18.08.2019

Fast ein Radschnellweg: Neuer Abschnitt der Veloroute 5 beim Pergolenviertel

Von: Andrea Kupke, Ulf Dietze

Von der Sengelmannstraße im Norden bis zum Stadtpark im Süden gibt es eine neue und gut ausgebaute, etwa 1,3 km lange Radverkehrsverbindung entlang des Neubaugebiets »Pergolenviertel« in Hamburg-Nord. Am 28. August wird dieser Abschnitt der Veloroute 5 offiziell eröffnet – befahren lässt er sich jetzt schon.

adfc hh/Ulf Dietze
Betteln und warten: Die Ampel am Südende der Ausbaustrecke führt - nach langem Warten - über die Saarlandstraße.
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Blick in nördliche Richtung: Brücke des Ring 2 (Jahnring) über die Veloroute.
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Veloroute kreuzt Dakarweg: Ärgerlich, dass hier der Radschnellweg keine Vorfahrt bekommen hat.
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Pergolenweg Richtung südlichem Bahnsteigende des S-Rübenkamp. Identisch gestaltete Wege durchziehen später das Pergolenviertel und sollen sowohl Fuß- als auch Radverkehr aufnehmen.
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Rampenbauwerk westlich des S-Bahnhofs Rübenkamp: Barrierefrei über die Gleise – aber nicht runter zu den Gleisen ... Rolli, Rad und Rollator freuen sich ;-(
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»Urbaner Radschnellwegstandard«: Die Veloroute durchs Pergolenviertel ist trotz einzelner Kritikpunkte ein für Hamburger Verhältnisse sehr hochwertiger Streckenabschnitt.
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Blick nach Norden auf die Kreuzung Hebebrandstraße
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Ende der Ausbaustrecke an der Sengelmannstraße

Die Stadt gab schon früh bekannt, diesen Veloroutenabschnitt nach den Standards eines urbanen Radschnellwegs bauen zu wollen. Radfahrer*innen fahren dabei auch unter zwei Brücken unter dem Jahnring (Ring 2) und der Hebebrandstraße durch, beides viel befahrene Hauptstraßen. Diese Brücken wurden einst gebaut, damit die geplante Stadtautobahn hier kreuzungsfrei unterqueren konnte. Nun profitieren davon die Radfahrer*innen auf der Veloroute: keine Ampelwartezeiten und keine Konflikte mit dem Autoverkehr. So braucht eine zügig fahrende Radfahrer*in kaum vier Minuten für die Strecke. Der Weg ist dabei vier Meter breit und asphaltiert, sodass sich andere Radfahrer*innen meist bequem überholen lassen.

Wohnen mit weniger Autos

Die Veloroute (VR) 5 teilt sich nach Norden hin in zwei Äste. Der jetzt neu eröffnete Strang wird VR 5N genannt: Er führt von der Hamburger Straße in Barmbek-Süd direkt westlich am Pergolenviertel vorbei und dann weiter bis zur Rathenaustraße in Alsterdorf, wo er auf die VR 4 trifft. Beim Bau des neuen Pergolenviertels legte die Stadt großen Wert darauf, beste Bedingungen für ein Wohnen ohne eigenes Auto zu schaffen. So soll es dort später unter anderem mehrere gemeinschaftlich nutzbare Lastenräder geben, eine Fahrrad-Selbsthilfewerkstatt und zwei StadtRad-Stationen – im Viertel und am S-Bahnhof Alte Wöhr. Das Südende des Bahnhofs Rübenkamp lässt sich (auch per Fahrrad) über eine neue Rampen- und Brückenkonstruktion barrierefrei überwinden – ärgerlich, dass hier der Zugang zum Bahnsteig nicht barrierfrei, sondern lediglich über Treppen möglich ist. Rollstuhlfahrer*innen müssen auf der anderen Seite der Bahngleise durchs Kleingartengelände bis zum nördlichen Bahnsteigende, um einen Fahrstuhl nutzen zu können.

Kritikpunkte: Bettelampeln und fehlende Vorfahrt

Kritik übt der ADFC insbesondere an zwei Details des neuen Streckenabschnitts der VR 5N: Stadteinwärts müssen Radfahrer*innen an der Sengelmannstraße und an der Saarlandstraße jeweils rund 60 Sekunden warten, nachdem sie die dortigen Ampeltaster betätigt haben. Ohne Tasteranforderung zeigen diese Bettelampeln kein Grün. Das trägt dazu bei, dass viele Radfahrer*innen regelwidrig und dabei sich und andere gefährdend den linken Radweg bis mindestens zur nächsten Kreuzung nutzen. Der Fahrradclub fordert die Stadt auf, dort nachzubessern und diese Ampeln mit »Sofortanforderung« zu schalten, damit innerhalb von zehn Sekunden nach Tasterbetätigung das Grünsignal kommt. Alternativ könnten die Ampeln auch in den automatischen Phasenumlauf der nächsten Kreuzungen integriert werden, um die Wartezeiten für Radfahrende angemessen zu verkürzen.

Der zweite Kritikpunkt betrifft die Kreuzung der VR 5N mit dem Dakarweg: Dort gilt rechts vor links, obwohl der Radweg eine viel stärkere, stadtweite Bedeutung hat als der Dakarweg, der als reine Erschließungsstraße lediglich Ziele vor Ort anbindet. Würde es sich bei der VR 5N tatsächlich um einen Radschnellweg handeln, müsste an dieser Stelle dem Radverkehr Vorrang eingeräumt werden.

Eine weiterer Wermutstropfen ist die Tatsache, dass sich die schon erwähnte neu errichtete Brücke am Südende des S-Bahnhofs Rübenkamp ausschließlich über die sogenannten Pergolenwege erreichen lässt: Dabei handelt es sich um lediglich 2,4 Meter breite Wege mit Pflanzenbögen oben drüber. Solche Pergolenwege sind auch die einzige direkte Verbindung von der VR 5N zur Alten Wöhr, wo die wichtigen Ziele S-Bahnstation und das Wohngebiet Am Alten Güterbahnhof liegen. Zwar hat die Stadt diese Pergolenwege als Fuß- und Radverkehrsverbindung geplant. Um sie aber gerade zu den Kernzeiten des Berufs- oder Schulverkehrs sowohl für Fußgänger*innen als auch für Radfahrer*innen attraktiv zu machen, müssten diese Wege deutlich breiter sein.

Fazit

Die VR 5N führt in einer für Hamburger Verhältnisse hochwertigen Form den Radverkehr entlang eines Neubaugebiets. Ein paar wichtige Details hätten Planer*innen und Entscheider*innen aber auch hier besser lösen können, um diese Wege für Menschen zu Fuß und per Fahrrad noch attraktiver zu machen. Und zum Schluss eine kleine Anmerkung aus der Erfahrung von Fahrradstädten: In vielen niederländischen Orten würden solche modernen Radwege wie die VR 5N kaum auffallen, da diese Qualität dort dem üblichen Ausbaustandard entspricht ...