Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Landesverband Hamburg e. V.

Die Weltmeisterschaft der HPV

Im Sommer 2026 nahmen Teilnehmer des Hamburger Liegeradstammtisch an der Weltmeisterschaft für HPV "Human Powered Vehicles" bzw. muskelbetriebene Fahrzeuge teil. Hier findest du einen Bericht über die WM.

HPV steht für „Human Powered Vehicles“, also muskelbetriebene Fahrzeuge – und das sind normale Rennräder natürlich auch. Allerdings wurden spezielle Entwicklungen wie Liegeräder oder aerodynamische Verkleidungen vom Reglement des Internationalen Radsportverbandes UCI explizit ausgeschlossen. 1976 gründete sich deshalb in Kalifornien die International Human Powered Vehicles Association (IHPVA), die Fahrzeugentwicklungen nach dem Motto „Alles ist erlaubt, solange es muskelbetrieben ist“ unterstützt.

Jedes Detail zählt

Mittlerweile tragen die Länderverbände (in Deutschland ist das der HPV Deutschland e.V.) reihum eine jährliche Weltmeisterschaft aus. Rund einhundert internationale Teilnehmer*innen ermitteln an einem Wochenende in verschiedenen Disziplinen und Fahrzeugklassen die jeweils Besten. An Fahrzeugklassen wird üblicherweise unterschieden zwischen unverkleideten, teilverkleideten und vollverkleideten Liegerädern und Trikes, die Renngeschwindigkeiten bewegen sich zwischen gut 40 km/h bei den unverkleideten bis hin zu über 70 km/h bei den vollverkleideten Fahrzeugen. Zu den Letzteren zählen auch die eiförmigen zweirädrigen Liegeräder, die teilweise einen Helfer oder ein Landefahrwerk zum Starten und Stoppen brauchen, sowie die zahlreicher vertretenen dreirädrigen Velomobile. Ab etwa 45 km/h entfallen 80 bis 90 Prozent der Fahrwiderstände auf die Luft. Wer die in den Griff bekommt, fährt mit derselben Leistung deutlich schneller – genau darum dreht sich die ganze Szene.

In diesem Jahr fand die Weltmeisterschaft vom 10. bis 12. Juli im Dreiländereck bei Maastricht statt, genauer im Tom Dumoulin Bike Park in Sittard-Geleen, der mit verschiedenen Strecken und Kursen präpariert war: ein inneres Oval für hohe Geschwindigkeiten, ein äußeres Rechteck mit anspruchsvolleren Kurven und ein Hügel in der Mitte. Für die einzelnen Läufe wurden diese Strecken immer wieder neu kombiniert. Und wie war das Wetter? Wolkenlos und mit bis zu 35 Grad gnadenlos heiß.

Die Tücken des Kurses

Gerade die schnellen, engen Kurven sind für Mehrspurer – Velomobile und Trikes – materialintensiv. Anders als ein Rennrad bleiben diese Fahrzeuge in den Kurven aufrecht, und die gesamte Seitenführungskraft geht über den Reifen. Das kostet Gummi und damit Energie. Saubere Fahrlinie, gute Materialwahl und passendes Setup sind entsprechend wichtig, sodass einzelne Fahrer*innen – passend zur Hauptrichtung des Kurses – für das kurvenäußere Rad einen größeren Reifen und ein höheres Feder-Setup gewählt haben, weil sich damit auf der flachen Strecke ohne Steilkurven die Kippgrenze etwas verschieben lässt.

 

Die Rennen aus Hamburger Sicht

Für den Hamburger Liegeradstammtisch waren Carsten und Phillip am Start, die schon am Donnerstag angereist waren. Nach einem kurzen Einrollen ging es am Freitagabend in das erste Rennen: die „Schnellste Runde“.

Zunächst fuhr man noch etwas unsicher durch die teilweise recht engen Kurven, aber mit zunehmender Renndauer wurden sie in immer höherem Tempo genommen. Mit dem zweiten und vierten Platz bei den unverkleideten Fahrzeugen und einem Rundenschnitt von knapp unter 50 beziehungsweise 47 km/h gelang den beiden ein sehr guter Einstand. Für Carsten war der vierte Platz seine bisher beste Platzierung bei einer Weltmeisterschaft.

Als Nächstes folgte am Samstagmorgen das Einzelzeitfahren über eine Stunde. Carsten hatte sich für dieses Rennen eine Verbesserung seines persönlichen Rekords vorgenommen, den er mit einem Stundenschnitt von 40,9 km/h bei der WM in Großbritannien vor zwei Jahren aufgestellt hatte. Mit einem Schnitt von 41,2 km/h klappte das am Ende auch und reichte für den 6. Platz in der Wertung für dieses Rennen. Auch für Phillip verlief das Zeitfahren gut: Er wurde Vierter.

Nach einer kurzen Pause folgte das Hügelkriterium, aufgrund der Hitze um zehn Minuten auf 35 Minuten Dauer verkürzt. Carsten hatte sich mittels eines KI-generierten Trainingsplans sehr akribisch darauf vorbereitet und sich eine viel versprechende Taktik zurecht gelegt: Berg hoch volle Kraft, Berg runter Tempo aufnehmen und über den Rest der Runde die Kraft etwas zurücknehmen. Das Intervalltraining in der Vorbereitung zahlte sich offensichtlich aus, denn er konnte seine Leistung gleichmäßig wie ein Uhrwerk über den gesamten Rennverlauf auf hohem Niveau halten. Am Ende standen für Phillip beziehungsweise für Carsten wieder ein vierter und ein sechster Platz in der Wertung.

Am Sonntag folgte noch das Langstreckenrennen, das von geplant drei Stunden auf eine Länge von zwei Stunden verkürzt wurde. Hier gab es, im Gegensatz zu den anderen Rennen, die Möglichkeit, im Windschatten von anderen Teilnehmenden zu fahren, wovon auch unsere beiden Hamburger reichlich Gebrauch machten. So gelang Phillip ein dritter und Carsten ein achter Platz.

In der Gesamtwertung aller Rennen wurde Phillip dann Dritter und Carsten Sechster bei den unverkleideten Liegerädern. Gratulation zu diesen tollen Leistungen!


Der erste Teil des Textes ist eine gekürzte Version des Beitrags von Christian Winkgen für den RC Musketier Wuppertal e.V. 1968 (Quelle: rc-musketier.de/hpv-world-championships-2026-in-sittard-geleen/). Der zweite Teil stammt von Morten Himmel, Hamburger Liegeradstammtisch.

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