Radschnellwege für Hamburg

Von: Astrid Christen, Susanne Elfferding

Radschnellwege für Hamburg und sein Umland. Eine Fachtagung der Metropolregion zeigte, was möglich ist, dämpfte aber die Hoffnungen für Hamburg.

Die Metropolregion Hamburg engagiert sich im Rahmen ihres Leitprojektes »Regionale Erreichbarkeitsanalysen« auch für den Radverkehr und möchte in den kommenden Monaten erste geeignete Strecken für Radschnellwege ermitteln. Auf einer Tagung versammelten sich dazu am Anfang Juli Fachleute zum Informationsaustausch. Es ging insbesondere um die Qualität von Radschnellwegen, den Planungsprozess und die Realisierung in der Metropolregion.

Was sind Radschnellwege?

Radschnellwege sind geeignet, Pendler mit Arbeitswegen von zehn bis zwanzig Kilometern zum Umstieg aufs Fahrrad zu bewegen. Die Wege sind im Idealfall mindestens vier Meter breit und können in beiden Richtungen befahren werden, wobei sich die Fahrzeit durch direkte Streckenführung um bis zu 50 % reduziert.

Auf Radschnellwegen fahren Radler zügig, sicher, komfortabel und möglichst auch bevorrechtigt. Sie sind in Ballungsgebieten ein wirksames Mittel gegen Verkehrsstaus. Die Luftbelastung wird reduziert, CO2-Emissionen verringern sich und die Highways tragen dazu bei, Unfälle zu vermeiden. Chancen für städtebauliche Umgestaltung und Baukultur ergeben sich bei Sonderbauwerken wie neuen Unterführungen und Brücken.

Planungsprozess

Aus der Präsentation ...
... der Metropole Ruhr ...
... zum Radschnellweg Ruhr (RS1)

Der Radschnellweg im Ruhrgebiet (RS1) (siehe beigefügte Präsentation) soll auf einer Strecke von 100 Kilometern zehn Städte und vier Universitäten von Duisburg über Essen, Dortmund, Unna bis Hamm verbinden. Nur knapp acht Prozent der Wege müssen neu gebaut werden, weil sich der RS1 (»der schnellste Weg durchs Revier«) in das regionale Radwegenetz integrieren wird. Innerhalb eines Einzugsgebiets von zehn Kilometern leben dort 1,8 Millionen Menschen, die als Nutzer infrage kommen. Bis 2018 rechnet die Region sogar mit 2 Mio. Nutzern von E-Bikes oder Pedelecs.

Der Regionalverband Ruhr, dem viele Kommunen angehören, startete das Projekt mit einer Machbarkeitsstudie. In drei separaten Ausschreibungen wurde die Trasse gefunden, das Kommunikationskonzept entworfen sowie eine Kosten-Nutzen-Analyse durchgeführt. Das Ergebnis: nach der Realisierung pro Tag 400.000 gefahrene Pkw-Kilometer weniger; Nutzen: Bessere Luftqualität, geringere Krankheits- und Unfallkosten, geringere Betriebskosten für Straßen sowie niedrigerer Flächenverbrauch, dazu bessere Lebens- und Aufenthaltsqualität. Demnach läge der Kosten-Nutzen-Faktor bei 4,8 – ein äußerst guter Wert.

Flächen entlang von Bahnstrecken und Flussläufen eignen sich für die Streckenführung. Ebenso tauglich: Eine Mischverkehrsnutzung in Wohngebieten, wo Radfahrer die Vorfahrt haben, Autoverkehr aber weiterhin zugelassen wird. Die Qualitätsstandards für Radschnellwege in NRW sollen eingehalten werden. Beleuchtung und Winterdienst mit Priorität an den Knotenpunkten zählen hierzu. In einem Planungs- und Gestaltungshandbuch wurden Standards festgelegt für innerstädtische Räume, für Metrozonen zwischen Zentrum und Stadtrand sowie für die Landschaftszonen. Bund, Land und Kommunen erarbeiten jetzt ein Trägerschafts- und Finanzierungskonzept, in dem geklärt wird, wie die ca. 184 Mio. Euro aufgebracht werden können.

Metropolregion Hamburg

Das Institut für Verkehrsplanung und Logistik an der Technische Universität Hamburg-Harburg analysiert für die Metropolregion fünf Korridore: Wo muss ein Radschnellweg liegen, um möglichst viele Menschen anzubinden, die ihr Fahrtziel in 10 Minuten erreichen wollen? Die Basis für solche Berechnungen ist die Lage von wichtigen Quellen und Zielen des Radverkehrs: Arbeitsplätze, Wohnorte, Bahnhöfe – aber auch Anschluss an vorhandene Velorouten.

Analysiert wurden auf Vorschlag der Projektpartner zunächst diese Strecken:

  • Bad Oldesloe – Hamburg-Wandsbek (teilweise entlang der Veloroute 6)
  • Norderstedt – Hamburg-Flughafen
  • Elmshorn – Tornesch – Pinneberg – Hamburg Holstenstraße (teilw. entlang der Veloroute 2)
  • Winsen – Harburg
  • Tostedt – Harburg

Dabei deutet sich an, dass auf den Strecken von Norderstedt und Pinneberg Richtung Hamburg die meisten Menschen von einem Radschnellweg profitieren würden. Nach Angaben der Untersuchenden kann die Reisezeit zwischen Wohnort und Arbeitsplatz durch Radschnellwege hier um rund 30 Prozent verkürzt werden.

Olaf Böhm (Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation) sagte im Rahmen der Podiumsdiskussion der Tagung: »Wenn jeder Bezirk einen Radschnellweg bekommen soll, dann müssen diese in die Metropolregion hineingedacht werden. Umgekehrt müssen die Velorouten einbezogen werden. Die Strecke Harburg-Rothenburgsort-Billstedt-Bergedorf bis ins Umland wäre ein Beispiel hierfür.« Er dämpfte die Erwartungen Hamburger RadfahrerInnen, als er einschränkte: »Der Begriff Radschnellweg kommt ursprünglich aus den Niederlanden und meint eine mindestens 5 km lange kreuzungsfreie Strecke. Das ist hier gar nicht realisierbar, noch nicht einmal entlang der Wilhelmsburger Reichsstraße. Daher spreche ich immer von radschnellwegähnlichen Wegen. Wir werden schauen, wie wir die Forschungsergebnisse der Metropolregion Hamburg in unsere Arbeit einbinden können.«

Text: Astrid Christen (Fahrradstadt Wilhelmsburg e. V.), Susanne Elfferding (ADFC Hamburg e. V.)
Textredaktion: RadCity-Redaktion


Metropolregion Hamburg beauftragt Machbarkeitsstudien

Machbarkeit von Radschnellwegen wird untersucht

Mit rund einer Millionen Euro fördert die Metropolregion Hamburg die Untersuchung der Umsetzbarkeit von acht regionalen Radschnellwegen. Es ist nicht nur eines der größten Leitprojekte der Metropolregion Hamburg, sondern auch das derzeit größte länderübergreifende Radschnellwege-Planungs-Projekt in Deutschland. Nach einem europaweiten Teilnahmewettbewerb untersuchen jetzt fünf Planungskonsortien die Umsetzbarkeit und erstellen Konzepte für Gestaltung und Kommunikation.

Mit den Machbarkeitsstudien verfolgt die Metropolregion Hamburg konsequent das Ziel, die Attraktivität des Radverkehrs weiter zu steigern. Sie sollen die planerischen Grundlagen für die Entwicklung von Radschnellwegen in der Metropolregion Hamburg liefern. Die fünf ausgewählten Ingenieursgemeinschaften sollen realisierbare Trassen und Umsetzungskonzepte erarbeiten. Damit werden die Voraussetzungen für einen späteren Bau von Radschnellwegen geschaffen. Erste Zwischenergebnisse sollen in der zweiten Jahreshälfte 2019 vorliegen. Regionsweit werden insgesamt rund 275 Kilometer Strecke untersucht.

Parallel zu den Machbarkeitsstudien wird ein Planungs- und Gestaltungshandbuch erarbeitet. Es soll sicherstellen, dass die Radschnellwege in der Metropolregion Hamburg ein einheitliches Erscheinungsbild bekommen und langfristig eine leichte Orientierung für die Radfahrenden gewährleisten. Auch die Erstellung eines Kommunikationskonzepts ist Bestandteil der Aufträge. Damit wird der fortlaufenden Information der der Öffentlichkeit eine hohe Bedeutung beigemessen. Diese Bausteine sollen auch als Richtschnur für alle künftigen Trassen- und Ausbauplanungen innerhalb der Metropolregion dienen.

Die Aufträge für die Untersuchung der regionalen Routen werden von den zuständigen Kommunen vergeben. Die Bearbeitung der Machbarkeitsstudien für Trassen in Richtung Hamburg erfolgt in enger Abstimmung zwischen den Kreisen und Kommunen im Umland und der Hamburger Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation. Ziel ist es, die Radschnellwege im Stadtgebiet Hamburgs fortzusetzen und mit dem dortigen Veloroutennetz zu verknüpfen. Die Koordination des Gesamtprojektes übernimmt die Geschäftsstelle der Metropolregion Hamburg in Zusammenarbeit mit dem Projektträger Kreis Pinneberg und der Freien und Hansestadt Hamburg.

Die zu untersuchenden Trassen sind:

  • Elmshorn - Pinneberg - Hamburg
  • Lüneburg - Winsen - Hamburg
  • Bad Bramstedt - Kaltenkirchen - Henstedt-Ulzburg - Norderstedt - Hamburg
  • Stade - Buxtehude -Hamburg
  • Ahrensburg - Hamburg#Bad Schwartau - Lübeck - Groß Grönau
  • Geesthacht - Hamburg
  • Wismar - Schwerin

Quelle: Pressemitteilung der Metropolregion Hamburg, 29.10.2018

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