17.01.2020

Leeschenblick

Im Leeschenblick gibt es seit Jahrzehnten Radfahrstreifen und eine sehr breite Kernfahrbahn. Auf dieser wird regelwidrig geparkt. Im Zuge der Veloroutenplanung (!) sollte nun ein Kfz-Parkstreifen eingerichtet werden und beidseits der Kernfahrbahn Schutzstreifen für den Radverkehr. Gegen diese Verschlechterung gegenüber der heutigen Situation haben wir uns gewehrt.

Regionalausschuss Bramfeld für ADFC-Vorschlag | 16.01.20

Ein paar Tage vor der Sitzung hatte die ADFC-Bezirksgruppe Wandsbek bereits ihre Vorstellungen an alle Fraktionen, die Polizei und die Wandsbeker Verwaltung geschickt.

In der Sitzung begründete der ADFC seine Anregung auch mündlich und erläuterte den Vorschlag. Selbstverständlich lässt sich über Details der Lösung, wie z. B. eine ausreichende Breite der Kernfahrbahn für die Begegnung zweier Hochbahn-Busse, im Abstimmungsprozess weiter diskutieren.

Der Beschluss des Regionalausschusses lautete am Ende sinngemäß (mit den Stimmen von SPD, Grünen und Linken): Die Bezirksverwaltung wird gebeten, die Straße Leeschenblick mit zwei Radfahrstreifen im Sinne der Überlegungen des ADFC zu planen mit einer so schmalen Kernfahrbahn, dass deutlich wird, dass darauf nicht geparkt werden darf.

Kritik des ADFC am bisherigen Ablauf und Alternativvorschlag | 12.01.20

Im Leeschenblick gibt es Jahrzehnte alte Radfahrstreifen und eine überbreite Kernfahrbahn. Auf dieser wird regelwidrig geparkt. Nach eigener Auskunft hat sich die Polizei bemüht, bei Anwohner*innen und durch Kontrollen für Abhilfe zu sorgen. Nachhaltig habe man das nicht durchsetzen können.

Es gab im Februar 2018 eine erste Verschickung zur Umgestaltung des Leeschenblicks, in der mit folgenden Maßen geplant wurde (Nord nach Süd):

  • 2,15 m Radfahrstreifen
  • 7,59 m für zwei Fahrstreifen
  • 2,15 m Radfahrstreifen

Bei dieser Planung wäre zu erwarten gewesen, dass sich an der Falschpark-Situation kaum etwas ändern würde.

Im August 2018 enthält der Plan dann diese Maße (Nord nach Süd):

  • 2 m Kfz-Parkstreifen
  • 0,5 m Sicherheitstrennstreifen
  • 1,75 m Schutzstreifen
  • 6 m Kernfahrbahn (ohne Mittellinienmarkierung)
  • 1,75 m Schutzstreifen.

Sollte diese Planung umgesetzt werden, hielten wir das für ein Armutszeugnis der Wandsbeker Verkehrspolitik. Mit der Begründung, man komme gegen Falschparker nicht an, wird die für den Radverkehr sicherste Lösung nicht gewählt, sondern eine, die als deutlich weniger sicher einzustufen ist. Denn

  • der nördliche Schutzstreifen wird durch Kfz, die über den Parkstand hinaus im Sicherheitstrennstreifen parken, zu einem großen Teil im Bereich plötzlich geöffneter Türen liegen;
  • Schutzstreifen werden deutlich häufiger von Kfz-Führer*innen überfahren, als Radfahrstreifen (auch wenn beides grundsätzlich unzulässig ist);
  • gegenüber der heutigen Situation wird der Streifen schmaler sein - die Verkehrssicherheit sinkt durch geringere Überholabstände Auto-Fahrrad.

Im Vorfeld wurde uns aus Politik und Verwaltung vermittelt, dass man nur die Möglichkeit sehe zwischen

  • Radfahrstreifen in Kombination mit nicht zu kontrollierendem Falschparken oder
  • Kfz-Parkstreifen mit den dann schmaleren Schutzstreifen.

Das sind aber nicht sämtliche möglichen Alternativen. Die Frage ist: Wollen wir hier die Straße so gestalten, dass Radfahrer*innen sichere Radfahrstreifen haben und das Parken wirksam unterbunden wird? Wie könnte dann also die Planung aussehen?

Üblicherweise führen Baumstandorte oder vorhandene legale Parkplätze im Rahmen einer Straßenplanung zu »Kompromissen« zu Lasten des Radverkehrs. Das ist im Einzelfall verständlich. Im Leeschenblick haben wir den seltenen Fall, dass weder Baumverlust noch der Abbau legaler Parkplätze nötig wären, um Radfahrstreifen mit mindestens Regelbreite herzustellen, da der Platz dafür ausreicht. Es handelt sich obendrein um eine Veloroute, auf der Hamburg also mit dem höchsten Standard bauen will, den die Stadt für den Radverkehr bereithält. Das wären in dieser Straße z. B. beidseitige Radfahrstreifen mit mindestens Regelbreite.

Es ist möglich, die Straße dabei so zu gestalten, dass das regelwidrige Parken weitestgehend unterbleibt und der Radverkehr trotzdem die größtmögliche Sicherheit bekommt. Andere Straßen in Hamburg belegen, dass dies geht.

Die Kernfahrbahn wäre dann so schmal zu gestalten, dass niemand auf die Idee kommt, darauf legale Parkmöglichkeiten zu vermuten. Eine beispielhafte Aufteilung könnte damit so aussehen:

  • 2,55 m Radfahrstreifen
  • 0,6 m doppelte Linie
  • 5,5 m Kernfahrbahn
  • 0,6 m doppelte Linie
  • 2,55 m Radfahrstreifen

Vom Bezirksamt hörten wir den Einwand, dass Autofahrer*innen ja den Radfahrstreifen überfahren könnten. Das ist allerdings eher nicht zu erwarten, wenn die Kernfahrbahn durch die genannte Planung frei bleibt. Außerdem darf das mögliche Fehlverhalten einzelner Autofahrer*innen nicht dazu führen, dass eine sehr gute und sehr sichere Radverkehrsplanung (breite Radfahrstreifen) zu Gunsten einer sehr viel schlechteren Planung (schmalere Schutzstreifen) verworfen wird.

Die Doppellinie ist in Hamburg noch selten, kann sich aber zur Verdeutlichung des Sicherheitsabstand anbieten, wie das Beispiel Rugenfeld zeigt.

Sollte sich nach dem Umbau herausstellen, dass der Radfahrstreifen im Leeschenblick mit Kfz befahren wird, könnten trennende Elemente innerhalb der o. g. doppelten Begrenzungslinien zwischen Radfahrstreifen und Kernfahrbahn ergänzt werden. Z. B. eine Reihe von Pollern (wie es z. B. in Berlin inzwischen gemacht wird) oder auch Inseln im Längsverkehr - Beispiele aus Hamburg siehe hier.

Wie der Straßenquerschnitt im Detail aussehen sollte, dazu werden sich die Planer*innen Gedanken machen und in der Planabstimmung kann eine gute Lösung im Detail gefunden werden. Der grundsätzliche Ansatz sollte aber sein: Wir planen mit beidseitigen breiten Radfahrstreifen und einer im Vergleich zu heute deutlich schmaleren Kernfahrbahn.

Zeichnung. Fahrbahn mit 5,5 m Radfahrstreifen mit je 2,55 m, dazwischen je 0,6 m Abstand durch Doppellinie ADFC-Bezirksgruppe Wandsbek
Vorschlag des ADFC zur Neuaufteilung der Fläche in der Straße Leeschenblick (Bramfeld) mit Stand vom 12.01.2020

Fotos der aktuellen Situation | Stand: 1/2020

adfc hh/Ulf Dietze
Leeschenblick Richtung Ost, links sind die Falschparker erkennbar
adfc hh/Ulf Dietze
In Richtung West fahren Radfahrer*innen auf dem Radfahrstreifen heute in einer Art Tunnel zwischen Bäumen und Falschparkern. An dieser Einmündung zum Sonnentauweg ist es besonders gefährlich, da Kfz-Führer*innen die Sicht auf den Radverkehr durch die Falschparker oft versperrt ist und sie zu schnell um die Kurve fahren.
adfc hh/Ulf Dietze
Dementsprechend ziehen auch heute schon nicht wenige Radfahrende die Fahrbahn dem Radfahrstreifen vor.
adfc hh/Ulf Dietze
Selbst Busfahrer fahren heute über den Radfahrstreifen, um Gegenverkehr passieren zu lassen, der sich aufgrund der Falschparker in der eigenen Spur befindet. Wobei hier Falschparker, Entgegenkommer und Busfahrer eines gemeinsam haben: Sie verhalten sich verkehrswidrig ...