22.09.2013

Auf der Veloroute 8 vom Hammer Steindamm in Richtung Hauptbahnhof

Von: Michael Prahl, Ulf Dietze

Was Neues im Osten

An der Querung des Hammer Steindamm ist neuerdings eine Baustelle eingerichtet, was darauf hindeutet, dass die an dieser Stelle bisher schmerzlich vermisste Bordsteinabsenkung endlich entstehen könnte. Die nächsten 30 Meter der Route sind noch teilweise abgesperrt, doch Fußgänger und Radler dürfen schon passieren.

Baustelle am Hammer Steindamm Nähe U-Bahn
Baustelle am Hammer Steindamm Nähe U-Bahn
Die Kleinen wissen nicht was sie tun – die Großen sollten eigentlich ...
Die Kleinen wissen nicht was sie tun – die Großen sollten eigentlich ...
Ende der Ausbaustrecke U-Bahn Burgstraße
Ende der Ausbaustrecke U-Bahn Burgstraße
Zuversicht: Radeln durch die Grünanlage »Borgfelde oben« sollte in Kürze möglich sein
Zuversicht: Radeln durch die Grünanlage »Borgfelde oben« sollte in Kürze möglich sein

Lichtblick im Thörls Park

Bis auf das Surren der Kette und das Gezwitscher der Vögel ist nichts zu hören. Ziemlich still ist es hier im Park oberhalb der Hammer Landstraße, deren vierspuriger Lärm durch die bewaldete Böschung abgeschirmt wird. Auf glattem Asphalt gleitet das Fahrrad unter den alten Bäumen hindurch, passiert die schöne Parkanlage mit ihren Liegewiesen und Parkbänken. Die zierliche Seniorin auf dem Klapprad vor mir ist nicht sehr zügig unterwegs, und so setze ich zum Überholen an. Dank der großzügigen Radwegbreite ist das kein Problem, auch die entgegenkommende Familie mit Fahrradanhänger kommt gefahrlos an mir vorbei.

800 Meter Genussradeln

Für mich entspricht das hier fast dem Idealbild einer Fahrradstrecke. Es radelt sich so genussvoll durch den erst in diesem Sommer fertig gestellten Abschnitt von rund 800 Metern Veloroute 8 im Thörls Park: der mit 2,50 Meter (wenn auch nur für Hamburger Verhältnisse) breite Zweirichtungsradweg mit frischer Asphaltdecke verläuft zusammen mit dem nur wenig schmaleren Gehweg durch die Grünanlage.

Zwar mögen sich etliche Fußgänger noch in der Gewöhnungsphase befinden, denn so manche Mutter mit Kinderwagen und der eine oder andere Spaziergänger mit oder ohne Hund wagt sich keck auf den neuen Radweg. Platz genug ist jedenfalls vorhanden für sämtliche Benutzer dieser Route. Als sich aber ein Stück weiter ein Dutzend Krabbelkinder mit zwei Erzieherinnen und Bollerwagen auf dem Radweg niederlässt und die Pflastermalkreide herausgeholt wird, keimt in mir die Frage auf, wie frei Aufsichtspflicht sich wohl interpretieren lässt.

Nach geschmeidigen Kurven endet dieses Teilstück am Sievekingdamm an der U-Burgstraße, wo ein unübersichtlicher und deshalb gefährlicher Abschnitt beginnt, weil der Radweg zwischen Bushaltebucht und Bahnhofseingang hindurch geführt wird.

In Bau: Park »Oben Borgfelde«

Nach Querung der Burgstraße ist erst einmal Schluss. Umfangreiche Bauzäune und Zeichen 254 signalisieren: Dieser Bereich ist für den Radverkehr gesperrt. Während der Bauarbeiten an der Veloroute wird der Radverkehr über Klaus-Groth-Straße umgeleitet, während Fußgänger parallel zur Baustelle die Rasenflächen im Park benutzen dürfen. Wenn dieser Abschnitt mit der Bezeichnung Parkanlage »Oben Borgfelde« einen ähnlichen Ausbau erfährt wie der Thörls Park, dann sollte dem Radlerglück auch bis zum Berliner Tor nichts mehr im Wege stehen.

Relaunch: Berliner Tor – Lindenplatz

Rot gepflastert, auf die doppelte Breite erweitert und mit frischem Mittelstreifen und Richtungs-Fahrradsymbolen versehen präsentiert sich der erneuerte Radweg an der Nordseite der Straße Beim Strohause zwischen Lindenstraße/-platz und Berliner Tor.

Ganz neu eröffnet ist dieser Bauabschnitt zwischen Adenauerallee und Besenbinderhof, den die Radfahrer ganz für sich allein haben, denn Kraft- und Fußgängerverkehr werden auf parallelen Routen geführt.

Michael Prahl in RadCity 5/2013 (Stand 22. August 2013)

Kommentar

Velorouten werden – als Verbindungen für den Arbeitsweg – zügig befahren. Mit zunehmender Pedelec-Nutzung werden diese Geschwindigkeiten immer üblicher. Will man Autofahrer zum Umstieg aufs Rad bewegen, ist daher nicht eine Anlage mit Minimalmaßen sondern eine großzügige angebotsorientierte Planung nötig. Es muss richtig einladen, hier zu fahren!

Es fällt daher leicht, diese Weg zu kritisieren: Mit 1,25 m Wegbreite pro Richtung ist sie für eine Veloroute viel zu schmal. An einigen querenden Gehwegen ist der Asphalt unterbrochen und flächig Kleinpflaster verlegt. Durchgehender Asphalt und Zebrastreifen hätten es auch getan.

Wenn mit der Zeit Radfahrende in größerer Zahl hier unterwegs sind, wird es mit dem Überholen bald schwierig. Und auch Radfahrer sind soziale Wesen und würden gerne mal nebeneinander fahren und sich unterhalten. Bei diesen Platzverhältnissen kaum möglich.

Man kann die Sache aber auch anders betrachten: Hier ist eine Veloroute im eng besiedelten Gebiet von Borgfelde und Hamm durch einen Park gelegt worden. Es ergibt sich für viele Radfahrende eine attraktive Verbindung in die City. Die Beleuchtung wird erneuert und ergänzt.

Es ist zu akzeptieren, dass der Park weiterhin auch für andere Nutzungen offen stehen muss: Spaziergänge, Kinderspiel, Joggen, Skaten ... Auch dem Radverkehr dient es, wenn Menschen sich vor Ort erholen können, anstatt erst mit dem Auto »ins Grüne« zu fahren.

Von Seiten der Radfahrenden ist also Rücksichtnahme zu fordern – wir wünschen uns schließlich auch ein verträgliches Miteinander mit anderen VerkehrsteilnehmerInnen.

An Planung und Politik geht der Appell: Baut zügig die Velorouten weiter aus, schafft dabei auch die breiten Hauptrouten, die besonders für den Alltagsverkehr geeignet sind. Dann wird sich der Radverkehr mehr verteilen und der schnelle Radverkehr den Park meiden.

Ulf Dietze in RadCity 5/2013