10.06.2012

Vision Zero

Von: Susanne Elfferding, Ulf Dietze
Broschüre des DVR

Wir haben eine Technik entwickelt, die vielen von Ihnen Vorteile bringen wird. Kleiner Nachteil: Täglich werden in Deutschland zehn Menschen daran sterben. Wollen Sie diese Technik haben?

 

Mit dieser Denkübung verdeutlicht der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR), welche Folgen unser Verkehrssystem hat. 732151 Menschen starben in Deutschland seit 1953 bei Verkehrsunfällen. Trotz immer weiter gesunkener absoluter Zahl Getöteter pro Jahr, sind es eben bis heute zehn Menschen am Tag, die im Verkehr ihr Leben lassen und viele mehr, die lebenslang unter Unfallfolgen leiden. Es gibt keinen Aufschrei der Gesellschaft, dass man daran etwas ändern müsse. Aber es gibt auch jene, die diese Art, Mobilität zu organisieren, nicht hinnehmen wollen – die der alltäglichen Verletzung der Grundrechte etwas entgegensetzen möchten.

Die Leitgedanken der Kampagne

  • Das Leben ist nicht verhandelbar: Dem Recht auf körperliche Unversehrtheit muss mehr Bedeutung begemessen werden.
  •  Der Mensch ist fehlbar: Menschen machen Fehler, darum muss ein Verkehrssystem fehlertolerant sein.
  •  Die tolerierbaren Grenzen liegen in der physischen Belastbarkeit des Menschen: Geschwindigkeiten dürfen nur so sein, dass im Falle eines Unfalls der Mensch keine ernsthaften Personenschäden davonträgt.
  •  Die Menschen haben ein Recht auf ein sicheres Verkehrssystem: Planer, Politiker und Straßenverkehrsbehörden machen es sich zu leicht, wenn sie die Schuld am Unfall nur den Unfallbeteiligten geben. Denn sie selbst tragen Verantwortung für das von ihnen konstruierte Verkehrssystem.

Der Gedanke, dass Unfälle vermeidbar sind und dass sich alle für dieses Zeil einsetzen müssen, stammt eigentlich aus der Zeit der industriellen Revolution. Wenn man bedenkt, wie schrecklich die Arbeitsbedingungen und wie hoch die Risiken für die Arbeiter im 19. Jahrhundert waren und welche hohen Sicherheitsanforderungen heute als selbstverständlich vorausgesetzt werden, kann man sagen, dass »Vision Zero« in der Industrie sehr erfolgreich war.

Maßnahmen

Im Verkehr ist die Situation eine andere: Jeden Tag sterben hier in Deutschland zehn Menschen. Schwerverletzte leiden lebenslang unter den Folgen. Die »Vision Zero« fordert deshalb, das System Straßenverkehr so zu gestalten, dass tödliche Unfälle gar nicht eintreten. Neben baulichen Maßnahmen wird Wert auf eine sicherheitsrelevante Fahrzeugtechnik und auf Information und Öffentlichkeitsarbeit gelegt. Die drei wesentlichen Handlungsfelder bezieht der Deutsche Verkehrssicherheitsrat auf die »drei Killer«, die die Unfallforschung in Europa identifiziert hat: unzureichende Gurtnutzung in Fahrzeugen (derzeit besonders auf Rücksitzen, bei Kindern und in Nutzfahrzeugen problematisch), Alkohol im Straßenverkehr (für viele immer noch ein Kavaliersdelikt) und zu schnelles Fahren (ebenfalls eher Norm als Ausnahme im täglichen Verkehr).

Während sich die Handlungsfelder an der potenziellen Gefährdung anderer orientieren, wurden die Zielgruppen aufgrund eines erhöhten Risikos, im Straßenverkehr getötet zu werden, ausgewählt: Fußgänger, Radfahrer, junge Autofahrer, motorisierte Zweiradfahrer, Senioren und Kinder. Auch hier setzt der DVR besonders auf Infrastruktur, Fahrzeugtechnik und Aufklärung.

Um die Verkehrsteilnehmer zu schützen, plädiert der Verkehrssicherheitsrat für eine fußgänger- und radfahrerfreundliche Gestaltung der öffentlichen Räume, für Fahrzeugtechologie, die nicht nur die Fahrer und Mitfahrer schützt und für nachvollziehbare Verkehrsregeln, die konsequent durchgesetzt werden. Außerdem unterstützt er Tempo 30 als stadtverträgliche Regelgeschwindigkeit, wie vom wissenschaftlichen Beirat des Bundesverkehrsministers vorgeschlagen. Aber auch Kampagnen für mehr Rücksichtnahme und Verantwortung, eine Straßengestaltung, die zum sicheren Verhalten einlädt und Sicherheitsaudits, die Straßenplanungen auf ihre Sicherheit für Radfahrer und Fußgänger überprüfen.

Weitere Informationen zu Vision Zero:
http://www.dvr.de/presse/informationen/vision_zero.htm

Die Publikation des DVR:
http://www.dvr.de/download2/p3042/3042_0.pdf