05.02.2019

Planungsvarianten für die Elbchaussee

Von: Amrey Depenau

Der vielstimmige Elbchaussee-Dialog

Verschiedene Planungsvarianten für die Umgestaltung der Elbchaussee liegen vor. Angesichts der Interessenskonflikte wird es nicht leicht, einen Konsens zu finden.

Wir erinnern uns: Die Elb­chaussee soll um­ge­stal­tet werden. Sowohl die Trinkwasserleitungen als auch der Straßenraum müssen zwischen Man­teuffelstraße und Altonaer Rat­haus erneuert werden. Das Be­tei­ligungsverfahren dazu läuft seit Mai 2018, in der RadCity 3.18 be­rich­te­ten wir bereits über ver­schiedene Akti­vitäten, unter anderem über die erste sogenannte Dialog-Veranstaltung im Altonaer Rathaus.

Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer, FHH
Dialog-Veranstaltung im Altonaer Rathaus
C. Puin /ADFC-HH
Auf der Elbchaussee soll im östlichen Abschnitt zwischen Pamaille und Hohenzollernring laut Hamburger Verkehrsbehörde kein Platz für Radfahrer*innen sein.

West und Mitte ohne Ost

Die da­ma­ligen Ergebnisse wurden mit jenen der Online-Befragung ge­bün­delt und mündeten in konkreten Planungsvorschlägen für die einzel­nen Bauabschnitte. Diese Vorschläge unterscheiden sich aus Sicht der Radfahrenden stark. Im westlichen Abschnitt ist der Straßenraum schlicht so knapp, dass die Planenden nur wahlweise Schutzstreifen beid­seitig oder einen Radfahrstreifen stadt­auswärts und stadteinwärts nichts oder einen freigegebenen Gehweg anbieten.

Der mittlere Abschnitt (Parkstraße bis Hohenzollernring) ist breiter und bisher unecht vierstreifig. Das böte genü­gend Raum für Radfahrstreifen in beiden Richtungen, wenn, ja wenn der eine oder andere Parkplatz entfiele. Insbesondere für einige Övel­­gönner*innen scheint das je­doch eine Zumutung zu sein. Der östliche Abschnitt, also zwischen Hohen­zollernring und Altonaer Rathaus, wird einfach erstmal nicht weiter geplant. Zu eng sei dort der Straßenraum, zu hoch das Kfz-Aufkommen. Zu wenig ist man bereit, hier beherzt neue Wege zu gehen. Deshalb, so Planerin Fromm vom Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG), »nimmt man sich mehr Zeit, um Situation und Planungsmöglichkeiten genau zu prüfen.«

Diese schlechte Nachricht wurde den Teilnehmenden wäh­rend des Plenums beim zweiten Planungsworkshop im November 2018 eröffnet. Sie stieß allgemein auf Unmut, da sowohl Anwohner*innen als auch Radverkehr unter den schlechten Bedingungen in diesem Abschnitt leiden und ein wichtiges Verbindungsstück Richtung Innen­stadt fehlt. Die zweite Dialog-Ver­an­staltung fand in der Rudolf-Stei­ner-Schule in Nienstedten statt, was zunächst auf eine andere Teil­nehmer*innen-Klientel schließen ließ als bei der ersten Veranstaltung. Tatsächlich waren Anwohner*innen und Radfahrer*innen in der Mehrheit, während die vorrangig an der Durch­fahrt Interessierten, die im Mai mehre-re starke Stimmen gehabt hatten, hier nicht in Erscheinung traten.

Radfahrstreifen favorisiert

In der Workshop-Phase konnten sich die Teilnehmenden bei den Pla­nungsverantwortlichen zu den De­tails der Planungen informieren. Am Ende wurde ein Stimmungsbild eingeholt, bei dem jede Person vier Klebepunkte auf die verschiedenen Planungsvarianten verteilen konnte. Man konnte also seine Punkte auf vier Varianten verteilen oder auch alle Punkte auf eine Variante konzentrieren. Am Ende ergab sich ein ganz klares Votum für Radfahrstreifen bzw. bauliche Radwege, die durch eine Erhöhung von Fahrbahn und Gehweg abgesetzt sind (»Kopenhagener Lö­sung«). Schutzstreifen wurden nicht als geeignete Alternative angesehen.

Fadenscheinige Alternative

Die an­wesenden Övelgönner*innen al­ler­­dings waren für Schutzstreifen, da nur so ihre geliebten Parkplätze er­halten bleiben könnten. Die Alter­native einer Ladezone war ihnen nicht schmackhaft zu machen. Eine Övel­gönnerin war es dann auch, die vorschlug, man könne doch den Radverkehr ab Halbmondsweg über die Bernadottestraße führen, da wäre doch viel mehr Platz und dann könne man an der Elbchaussee alles so las­sen, also vor allem die Parkplätze.

Während die Dame bei der Planungsveranstaltung mit ihrem Vorschlag allgemein abblitzte, kommt es sicher nicht von ungefähr, dass die CDU-Fraktion in der Be­zirks­­versammlung Altona nur weni­ge Wochen später eben diesen Vor­schlag zur Prüfung als Antrag in den Verkehrsausschuss einbrachte. Auch wenn sie damit keinen Erfolg hatte, so gilt es doch, das weiter im Auge zu behalten. Vor allem, da es auch Bestrebungen zu geben scheint, für den Abschnitt Ost zu prüfen, ob der Radverkehr nicht durch die Bernadottestraße und Holländische Reihe geführt werden sollte.

Während es für diesen Abschnitt jedoch tatsächlich eine Alternative sein könnte – im ADFC Hamburg wird das unterschiedlich gesehen, je nachdem, welche weitere Streckenführung in die Stadt favorisiert wird –, ist das westliche Stück der Bernadottestraße keine Option, da der Umweg noch einmal deutlich größer wäre.

J.Deye / ADFC-HH
Befahrung der Elbchaussee - man ist sich einig, dass die Leistungsfähigkeit der Straße nicht am Kfz-Verkerhr allein gemessen werden darf

Das Ziel ist klar

Aktuell arbeitet der LSBG nun hoffentlich wie ver­sprochen an einem »möglichst breit getragenen Planungsvorschlag« für die Abschnitte West und Mitte – so die Formulierung auf der Homepage des Beteiligungsverfahrens. Für uns bleibt klar, was wir schon zu Beginn des Verfahrens deutlich ge­macht haben: Kein Flickenteppich, durchgängige Radfahrstreifen, gern auch abgesetzt gegenüber den Kfz-Fahrspuren. Schutzstreifen sind keine Lösung. Wer den Radverkehr ernsthaft fördern will, darf den fließenden und ruhenden Kfz-Verkehr nicht prio­risieren.

Amrey Depenau in RadCity 1/2019

Lösungsvarianten können hier eingesehen werden