09.12.2019

Verkehrsentwicklungsplanung in Hamburg startet

Von: Florian Dumsky

Endlich geht's los!

Ablaufschema des Prozesses. adfc hh/Florian Dumsky
Mach mit und denk deine Mobilität. Schematischer Ablauf des Prozesses zur Verkehrsentwicklungsplanung.

Nach langen Jahren des Wartens startet der Prozess an dessen Ende ein umfassendes Handlungskonzept zur verkehrlichen Entwicklung Hamburgs stehen soll. Flickenteppich war gestern! Das vorherrschende Klein-Klein an umgesetzten Minimalkompromiss-Lösungen kommt an sein Ende. Die Stadt Hamburg kann sich nicht mehr aus dem Themenkomplex des sich stark verändernden Mobilitätsverhaltens herauswinden und muss sich diesem intensiv annehmen und dem vorherrschenden Stückwerk eine übergreifende Strategie mit verbindlichen Handlungsfeldern entgegensetzen. Die nächsten drei Jahren werden zeigen, wie ernst es Hamburg mit diesem neuerlichen Angang ist. Doch zunächst einmal zu den Begrifflichkeiten. 

Was ist eine Verkehrsentwicklungsplanung (VEP)?

Eine VEP ist ein Planungsinstrument um der Verwaltung einer Stadt mögliche Maßnahmen strukturiert aufzuzeigen, damit die zukünftige Mobilität organisiert werden kann. Im Falle Hamburgs ist eine integrierte Planung angestrebt. Das bedeutet, dass versucht wird, alle Belange zu betrachten, die mit dem Thema Verkehr in Verbindung stehen. Besonders hervorgehoben sind die Themen Umwelt (Klimaschutz, Luftreinhaltung und Lärmbelästigung), die Logistik, Anforderungen des Radverkehrs, des privaten Autoverkehrs aber auch des Fußverkehrs, der Hafenentwicklung und Wohnungsbauplanungen.

Was ist das Besondere an der Hamburger VEP?

Die Hamburger VEP ist auf eine kontinuierliche Entwicklung ausgelegt, um dem Wandel der Mobilität und den Herausforderungen, die sich dadurch an die Stadt stellen, begegnen zu können. Explizit wird auch die Möglichkeit erwähnt, "neue" Ideen auszuprobieren und den urbanen Raum als Labor für veränderte Mobilität zu verstehen. Der VEP liegen vier Kernthemen zu Grunde:

• Stärkung der Leistungskraft und Wettbewerbsfähigkeit der Metropolregion Hamburg

• Schutz von Gesundheit, Umwelt und Klima

• Sichere und vielfältige Mobilitätschancen

• Erlebbare und vernetzte Verkehrs- und Stadträume

Wer ist beteiligt?

Initiatorin der VEP ist die Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation (BWVI). Weitere Hamburger Behörden, die Politik, Interessensverbände, Beiräte, Verkehrsunternehmen und Akteure aus dem Umland werden explizit beteiligt. Begleitend beraten werden die Beteiligten durch die Planungsbüros ARGUS und Planersocietät sowie das Büro für Stadtentwicklung urbanista. In dem dreijährigen Verfahren werden in drei Phasen unterschiedliche Schwerpunktsetzungen behandelt, die am Ende in ein integriertes Handlungskonzept zusammengeführt werden. In den ersten beiden Phasen des Prozesses wird eine mehrstufige Bürgerbeteiligung durchgeführt.

Phase 1

Beteiligungsworkshop urbanista Stadtentwicklung
Auftaktveranstaltung für alle Interessierten Bürger*Innen zur Hamburger Verkehrsentwicklungsplanung auf dem Rathausmarkt.

In dieser Phase werden alle bisherigen Planungen, Szenarien, Leitbilder und existierenden Maßnahmen in einer Grundlagenanalyse aufgenommen und bewertet. Lücken und sich widersprechende Maßnahmen sollen identifiziert und daraus erste zu vertiefende Fokusbereiche ermittelt werden. Der Status Quo - also das tägliche Verkehrsgeschehen auf Hamburgs Straßen in seiner Gesamtheit - soll in einer Zustandsanalyse mit einfließen und eine valide Prognose bis in das Jahr 2030 zulassen. Betrachtet wird der Mix aus Fuß- und Fahrradverkehr, Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV), Schienenpersonennahverkehr (SPNV) und der Motorisierte Individualverkehr (MIV). In dieser Phase liegt der Antrieb vor allem darin, die Bevölkerung für zukünftige Verkehrsthemen zu sensibilisieren, zu informieren und deren Wissen als Nutznießer abzufragen. Der Auftaktveranstaltung im Septemeber auf dem Hamburger Rathausmarkt folgten insgesamt acht weitere Stopps im Stadtgebiet an dem der "Mobilitätsdialog on Tour" halt machte. Der letzte Stopp dieser Tour war am 2.Oktober in Eimsbüttel.

Phase 2 und 3

Aufbauend auf den ermittelten Grundlagen der ersten Phase werden erste Handlungsoptionen für den betrachteten Verkehrsmix auf unterschiedlichen Maßstabsebenen entwickelt. Für das weitere Vorgehen sollen ein wahrscheinliches, ein weniger favorisiertes und ein besonders wünschenswertes Szenario ausgearbeitet und bewertet werden. Die Ergebnisse werden auf der eigens eingerichteten Website verständlich und für die breite Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Interaktiv können mit den bis hierhin erarbeiteten Ergebnissen die unterschiedlichen Szenarien durchgespielt werden. In der letzten Phase werden die Erkenntnisse aus dem Gesamtprozess und dem wahrscheinlichsten Zielszenario in ein Handlungskonzept überführt. Dieses beantwortet durch konkrete Aussagen die Frage, mit welchen Maßnahmen die Ziele des Verkehrsentwicklungsplans erreicht werden können. Ein Plan, der die tatsächlichen Kosten, Zuständigkeiten der einzelnen Träger und klare Fristsetzungen enthält, soll die Umsetzung garantieren. Dieser Plan enthält auch leicht umsetzbare, kleinräumlich bezogene Teilmaßnahmen. Begleitend dazu wird ein Monitoring durchgeführt, das die Umsetzung und Auswirkungen der Maßnahmen kritisch betrachtet. Angeschlossen daran werden die Konzeptbausteine evaluiert.

Welche Maßnahmen am Ende tatsächlich in die Realität umgesetzt werden oder ob sich manche Erkenntnisse noch innerhalb des Prozesses selbst überholen, kann zum aktuellen Zeitpunkt nicht adäquat beurteilt werden. So oder so wird es in den folgenden Ausgaben der RadCity weitere Beiträge zu den aktuellen Zwischenständen dieses wichtigen Prozesses geben.