Verkehr
24.11.2017

Die Walddörferstraße aufwerten

Von: Ulf Dietze
  • Walddörferstraße heute

    Viele Radfahrende weichen auf die Nebenflächen aus oder meiden die Straße ganz

  • Eine Fahrradstraße in Göttingen

    Walddörferstraße morgen?

    So ähnlich könnte sie aussehen: sicher, ruhig, angenehm

  • Auto parkt an schmalem, unebenem Radweg

    neuer alter Vorschlag vom Gutachter: Friedrich-Ebert-Damm

    April 2017: Das soll die beste Strecke sein, die der Bezirk zum Radfahren anbietet?

Aktuelle Informationen rund um die zukünftige Gestaltung der Straße

Im Auftrag des Bezirks hat ARGUS Stadt- und Verkehrsplanung das Konzept für ein Netz von Velorouten für den Bezirk Wandsbek erarbeitet. Begleitet wurde der Prozess durch das Wandsbeker Fahrradforum.

Eine der vorgeschlagenen Velorouten verläuft durch die Walddörferstraße und soll laut Konzept in einem Abschnitt Fahrradstraße werden (FAQ Fahrradstraßen). Darüber gibt es heftige Diskussionen, weil u. a. einige Gewerbetreibende Nachteile für sich und ihre Betriebe befürchteten.

Aktuell zieht der Bezirk eine Routenführung über den Friedrich-Ebert-Damm vor, wie ihn das Büro PGV in einem weiteren Gutachten vorschlägt (s. Eintrag vom 27.04.17 auf dieser Seite). Hintergrund: Die Straßenverkehrsbehörde lehnte alle anderen in Frage kommenden Führungsformen für den Radverkehr durch die Walddörferstraße ab.

Diese Seite wird fortlaufend aktualisiert.

Pressefotos finden Sie hier.

Hintergrund: Was sind Velorouten?

Ein Radverkehrsnetz sollte »hierarchisch« aufgebaut sein. Es gibt dann bezirksübergreifende Velorouten, ergänzende Velorouten innerhalb des Bezirks, das normale Straßennetz und das sog. Nachbarschaftsnetz. Insgesamt ist das Ziel, sichere Radverkehrsverbindungen für jeden anzubieten. Das schafft der VerkehrsteilnehmerIn – egal ob jung oder alt – eine wirkliche Wahl: Nehme ich jetzt das Fahrrad oder doch das Auto, nehme ich den Bus oder gehe ich zu Fuß? Heute setzen sich viele auch deshalb ins Auto, weil sie für sich keine Alternative sehen. Letztlich ist die Erhöhung des Radverkehrsanteils das Ziel. Denn das reduziert die Luftverschmutzung und die Lärmemissionen, erhöht die Verkehrssicherheit, reduziert Parkplatzbedarf – und sorgt letztlich auch für jenen Platz, den der notwendige Anteil des Autoverkehrs benötigt.

Velorouten setzen sich meist aus ganz »normalen« Straßen zusammen: Tempo-30-Abschnitte, ein Weg durch einen Park (wie im Eilbekpark), eine am Ende offene Sackgasse, eine in beiden Richtungen befahrbare Einbahnstraße, eine Fahrradstraße usw. So entsteht eine längere attraktive und sichere Verbindung, die eine zügige Reisegeschwindigkeit erlaubt. (Position Velorouten des ADFC Hamburg)

Die Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation veröffentlichte im November 2017 das Dokument »Velorouten in Hamburg – Grundlagen und Leitlinien«. Darin nennt sie ihre Anforderungen an die Routenqualität.


Termine/Aktuelles/Zeitschiene

30.11.2017 | Bezirksversammlung: Antrag auf Grundinstandsetzung

Die Bezirksversammlung tagt am 

Donnerstag, 30. November 2017, um 18:00 Uhr im Bürgersaal Wandsbek (barrierefrei), Am Alten Posthaus 4, 22041 Hamburg.

Es liegt ein gemeinsamer Antrag der Bezirksfraktionen Bündnis 90/Die Grünen und SPD vor. Gefordert wird die Grundinstandsetzung der Walddörferstraße. »Diese soll neben einer Sanierung der Fahrbahn insbesondere auch eine Verbesserung und Ordnung der Nebenflächen umfassen und den dort gut angenommenen Bus-Linienbetrieb berücksichtigen«. Gefordert wird eine Lösung, die die Situation zum Radfahren verbessert, Baumbestand schont und Bürger während der Planung beteiligt.

Antrag von B90/Grüne und SPD (PDF)

19.06.2017 | Informationsveranstaltung zur Routenführung

Das Bezirksamt lädt alle interessierten Bürgerinnen und Bürger zu einer Informations- und Beteiligungsveranstaltung ein am

Montag, dem 19. Juni 2017, um 18:00 Uhr im Bürgersaal Wandsbek (barrierefrei), Am Alten Posthaus 4, 22041 Hamburg. Einladung (PDF)

Dort geht es thematisch um den sog. Korridor A, das ist die Verbindung von S-Friedrichsberg bis U-Farmsen. Ursprünglich sollte die Strecke über die Walddörferstraße verlaufen (so das Ergebnis des Fahrradforums Wandsbek und des Planungsbüros ARGUS). Nach Widerstand u. a. einiger Gewerbetreibender und Blockade durch die Innenbehörde läuft es nun auf eine Streckenführung entlang des Friedrich-Ebert-Damms hinaus (Planungsbüro PGV-Alrutz GbR).

Nach Ansicht des ADFC stellt sich der Bezirk mit dieser Routenwahl ein Armutszeugnis aus. Die jetzt präferierte Radwegführung entlang einer stark vom Autoverkehr belasteten Straße wie dem Friedrich-Ebert-Damm ist aus sicht des Fahrradclubs alles andere als die versprochene »hochwertige Verbindung«. siehe auch unsere Pressemitteilung

Das Protokoll dieser Veranstaltung (PDF)


27.04.2017 | PGV: Vorplanung von Korridor A

Die Präsentation des Planungsbüros PGV

Das beauftragte Fachbüro PGV stellt seine Ergebnisse für die Prüfung des Korridor A dem Verkehrsausschuss der Bezirksversammlung vor. Darin wird statt der Walddörferstraße der Friedrich-Ebert-Damm vorgeschlagen für die Strecke S-Friedrichsberg bis U-Farmsen.

Do., 27.04.2017, 18 Uhr, Bürgersaal Wandsbek, Am Alten Posthaus 4, 22041 Hamburg

Präsentation des Planungsbüros PGV

ADFC-Pressemitteilung


10.11.2016 | Information zum Sachstand

Das Bezirksamt teilt der Bezirksversammlung mit:

»Das beauftragte Fachbüro erarbeitet auf der Grundlage der im Radverkehrskonzept genannten Daten für den Korridor A und auf der Grundlage der Ergebnisse des Anhörungsverfahrens vom 25.04.2016 für die Gremien der Bezirksversammlung eine Entscheidungsvorlage mit einer Routenempfehlung, in der Vor- und Nachteile der genannten Routen

  • Friedrich-Ebert-Damm
  • Walddörferstraße
  • Wandsewanderweg

beschrieben werden.«

Auch der Verlauf der Veloroute 6 – insbesondere im Bereich zwischen S-Bahnhof Friedrichsberg bis Friedrich-Ebert-Damm – werde berücksichtigt. Mit der Entscheidungsvorlage werde seitens des Bezirksamtes Anfang 2017 gerechnet. Die Ergebnisse würden den Gremien der Bezirksversammlung vorgestellt.

Originaldokument Drucksache 20-3146


12.05.2016 | Beschluss der Bezirksversmmlung zur erneuten Prüfung

Im Mai 2016 debattiert die Bezirksversammlung Wandsbek erneut über die Walddörferstraße. Dabei geht es auch nochmal um die öffentliche Anhörung vom 25.04. Kritisiert wird u. a. das Verhalten eines Teils des Publikums der Anhörung. Eine Anhörung sei dazu da, sich und andere zu informieren. Wer andere Meinungen nicht zulasse und Wortbeiträge anderer störe, verlasse die gemeinsame Basis des Beteiligungsverfahrens. Nach der Anhörung hätten BürgerInnen, die angesichts der Atmosphäre der Anhörung nicht das Wort ergriffen hätten, den Abgeordneten ihre abweichenden Wünsche geschrieben.

Am Ende der Debatte am 12.05.16 fasst die Bezirksversammlung einen Beschluss. Inhalt sind u. a.

  • Das Planungsbüro möge die Ausgestaltung einer schnellen Radverkehrsverbindung zwischen U-Farmsen und S-Friedrichsberg vertieft prüfen.
  • Darin sollen abschnittsweise verschiedene Lösungsmöglichkeiten betrachtet werden, Vor- und Nachteile für die verschiedenen Verkehrsarten und die Umwelt. Auch Verbesserungen für den Radverkehr abseits des Modells Fahrradstraße sind hier zu prüfen.

Originaldokument : Debatenantrag von SPD und GRÜNEN und Beschluss

 


25.04.2016 | Anhörung

Publikum blickt zum Podium
Anhörung der Bezirksversammlung Wandsbek am 25.04.2016

Der Wirtschafts- und Verkehrsausschuss der Bezirksversammlung lädt Anwohner, Gewerbetreibende und Interessierte ein, sich in einem öffentlichen Anhörverfahren über das Wandsbeker Radverkehrskonzept und einen zur Diskussion stehenden Trassenverlauf zwischen Friedrichsberg und Farmsen zu informieren und Fragen dazu zu stellen. Die Veranstaltung findet statt am Montag, 25. April 2016, 18:00 Uhr im Bürgersaal Wandsbek, Am Alten Posthaus 4, 22041 Hamburg.

Erstmals benennt auf dieser Sitzung die Straßenverkehrsbehörde Bedenken gegen die Fahrradstraße und gegen Tempo 30 in der Walddörferstraße. Warum das nicht früher geschehen ist (z. B. im Fahrradforum) oder was denn die Behörde stattdessen für die Verbesserung der desolaten Radverkehrssituation in der Walddörferstraße vorschlägt, erklärt Frank Pohlmeyer (Behörde für Inneres und Sport, Grundsatzangelegenheiten des Straßenverkehrs) auch auf Nachfrage nicht.


05.11.2015 | ARUGS: Radverkehrskonzept für den Bezirk Wandsbek

Das Planungsbüro stellt im November 2015 das Ergebnis seiner Arbeit im Verkehrsausschuss der Bezirksversammlung vor. Dabei handelt es sich um ein Konzept und nicht etwa um eine fertige Straßenplanung. Zweifel an der Routenführung durch die Walddörferstraße kamen laut Protokoll der Sitzung nicht auf.

mehr zur Entstehung des Konzepts und Download

Warum die Walddörferstraße?

Zu Beginn der Arbeit des Fahrradforums und des Planungsbüros Argus geht es darum, geeignete Korridore für mögliche Velorouten zu finden.

  • Das Gutachterbüro wertet die Quellen und Ziele des Radverkehrs in Wandsbek aus.
  • Hinzu kommt eine Auswertung der Radverkehrsunfälle der Jahre 2009-2013. Datenbasis dafür ist die polizeiliche Verkehrsunfallstatistik. Durchgeführt wird die Auswertung von der Planungsgemeinschaft Verkehr, Hannover.
  • Eine Onlinebefragung zeigt, wo Radfahrende besonders viel Bedarf nach Verbesserungen sehen (mehr dazu).

Letztlich ist dann im Fahrradforum die Frage, ob versucht wird, eine Veloroute entlang einer Hauptstraße wie der Ahrensburger Straße oder dem Friedrich-Ebert-Damm zu entwickeln. Dort wird aber eine Veloroute, die ihrem Namen gerecht wird und die Ansprüche an Sicherheit, Attraktivität und Zügigkeit erfüllt, nicht herstellbar sein. Das ist im Fahrradforum Konsens.

Vorschläge für die Walddörferstraße

argus
Vorschläge von Argus für Maßnahmen auf der Veloroute. "Fahrradstraße" meint hier "Fahrradstraße/Anlieger frei" oder "Fahrradstraße/Kfz frei" (Stand: November 2015)

In dem Gutachten, das als Ergebnis der Sitzungen des Fahrradforums Wandsbek entsteht, skizziert Argus Ende 2015 erste Ideen für eine neue Straßengestaltung (siehe nebenstehende Grafik).

Eine Alternative ist der Wandsewanderweg. Aber der ist streckenweise nicht ausreichend breit und hat eine wassergebundene Oberfläche. Schneller und zahlenmäßig wachsender Radverkehr würde erhohlungssuchende FußgängerInnen stören. Nicht zuletzt bietet der Weg nachts nicht die nötige soziale Sicherheit (ausführlich zum Wandsewanderweg hier).

Karte von Walddörferstraße und Wandsewanderweg
Unsere Karte zeigt den Verlauf der Walddörferstraße und jenen des Wandsewanderwegs

Somit ergibt sich die Walddörferstraße als beste aller möglichen Lösungen. Sie ist eine einigermaßen geradlinige Verbindung, rund um die Uhr befahrbar (also auch nachts und bei Regen) und bindet große Wohngebiete unmittelbar an. Eine Umgestaltung der Straße mit Radfahrstreifen, Tempo 30 oder Fahrradstraßenabschnitt würde außerdem die Wohnqualität verbessern. Ein Abbiegegebot für Kraftfahrzeuge an einem kleinen Abschnitt der Strecke oder eine Durchfahrsperre würde Durchgangsverkehr aus der Straße herausnehmen.

Bei der Variante Fahrradstraße (genauer: »Fahrradstraße/Anlieger frei« oder »Fahrradstraße/Kfz frei«) würden KundInnenn, Lieferverkehr, AnwohnerInnen und BesucherInnen sämtliche Geschäfte selbstverständlich weiter auch per Auto erreichen können. Auch wenn in der öffentlichen Debatte das Gegenteil suggeriert wird: Ein Abkoppeln von Wohnungen oder Gewerbe vom Autoverkehr ist zu keinem Zeitpunkt vorgesehen.


März - Juni 2015 | Online-Befragung

In der Zeit vom 09. März 2015 bis 30. Juni 2015 haben Bürgerinnen und Bürger Gelegenheit, über eine Online-Plattform Anregungen und Vorschläge zu machen und sich so an den Planungen des Radverkehrskonzeptes für den Bezirk Wandsbek zu beteiligen. mehr ...


29.04.2015 | PGV: Unfallgeschehen im Radverkehr

Für das Radverkehrskonzept des Bezirks Wandsbek erstellt das Planungsbüro PGV eine Studie zum Unfallgeschehen im Bezirk Hamburg Wandsbek. Betrachtet werden die Unfälle mit Beteiligung von Radfahrenden im 5-Jahres-Zeitraum 2009 - 2013:

»Es überwiegen die typischen Knotenpunkt-Unfälle

  • am häufigsten sind Unfälle beim Einbiegen/Kreuzen (ca. 45 %)
  • Zweithäufigster Unfalltyp: Unfall beim Abbiegen (ca. 21 %)

→ Zusammen 66 %«

(Quelle: Planungsgemeinschaft Verkehr, Hannover: Radverkehrskonzept  Hamburg, Wandsbek – Analyse der Radverkehrsunfälle)

Das deckt sich in etwa mit Zahlen anderer Untersuchungsgebiete und -zeiträume. AutofahrerInnen achten beim Einfahren in eine Straße oder beim Abbiegen nicht genügend auf Radverkehr – sie »vergessen« ihn einfach, weil er auf dem Radweg hinter parkenden Autos versteckt unterwegs ist. Darum setzt heutige Verkehrsplanung auf Lösungen, die den Radverkehr ständig im Sichtfeld der AutofahrerIn führen: Nur wer mich sieht, fährt mich nicht um. Lösungen dafür sind vor allem Tempo 30 mit Mischverkehr, Fahrradstraßen oder Radfahrstreifen und Schutzstreifen.

4/15 – 9/15 | Fahrradforum für das Erstellen des Wandsbeker Radverkehrskonzepts

Von April bis September 2015 trifft sich das Fahrradforum Wandsbek zu drei Sitzungen. Teilnehmer waren (z. T. nicht bei jeder Sitzung anwesend) 

  • ARGUS
  • BWVI
  • Management des öffentlichen Raumes, Wandsbek
  • SPD, Die Linke, CDU, Die Grünen
  • Polizeikommissariate 31, 36, 35, 37, 38
  • Verkehrsdirektion VD 51
  • Hochbahn
  • ADAC, ADFC

Auf den Sitzungen wird der jeweilige Stand der Konzeptentwicklung besprochen. Diskutiert wird auch, welche Charakteristik eine zu planende Radroute haben sollte. Konsens ist, dass die weniger befahrenen Straßen (gemeint ist u. a. Walddörferstraße) geeigneter sind, als die stärker befahrenen (konkret Friedrich-Ebert-Damm und Ahrensburger Straße). Argumente sind vor allem die Unfallschwere, die an höher belasteten Straßen größer ist, sowie die Möglichkeiten für Veränderungen der Infrastruktur, die in den weniger belasteten Straßen i. d. R. größer sind.


Andere Meinungen

»Behörde blockiert Fahrradstraße in Wandsbek« Planungsbüro schlägt Route über Friedrich-Ebert-Damm vor, weil Straßenverkehrsbehörde gute Lösungen für die Walddörferstraße nicht zulässt, Hamburger Abendblatt, 28.04.2017

»Jetzt geht es rund« Zur Diskussion um die Einrichtung einer Fahrradstraße. »Die Zeit«, Printausgabe vom 21.04.16 

Die Interessengemeinschaft Walddörferstraße sieht die Sachlage anders als der ADFC. Auf deren Webseite können Sie sich informieren.

Austausch IG Walddörferstraße und ADFC am 10.03.2016

Sie können sich auch an unserer Online-Diskussion beteiligen.