07.09.2015

Olympia-Bewerbung

Von: Vorstand

Stellungnahme des Vorstands des ADFC Hamburg
zur Bewerbung Hamburgs für Olympia 2024

Der DOSB will sich mit der Stadt Hamburg für die Ausrichtung der Olympischen und der Paralympischen Spiele 2024 bewerben. Am 29. November 2015 sollen die Bürgerinnen und Bürger der Stadt über diese Olympiabewerbung ihrer Stadt in einem Bürgerschaftsreferendum abstimmen.

Als Interessenvertretung von Hamburgs Radfahrenden ist es Aufgabe des ADFC Hamburg, zu fragen, welche Folgen und Auswirkungen die Olympiabewerbung der Stadt und im Falle einer erfolgreichen Bewerbung die Durchführung von Olympischen und Paralympischen Spielen für die Entwicklung des Radverkehrs in Hamburg haben wird. Wie verhält sich die Bewerbung zu dem großen Ziel des Senats, Hamburg bis zu den 2020er-Jahren zur »Fahrradstadt« auszubauen?

Das noch nicht vorliegende »Mobilitätskonzept Olympia 2024« der Stadt soll sich im Wesentlichen mit der Frage beschäftigen, wie viele Besucher zu den Spielen kommen, auf welchem Wege und mit welchen Verkehrsmitteln sie anreisen und wie der Verkehr während der Spiele gestaltet werden kann. Es sollen »kompakte Spiele im Herzen der Stadt« werden, mit »kurzen Wegen und einer stadtverträglichen Mobilität: emissionsarm, zu Fuß, mit dem Rad, mit Bus und Bahn.« Der Senat verspricht, während Olympia autofreie Stadtteile zu schaffen und dass »alles mit dem Rad« erledigt werden kann.  

Der Vorstand des ADFC Hamburg ist grundsätzlich der Ansicht, dass über eine Frage von der Tragweite und Größenordnung einer Olympiabewerbung nur dann politisch-gesellschaftlich verantwortlich diskutiert und abgestimmt werden kann, wenn alle relevanten Informationen zum Thema auf dem Tisch liegen. Deshalb ist aus unserer Sicht eine Rücktrittsklausel unerlässlich, falls Hamburg sich für Olympia entscheidet und den Zuschlag erhält.

Derzeit sind aus dem Rathaus nur Absichtserklärungen zum Thema Verkehr während der Olympischen Spiele und der Zeit davor zu hören. Viele entscheidene Fragen bleiben aufgrund des engen, vom IOC vorgegebenen Zeitplans, der bereits Mitte September 2015 eine Willensbekundung der Stadt Hamburg und des DOSB fordert, unbeantwortet.

»Wir alle, und kommende Generationen, werden von vielen positiven Auswirkungen der Spiele profitieren. Ein Beispiel ist der Verkehr: Die Planung der Olympischen und Paralympischen Spiele soll Hamburgs Durchbruch zur Fahrrad-Stadt beschleunigen. Dahinter steht ein noch viel größeres Thema: Bewegung – also Gesundheit und Wohlbefinden – sind eine große Aufgabe für lebenswerte Städte des 21. Jahrhunderts. Hamburg wird durch Olympia noch mehr zur Sportstadt“ ((http://wir-sind-feuer-und-flamme.com)

Aus Sicht des ADFC ist es zurzeit noch völlig unklar, wie sich die Stadt und der Verkehr im Vorfeld und während der Spiele entwickeln und verändern wird, falls Hamburg den Zuschlag im Herbst 2017 erhalten sollte. Betrachtet man jedoch vorangegangene Spiele – etwa die von London 2012 –, liegt die Vermutung nahe, dass sich bis 2024 eine zusätzliche umfangreiche Bautätigkeit in Hamburg entwickeln wird, die mit einer erheblichen Zunahme des Kfz-Verkehrs und vor allem des Lkw-Verkehrs einhergeht. Es ist zu befürchten, dass dieser motorisierte »Olympia-Verkehr« die Attraktivität und Sicherheit des Radverkehrs in der Stadt erheblich beeinträchtigen wird. 

Der ADFC bezweifelt zum jetzigen Zeitpunkt, dass sich die Vorbereitung und Durchführung der Spiele in Hamburg positiv auf die Entwicklung des Radverkehrs in der Stadt auswirken. Skeptisch macht unter anderem, dass es die Stadt in der Vergangenheit nicht geschafft hat, Großveranstaltungen fahrradfreundlich durchzuführen, sei es den Kirchentag, den Hafengeburtstag, die »Airport-Days« oder den Hamburg-Marathon.

Der ADFC fordert vom Senat eine unabhängige Studie zu der Frage, wie sich der Verkehr bis 2024 in Hamburg entwickeln wird, wenn die Stadt den Zuschlag für Olympia erhält: In welchem Ausmaß wird der Autoverkehr zunehmen, wird es mehr Lkw in der Stadt geben, was ist mit den CO2-Emissionen und der Lärmbelästigung durch die baulichen Anstrengungen, die Stadt für Olympia herzurichten? Wie wirkt sich der »Olympia-Verkehr« auf die Verkehrssicherheit von Hamburgs Straßen aus? Und: Ist garantiert, dass die für den Ausbau des Radverkehrs versprochenen zusätzlichen personellen Kapazitäten in den Behörden dann nicht für die Vorbereitung der Spiele abgezogen werden?

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt hält der ADFC Hamburg die Risiken einer Olympiabewerbung insbesondere hinsichtlich einer Verschlechterung des Verkehrsklimas für Hamburgs Radfahrende für unkalkulierbar. Eine Zunahme des motorisierten Verkehrs in der Stadt infolge von Olympia sind nicht mit dem erklärten Ziel des Senats vereinbar, Hamburg zur »Fahrradstadt« auszubauen.