08.06.2019

Eppendorfer Weg: Endlich Tempo 30!

Von: Simon Brauer, Sabine Michaelis
adfc hh/Sabine Michaelis
Die Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) macht‘s möglich: Seit 2017 muss die Stadt im Nahbereich vor sozialen Einrichtungen wie Kindergärten und Schulen Tempo 30 anordnen. Auch wenn die Straße "wichtig" ist.

Ab 2021 soll der Umbau des Eppendorfer Wegs erfolgen und so die Einrichtung einer Tempo-30-Zone ermöglichen. Die Einrichtung als Fahrradstraße würde dabei absehbare Probleme lösen.

Bis es soweit ist, wird eine Anordnung von 2016, die schon damals auf vielen Teilstrecken im Umkreis von sozialen Einrichtungen Tempo 30 vorsah, umgesetzt und auf den gesamten Eppendorfer Weg ausgedehnt. Also gilt in dieser Straße dann werktags und tagsüber Tempo 30. Es bleibt aber bei der jetzigen Vorfahrtsregelung, bei der man auf dem Eppendorfer Weg Vorfahrt hat. Die Vorfahrt wird sich erst ändern, wenn der gesamte Bereich neu geplant wird, dann gelten die Regeln der Tempo-30-Zone: rechts vor links, Ampeln, wo Hauptverkehrsstraßen gekreuzt werden, keine benutzungspflichtigen Radwege und auch keine Schutzstreifen.

Das Ziel von Tempo 30 ist Verkehrsberuhigung, und das bedeutet mehr Sicherheit. Davon profitieren unmittelbar mehrere Gruppen: Anwohner*innen, Fußgänger*innen und Radfahrende. Menschen, die am Eppendorfer Weg leben, sind dann weniger Lärm ausgesetzt. Groß und Klein können viel einfacher die Fahrbahn überqueren. Und für den Radverkehr verläuft auf dem Eppendorfer Weg die Veloroute 13, mit Tempo 30 wird hier das Fahren angenehmer und sicherer.

Warum erst jetzt?

Bis alle Tempo-30-Zonen eingerichtet werden, sind Tempobeschränkungen am Eppendorfer Weg vorgesehen. Ab 2021 soll der Umbau des Eppendorfer Wegs erfolgen und so die Einrichtung einer Tempo-30-Zone ermöglichen.

Warum hat es so lange gedauert, diese vollgeparkte Straße, die gleichzeitig von Schulkindern, Radfahrenden, Lieferverkehr und zu Fuß gehende stark genutzt wird, zugunsten der schwächeren Verkehrsteilnehmer*innen umzugestalten? Eine Straße, die gesäumt ist von Läden und Restaurants, die aber vom Autoverkehr und den vielen legal und illegal abgestellten Fahrzeuge dominiert wird.

Bewegung in die seit 2009 geführte Diskussion um Tempo 30 kam 2017 durch die Änderung der Straßenverkehrsordnung. Dadurch wurde es einfacher, die Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h auf 30 km/h im Nahbereich vor sozialen Einrichtungen wie Kindergärten und Schulen zu reduzieren. Im Eppendorfer Weg führt das aufgrund der vielen infrage kommenden Einrichtungen - es gibt allein acht Kindergärten an dieser Straße - zu einem Flickenteppich unterschiedlicher Höchstgeschwindigkeiten. Am Grundproblem dieser stressigen Straße ändert sich dadurch fast nichts, denn es gibt keine baulichen Veränderungen.

Da sich die Stadt den Ausbau der Velorouten auf die Fahne geschrieben hat und fast auf der gesamten Länge des Eppendorfer Wegs die Veloroute 13 verläuft, stellte sich auch unter diesem Aspekt Handlungsbedarf ein. Eine Veloroute soll "zügig und komfortabel" zu befahren sein, das sind nicht gerade die Attribute, die Radfahrenden einfallen, wenn sie sich im Zickzack und mit Stop-and-Go in Konkurrenz zu den Autos durch diese vollgestopfte Straße quälen.

Was hat sich gesetzlich geändert?

adfc hh/Simon Brauer
Zügig und sicher vorankommen? Das ist im Eppendorfer Weg derzeit kaum möglich – egal, mit welchem Verkehrsmittel.

In Hamburg legt die Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation (BWVI) unter der jetzigen Leitung von Senator Michael Westhagemann die Rangordnung der Straßen für die Abwicklung des Verkehrs fest. Auf sogenannten "Bezirksstraßen mit gesamtstädtischer Bedeutung" kann kein Tempo 30 eingeführt werden. Die Behörde konnte sich aber durchringen, den Eppendorfer Weg aus dieser Klasse zur einfachen Bezirksstraße herabzustufen, da die übergeordnete Verbindungsfunktion bereits durch den parallel verlaufenden Ring 2 abgedeckt ist.

Angesichts der vielen Restaurants und Geschäfte, der Kitas und Schulen und der hohen Bebauungsdichte der umgebenden Stadtteile ist dieser Schritt überfällig. Wer hier täglich fährt, kann sich sowieso nichts anderes vorstellen.

Was heißt das für den Radverkehr und die Veloroute 13?

Der ADFC Hamburg begrüßt die Ausweisung des Eppendorfer Wegs als Tempo-30-Zone. Diese Maßnahme wird sich sehr positiv auf den Alltag im Quartier auswirken: Durch die Verkehrsberuhigung wird es für die Anlieger*innen leiser, zu Fuß kommen alle leichter über die Straße, das Radfahren wird deutlich entspannter.

Aber, um den Anforderungen einer Veloroute gerecht zu werden, kommt es auf die konkrete bauliche Umsetzung an. Die in Tempo-30-Zonen übliche Rechts-vor-Links-Regelung führt einerseits zu langsamerem und aufmerksamerem Verkehr, andererseits führt sie bei den vielen einmündenden Straßen zu häufigen Abbrems- und Anfahrvorgängen, die für Radfahrende besonders mühselig sind. Ziel einer Veloroute ist schließlich dem Radverkehr ein zügiges Vorankommen zu ermöglichen.

Besonders wichtig ist eine übersichtliche Straßengestaltung. Dazu müssen die bestehenden Parkplätze nicht nur neu geordnet werden, auch das auf dem Eppendorfer Weg weit verbreitete Falschparken muss zukünftig durch bauliche Maßnahmen verhindert werden. Das wird auf jeden Fall auf eine Verringerung der Parkmöglichkeiten hinauslaufen. Gerade im Bereich der Knotenpunkte sind gute Sichtbeziehungen zwischen allen Verkehrsteilnehmer*innen essentiell: kurze Querungen für Fußgänger*innen, gut einsehbare Knotenpunkte. Infrage kämen aber auch Mini-Kreisverkehre. Diese verlangsamen den Verkehr und schaffen dadurch mehr Sicherheit, gleichzeitig werden aber unnötige Stopps vermieden.

Warum nicht gleich Fahrradstraße?

Eine Fahrradstraße könnte die Vorteile einer Tempo-30-Zone wie die Verkehrsberuhigung und die kompakten Knotenpunkte übernehmen, gleichzeitig würde der Fuß-, Rad- und Autoverkehr entlang des Eppendorfer Wegs Vorrang haben. Das würde den Anforderungen einer Veloroute entsprechen. Eine Straße kann dann zur Fahrradstraße werden, wenn die Anzahl der Fahrradfahrer*innen überwiegt oder dies bald zu erwarten ist. So ist es zurzeit festgelegt. Das ist im Eppendorfer Weg noch nicht der Fall. Aber dieser Effekt lässt sich auch umkehren: Wird eine Straße den Radfahrenden übergeben, dann wählen natürlich viele Menschen diese attraktive Route. Man muss sich nur mal das Aufkommen auf der Fahrradstraße an der Alster vom Harvestehuder Weg bis zur Fontenay anschauen. Ein wunderbares, fröhliches Treiben, Autos sind hier deutlich in die Schranken verwiesen. Noch lassen sich in Hamburg die Fahrradstraßen an zwei Händen abzählen, der Eppendorfer Weg wäre doch eine tolle Referenzstrecke für die Fahrradstadt Hamburg.

Voraussichtlich am Ende des Jahres wird der Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) der Öffentlichkeit die Ergebnisse der Planung in einer Informationsveranstaltung präsentieren. Wir bleiben dran.

Erschienen in RadCity 3/2019