06.03.2018

Rad fahren auch im Winter

Von: Online-Redaktion
Radfahrer auf der Alster adfc hh/Gundi Schuck
Radfahren auf dem Alstereis

Trotz schwieriger Straßenverhältnisse muss das Fahrrad im Winter keine Pause machen – gut ausgerüstet lässt sich auch bei Schnee, Eis und Dunkelheit sicher und zügig Radfahren.

Spikes

adfc hh/Malte Wiedenmann
Reifen mit grobem Profil und Spikes – bei diesem Exemplar teilweise schon verloren

Im üblichen Hamburger Winter sind Radfahrer*innen mit normaler Bereifung gut gerüstet, bei etwas Schnee sind grobstollige Profile von Vorteil. Wenn es richtig glatt wird auf festgefahrener Schneedecke oder Eis helfen Spikes-Reifen. 

Seit etlichen Jahren bieten mehrere Hersteller Spike-Bereifung für Fahrräder an. Im Gegensatz zu Kraftfahrzeugen dürfen Fahrräder mit kleinen Metallnoppen besetzte Reifen haben, da keine Gefahr einer Fahrbahnbeschädigung besteht.

Prinzipiell kann man zwei Typen von Spike-Reifen unterscheiden:

  • Die einen haben die Spikes nur an den Rändern der Lauffläche. 100 bis 120 Spikes haben nur bei geringerem Reifendruck Kontakt zur Fahrbahnoberfläche, bei 3,5 bis 4 bar fährt sich der Reifen fast wie ein normaler grobstolliger Reifen. Die winterspezifischen Qualitäten kommen erst bei geringerem Luftdruck zum Tragen: bei etwa 2,5 bar können sich die Nägelchen in die festgefahrene Schneedecke oder ins blanke Eis krallen. Diese Reifen sind eine gute Wahl für diejenigen Radler*innen, die nicht die Möglichkeit haben, mehrere Fahrräder im Winter zu nutzen.
  • Wer sich den Luxus mehrerer Laufradsätze oder sogar mehrerer Fahrräder leisten kann, greift auf Reifen zurück, deren ganze Lauffläche mit 240 bis 369 Spikes bestückt ist. Damit ist selbst bei extremer Glätte nahezu rutschfreies Anfahren und Abbremsen möglich, selbst geneigte Kurvenfahrten wie im Sommer sind für routinierte Fahrer*innen auf vereisten oder festgefahrenen Schneedecken ohne Angstschweiß machbar. Auf losem Schnee bieten Spikes kaum Vorteile, hier ist weiterhin extreme Vorsicht nötig.
Spikesreifen, verschmutzt von Schnee und Streugut adfc hh/Ulf Dietze
Winterreifen mit Spikes: Macht die Fahrt erheblich sicherer

Wenn Rahmen und Radschutz dem erhöhten Platzbedarf für gröbere Stollen, Spikes und etwas Schnee und Matsch gewachsen sind, können die Reifen unter Beachtung der Laufrichtung montiert werden. Um die Verletzungsgefahr zu verringern sind dabei Arbeitshandschuhe empfehlenswert. Das Einfahren sollte auf trockenen Straßen erfolgen, die Reifenhersteller empfehlen etwa 50 km bis die Spikes guten Halt entwickeln.

Spike-Reifen kosten 40 bis über 100 Euro pro Reifen. Das ist nicht wenig Geld, besonders wenn man die begrenzte Lebensdauer in Betracht zieht: Während ein guter Alltagsreifen mindestens 5000 bis 10.000 km hält, kann ein Spike-Reifen seine besonderen Eigenschaften durch fortschreitenden Verlust der Metallstifte (in Abhängigkeit der Fahrtstrecke auf schnee- und eisfreiem Untergrund) schon nach 2000 km verlieren.

Trotzdem bieten Spikes die Chance, auch im Winter unabhängig und trotz deutlich erhöhten Rollwiederstands einigermaßen zügig zum Ziel zu kommen. Und ein Sturz kann deutlich teurer und unangenehmer werden.

Wer sich kein Extrafahrrad mit Spikesreifen leisten mag, ist gut bedient mit einem Extra-Laufrad für vorne. So können zwischen glatter Jahreszeit und sonstigem Jahr einfach diese beiden Laufräder (mit Spikes/ohne Spikes) getauscht werden. Die Fahreigenschaften verbessern sich deutlich. Die fehlenden Spikes des Hinterrades machen sich i. d. R. wenig bemerkbar.

Schutz vor Erkältung

»Die weit verbreitete Annahme, Erkältungen würden regelmäßig allein durch Kälte verursacht, ist nicht korrekt. Kälte allein kann keine Erkältung auslösen. Sicher ist aber, dass die Schleimhäute im Winter durch die geringere Luftfeuchtigkeit in der Atemluf trockener und somit anfälliger für Infektionen sind. Dagegen hilft eine Radtour an der frischen Luft sehr effektiv. Aber sicher scheint auch, dass eine übermäßig lange oder intensive Kälteeinwirkung auf einen nicht ausreichend geschützten Körper zu einer Schwächung des Immunsystems führen kann.« (Andreas Brannasch, AOK Rheinland/Hamburg in RadCity 5/2011)

Tipps

Handschuhe mit Fächern für Daumen und zweimal je zwei Fingern adfc hh/Nicolai Berger
Bei diesen Handschuhen sind jeweils zwei Finger zusammen »verpackt« aber die Fingermotorik ist soweit möglich, dass die Bedienung der Fahrradtechnik flott funktioniert.
  • Gegen kalte Füße auf Langstrecken hilft es, einen Abschnitt von z. B. 300 m zu Fuß zu gehen.
  • Bei der Kleidung sollten Sie aufs Zwiebelschalenprinzip achten. Nässe durch Schwitzen sollte vermieden werden, da es leicht zur Auskühlung führt. Stirnband, Schlauchschal, Mütze sind wichtig, da über Kopf und Finger viel Wärme verloren geht. Gegen kalte Finger bei minus 10 Grad und kälter helfen Handschuhe, die eine Mischung aus Fingerhandschuh und Fäustlingen sind: Die Finger wärmen sich gegenseitig aber das Bedienen der Gangschaltung und ähnliches bleibt weiterhin gut möglich.
  • Radfahrende dürfen auf der Fahrbahn fahren, es sei denn, dass ein Radweg durch das blaue Verkehrszeichen als benutzungspflichtig gekennzeichnet ist. Ist ein solcher benutzungspflichtiger Radweg aber nicht geräumt und damit unbenutzbar, empfiehlt der ADFC, zur eigenen Sicherheit auf der Fahrbahn zu fahren.

Malte Wiedenmann in RadCity 6/2010 aktualisiert 03/2018,
Redaktion: Mitglieder der ADFC-Bezirksgruppe Wandsbek