschließungs- und in dunkelgrün die Wohnstraßen.
  • Das Bild 2 zeigt den Zustand, den wir heute schon häufig vorfinden, ein Wohnquartier umgeben von Hauptstraßen mit einem dichten Netz an immer noch schnell zu befahrenden Straßen.
  • Bild 3: Wenn man dieses Quartier nun in vier Quadranten aufteilt mit der Vorgabe, dass der Kfz-Verkehr nur über die äußeren Hauptstraßen in den jeweiligen anderen Quadranten kommen kann, sehen wir, das sich im Zentrum Räume ohne Autonutzung ergeben. Diese autofreien Plätze und Straßen haben wir hellblau markiert.

Soll weiterhin z.B. ein Bus, die Müllabfuhr oder die Rettungsdienste das Quartier durchqueren können, kann dies durch »Modalfilter« wie versenkbare Poller oder Schranken, erfolgen.

Um die Verkehrssicherheit und auch den Verkehrsfluss auf der Hauptstraße zu verbessern, ist es hilfreich, kleine reine Wohnstraßen von der Hauptstraße abzubinden (Bild 3 hellblaue Durchlässe zu den gelben Hauptstraßen). Dies bedeutet weniger Einmündungen und damit weniger Störungen des Hauptstraßenverkehrs und weniger Gefahrenpunkte. Zusätzlich wird das Wohnquartier auch am Rand beruhigt und statt großer Einmündungsbereiche werden autoarme Räume erzeugt.

Weitere Werkzeuge dieser Quartiersentwicklung sind: Einbahnstraßen, Diagonalsperren, Poller und autofreie Plätze. Dies alles sind Maßnahmen, die ohne einen aufwändigen Straßenumbau schnell und kostengünstig umgesetzt werden können. Somit ideal, um es versuchsweise auszuprobieren und Erfolg oder auch eventuellen Misserfolg und die Akzeptanz mit den Menschen zu erleben.

Für das Kerngebiet Eimsbüttel schlägt die ADFC-Bezirksgruppe genau so eine Umgestaltung vor: Lesen Sie hier den einführenden Artikel aus RadCity 1/2020: Kerngebiet Eimbüttel umgestalten und weitere Details zur vorgeschlagenen Verkehrsberuhigung unter #EimsbüttelFürMenschen

Beispiele und Quellen