30.08.2020

Veloroute 5: Fahrbahn im Leeschenblick neu aufgeteilt

Von: Ulf Dietze

Im Leeschenblick gab es seit Jahrzehnten Radfahrstreifen und eine sehr breite Kernfahrbahn. Auf dieser wurde regelwidrig geparkt. Im Zuge der Veloroutenplanung (!) sollte sich die Situation für Radfahrende weiter verschlechtern. Wir konnten aber eine bessere Lösung erreichen.

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adfc hh/Ulf Dietze

Leeschenblick Richtung Ost, links sind die Falschparker erkennbar. Sie versperren die Sicht auf den Radverkehr und führen dazu, dass Autofahrer*innen bei Begegnungsverkehr über den Radfahrstreifen fahren.

 

 

adfc hh/Ulf Dietze
Einmündung Sonnentauweg

Zwischen Radfahrenden auf dem Radfahrstreifen und abbiegenden Autofahrer*innen war die Sichtbeziehung unzureichend. Denn neben dem Radfahrstreifen wurden regelwidrig Autos geparkt. Es bestand auch immer die Gefahr plötzlich geöffneter Autotüren, ohne dass ausreichend Raum zum Ausweichen gegeben war.

zwischenzeitliche Planung

Plan vom Juni 2018 für den Leeschenblick

Zunächst wurde nun geplant, ganz offiziell einen Parkstreifen an den Fahrbahnrand zu markieren. Für den Radverkehr hätte es dann nur noch zwei schmale Schutzstreifen gegeben. Unter anderem lautete die Begründung für diesen Plan, man käme gegen das Falschparken nicht

ADFC-Vorschlag

Zeichnung. Fahrbahn mit 5,5 m Radfahrstreifen mit je 2,55 m, dazwischen je 0,6 m Abstand durch Doppellinie ADFC-Bezirksgruppe Wandsbek
Vorschlag des ADFC zur Neuaufteilung der Fläche in der Straße Leeschenblick (Bramfeld) mit Stand vom 12.01.2020

Die Bezirksgruppe Wandsbek des ADFC entwickelte dann den abgebildeten Gegenvorschlag.

Wesentliche Ziele dabei:

  • hohe Verkehrssicherheit
  • einer Veloroute angemessener Ausbau
  • wirksames Vorgehen gegen Falschparken

Die Kernfahrbahn sollte so schmal sein, dass niemand auf die Idee kommt, darauf legale Parkmöglichkeiten zu vermuten. Als Einwand kam aus der Verwaltung, dass Autofahrer*innen den Radfahrstreifen überfahren könnten. Das ist allerdings eher nicht zu erwarten, wenn die Kernfahrbahn durch die genannte Planung frei bleibt. Außerdem darf nach Ansicht des ADFC das mögliche Fehlverhalten einzelner Autofahrer*innen nicht dazu führen, dass eine sehr gute und sehr sichere Radverkehrsplanung (breite Radfahrstreifen) zu Gunsten einer sehr viel schlechteren Planung (schmalere Schutzstreifen) verworfen wird.

Die Doppellinie ist in Hamburg noch selten, kann sich aber zur Verdeutlichung des Sicherheitsabstands anbieten, wie das Beispiel Rugenfeld zeigt.

Der ADFC schrieb in seinen Vorschlag vom Januar aber auch: »Sollte sich nach Ende der Bauzeit und der Freigabe für den Verkehr herausstellen, dass der Radfahrstreifen im Leeschenblick mit Kfz befahren wird, könnten trennende Elemente innerhalb der doppelten Begrenzungslinien zwischen Radfahrstreifen und Kernfahrbahn ergänzt werden.« Das könnte zum Beispiel eine Reihe von Pollern sein (wie es z. T. in Berlin inzwischen gemacht wird) oder man könnte langgezogene schmale Inseln aufbringen - Beispiele aus Hamburg siehe hier.

Regionalausschuss entscheidet für die gute Lösung

Im Regionalausschuss Bramfeld diskutierten Parteien, Polizeikommissariat diesen Lösungsvorschlag und stimmten ihm zu.

»Der Regionalausschuss Bramfeld-Steilshoop-Farmsen-Berne stimmt dem Planungsvorschlag
des ADFC (Schreiben vom 12.01.2020) zu und bittet diesen zu berücksichtigen.« Regionalausschuss Bramfeld-Steilshoop-Farmsen-Berne vom 16.01.20

Inzwischen haben Planer*innen und Verwaltung den Entwurf angepasst, die Fahrbahn wurde neu asphaltiert und die Radfahrstreifen sind markiert. In Kürze wird die Straße wieder für den Fahrzeugverkehr freigegeben und auch der Bus fährt dann wieder hier durch.

adfc hh/Ulf Dietze
Radfahrstreifen vorher
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Radfahrstreifen nachher
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Kernfahrbahn vorher
adfc hh/Ulf Dietze
Kernfahrbahn nachher
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Nun gibt es breitere Radfahrstreifen, gute Sichtbeziehungen und eine Kernfahrbahn, die auch dem Letzten Autofahrer die ohnehin geltende Verkehrsregel erläutert: Parken darf man hier nicht. (Das gilt auch ohne die baustellenbedingten Parkverbotsschilder, die auf dem Foto zu sehen sind).

Nach Freigabe der Straße für den Durchgangsverkehr wird zu beobachten sein, ob sich die Verkehrsteilnehmer*innen an die Straßenverkehrsordnung halten. Dann funktioniert diese Straße gut. Ansonsten wird es - neben dem Anzeigen von Falschparker*innen - ggf. Nachsteuerung im Bereich der physischen Trennung von Rad- und Autoverkehr geben können. Für den Radverkehr haben alle Beteiligten in Politik und Verwaltung jedenfalls jetzt eine gute Lösung gefunden.